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SWG unterschätzte die Komplexität des Projekts Windpark Grenchen

Die SWG wird nicht wie geplant bereits 2014 mit dem Bau des Windparkes Grenchen beginnen können. Dies aufgrund der Komplexität des Projektes und aufwendigen Abklärungen.

Patrick Furrer
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Per Just, Direktor der Stromlieferantin und Projektherrin SWG, spricht über das Grossprojekt.

Per Just, Direktor der Stromlieferantin und Projektherrin SWG, spricht über das Grossprojekt.

Hanspeter Bärtschi

Die Komplexität des Projektes Windpark Grenchen fordert ihren Tribut. Die SWG wird nicht bereits 2014 mit dem Bau beginnen können. Zu aufwendig und zeitintensiv seien die Abklärungen, bestätigt Geschäftsführer Per Just im Interview. Widerstand aus der Bevölkerung gegen «Begleiterscheinungen» des Grossprojektes ist nicht auszuschliessen. Anderes hingegen konnte gelöst werden – beispielsweise die Probleme der Stromableitung durch ein Schutzgebiet. 35 Mio. Franken kostet das Projekt. Dereinst soll der Windpark rund 67 Prozent der Grenchner Haushalte mit Strom versorgen.

Per Just, viele Beobachter fragen sich, warum die Stadt und die SWG den Ablauf des Mitwirkungsverfahrens geändert haben. Die Stadt hat den Lead für die Vorabklärungen dem Kanton übergeben?

Mit den Behörden wurde vereinbart, dass der Kanton diese erste Vorprüfung macht. Das macht Sinn, denn beim Grenchner Windpark handelt es sich um einen Prototyp. Wir versuchen durch dieses Vorgehen, das Risiko zu minimieren, dass wir einen zweiten oder dritten Anlauf nehmen müssten. Wir haben gemerkt, dass wir den Kanton früher einbeziehen müssen, weil das Projekt noch komplexer ist als erwartet. Und natürlich sind wir froh, wenn wir in der öffentlichen Mitwirkung auch den Kanton hinter uns wissen.

Die Bergstrasse muss für den Transport der Maschinen und Windrotoren verstärkt werden. Man hört auch, es müssten dafür ganze Baumreihen gerodet werden.

Es stimmt, dass Bäume gefällt werden müssten, beispielsweise am Bettlachrank. Allzu viele sind es aber nicht, und natürlich wird für jeden gefällten Baum ein neuer gepflanzt. Mit der Bürgergemeinde hatten wir intensive Diskussionen deswegen.

Sind es nicht doch mehr Bäume?

Es wären mehr gewesen, aber wir haben eine neue Transportmöglichkeit entdeckt: Die grossen Turbinenblätter werden dabei auf 40 Prozent statt nur 20 Prozent diagonal aufgestellt, weshalb an der Strasse weniger bauliche Massnahmen nötig sind.

Gibt es weitere Neuigkeiten?

Wir wissen jetzt, wie und wo wir den erzeugten Strom ableiten werden. Und zwar im bestehenden, unterirdischen Trassee der GAG, das von Untergrenchenberg in die Stadt führt. So ist von der Stromableitung später optisch nichts zu sehen.

Klingt gut, aber Hand aufs Herz, welche Gründe gibt es noch? Man weiss, dass die Ableitung zuerst oberirdisch entlang der bestehenden Masten durch die Wandflue bei Bettlach hätte führen sollen.

Das stimmt tatsächlich. Dort haben wir bereits Stromleitungen, allerdings solche, die wir ausbauen müssten. Heute führen wir dort nicht einmal ein ganzes Megawatt durch, künftig wären es 15 bis 20 Megawatt gewesen. Das wäre sehr kompliziert geworden, weil die Wandflue ein BLN-Gebiet (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung) ist und damit einen gewissen Schutz auf Bundesebene geniesst.

Thema Schutz: Ist die Umweltverträglichkeitsprüfung endlich abgeschlossen? Was zeigt sie?

Die Umweltverträglichkeitsprüfung wurde erst kürzlich abgeschlossen. Killer-Kriterien, die das Projekt zu Fall bringen könnten, gibt es keine. Was noch zu reden geben wird, ist das Thema Lärm und Sichtbarkeit.

Die Windräder müssen nachts rot beleuchtet werden, so will es der Bund. Damit verändert sich die «Skyline» nachhaltig. Für manche Einwohner bestimmt störend.

Ich habe volles Verständnis, wenn sich einzelne ab den Blinklichtern stören könnten. Wir können nur versuchen, bei der Umsetzung des Projektes ein Optimum für die Bevölkerung herauszuholen, das gilt auch für den Lärm. Ganz verhindern können wir aber beides nicht.

Wie sieht es mit den Fledermäusen und Vögeln aus? Sind diese gefährdet durch die Windräder?

Es gibt tatsächlich Risiken, aber ausschliesslich wegen der Zugvögel und Zugfledermäuse. Es wird nicht zu verhindern sein, zu den Zugzeiten im Frühling und Herbst die Anlage temporär abzuschalten. Abstellen bedeutet aber weniger produzieren, und das ist gleichbedeutend mit Gewinnverlust. Wir prüfen daher ein Frühwarnsystem, wozu ich derzeit aber noch nichts Genaueres sagen kann.

Bleiben wir kurz beim Geld. Macht sich die SWG nicht Sorgen um die Rentabilität der Anlage?

Wir glauben an das Projekt, aber eine gewisse Angst bleibt immer. Zuletzt werden wir acht Jahre lang geplant haben, und die wirtschaftliche Dimension des Windparks ist schwer abschätzbar. Ich denke aber doch, dass wir das Projekt zum Erfolg führen können.

Stehen die sechs Standorte für die Windräder definitiv fest?

Beinahe. Der nordwestlichste Standort musste einige Meter verschoben werden. Die Windräder drehen sich um die eigene Achse, immer in Windrichtung. Nach alter Planung hätte ein Teil der Rotoren auf Berner Gebiet hinausgereicht. Das mussten wir anpassen, denn bekanntlich hat der Kanton Bern noch keine Gesetzesgrundlage und wir haben auch keine Erlaubnis vom Kanton Bern. Ein zweiter Standort bei der Tiefmatt muss wegen geologischer Probleme mit den Dolinen zusätzlich fundiert werden, was mehr Kosten bedeutet.

Auf Berner Boden entlang der Jurakette ist das Windparkprojekt Montoz Pré-Richard geplant. Würde es ausgeführt, würden Transporte wohl über dieselbe Zugangsstrasse und damit erneut über Grenchen geschehen.

Sollte das Projekt wirklich kommen, wäre das wahrscheinlich so. Das macht aus synergetischer Sicht aber Sinn. Wir könnten die Anlagen bündeln und damit Eingriffe ins Landschaftsbild klein halten.

Dennoch würde Grenchen zum Zubringer für die Windparks ...

Tatsächlich wird es nach den Bauarbeiten kaum mehr Extratransporte geben, höchstens für Servicearbeiten, aber dann fahren ja keine Grossfahrzeuge mehr auf den Berg. Ich bin daher zuversichtlich, dass die Bergstrasse auch künftig nicht mehr Unterhaltsarbeiten brauchen wird, als bisher. Dass es teilweise neue Zufahrten auf dem Berg braucht, was das Landschaftsbild verändert, liegt auf der Hand. Das alles sind aber Eingriffe, die man im Gedanken auf den nachhaltigen Wert dieser Anlage nicht überbewerten sollte.