Grenchen

SWG und Kunden werden beide smarter

SWG-Abteilungsleiter Ronny Leuenberger (links)und Stromkunde bzw. -Produzent Patrik Hegelbach vor dem Smart Meter in Hegelbachs Haus.

SWG-Abteilungsleiter Ronny Leuenberger (links)und Stromkunde bzw. -Produzent Patrik Hegelbach vor dem Smart Meter in Hegelbachs Haus.

Es ist Projekthalbzeit beim Einbau von «smarten» Stromzählern in Grenchens Haushalten. Etwa die Hälfte der rund 16'000 Zähler auf Stadtgebiet sind schon ersetzt. Augenschein bei einer der ersten Anlagen.

Bei der SWG ist Projekthalbzeit bei der Installation der neuen Zahlergeneration. Die sogenannten Smart Meter übermitteln die Verbrauchsdaten von Strom, Wasser und Gas über eine Kommunikationsschnittstelle direkt an die Städtischen Werke. Die Termine mit dem Zählerableser entfallen.

«Das war für uns doch eine ziemliche Erleichterung, denn manchmal hatte man fast etwas ein schlechtes Gewissen, wenn der Ableser niemand zu Hause vorfand und wir das Formular selber ausfüllen mussten», berichtet Patrik Hegelbach.

Das Haus seiner Familie am Breidensteinweg wurde als eines der ersten in Grenchen mit dem neuen intelligenten Zähler ausgerüstet. Nicht zuletzt, weil seit drei Jahren eine Solaranlage auf dem Dach jährlich 12'000 kWh Strom produziert und Hegelbach einen Teil des Stromes ins Netz der SWG einspeist. Den Grossteil der Produktion verbraucht er aber selber und lädt damit beispielsweise die Batterien des Elektroautos auf.

Pilotanlage lief gut

«Wir konnten mit dieser Pilotanlage testen, wie gut es funktioniert, wenn der Strom sozusagen in beide Richtungen fliesst», erklärt Ronny Leuenberger, Leiter Energie und Vertrieb. Immerhin gebe es in Grenchen schon rund 40 private Produzenten, welche Solarstrom ins SWG-Netz abgeben.

Einbau und Inbetriebnahme des Smart Meters hätten problemlos funktioniert, berichtet Hauseigentümer Hegelbach weiter. Eine halbe Stunde Stromunterbruch beim Auswechseln des Zählers war alles. «Allerdings würde ich mir wünschen, das Gerät könnte noch mehr. Mir beispielsweise zeigen, wie viel Strom ich zurzeit verbrauche, damit ich meine Grossverbraucher mit der Solaranlage synchronisieren kann.» Zurzeit macht das noch ein Zusatzgerät, das den Lastverlauf misst und laufend auf Hegelbachs Handy übermittelt.

Service wird ausgebaut

Laut Ronny Leuenberger arbeitet die SWG daran, dass diese Informationen künftig auch für Kunden zugänglich werden. Denn das Smart Meter kann den Lastverlauf im 15-Minuten-Takt erheben, und meldet diese dem Stromversorger. «Wir möchten eine Internet-Lösung einführen, bei dem die Haushalte ein passwortgeschütztes Kundenkonto erhalten und so einsehen können, zu welcher Tageszeit sie wie viel Strom verbrauchen.»

Doch zunächst muss einmal die Auswechslung der rund 16'000 Zähler (11 000 Stromzähler, und je 2500 Strom- und Wasserzähler auf Stadtgebiet vorangetrieben werden, was etwa bis 2019 dauern wird. Etwa die Hälfte der Installationen wurde schon ersetzt. Auch die Strom- und Wasserzähler werden mit dem Smartmeter verbunden, mit einem Kabel oder mit einem kleinen Funksender.

Flugblatt verunsicherte

Dies nutzten die Windpark-Gegner von Pro Grenchen aus, um im Frühjahr ein zweite Front gegen die SWG zu eröffnen. In einem Flugblatt warnten sie vor gesundheitlichen Störungen durch den zusätzlichen Funksender im Haus. «Das Operieren mit Behauptungen und ungesicherten Fakten hat damals schon einige Anrufe von Kunden ausgelöst», berichtet Leuenberger.

Man habe aber die gestellten Fragen alle beantworten und die Bedenken grösstenteils ausräumen können. Dabei geht es primär um das Funkmodul, das beispielsweise den Wasserzähler mit dem Smart Meter verbindet. Laut Herstellerangaben sendet es mit einer Leistung von 10 mW (Milliwatt), was etwa einem Zwanzigstel eines WLAN entspricht oder gar 200 Mal weniger als ein Handy. Die Batterie im kleinen Gerät hält denn auch mehrere Jahre.

Dennoch können sich die Leute vom Smart Metering teilweise abkoppeln, sofern sie das wünschen. Zwar werden die neuen Zähler so oder so montiert, Personen mit elektromagnetischen Hypersensibilitäten können aber eine Kabelverbindung zwischen Wasser-, Gas- und Stromzähler verlangen, müssen diese aber selber berappen. Die Übermittlung der Daten an die SWG erfolgt in allen Fällen mittels Powerline-Technik durch das Stromkabel selber.

Neue Verrechnungsmodelle

Der Kunde hat überdies die Möglichkeit zu fordern, dass (auch der neue) Zähler weiterhin ohne Übermittlung des Lastganges betrieben wird. Man beraubt damit allerdings das Elektrizitätswerk einer Möglichkeit, Stromproduktion und Netz zu optimieren. Auf diese Option werde nur in Einzelfällen bestanden, meint Leuenberger.

«Mit den erneuerbaren Energien und dem Eigenverbrauch von Solarstrom ist es für eine sichere Stromversorgung wichtig, dass die Elektrizitätswerke genau wissen, wann sie wohin wie viel Strom liefern müssen», meint auch Patrik Hegelbach. Im Gegenzug könnten Kunden in Zukunft wohl von Preisvorteilen profiteren, wenn sie ihren grössten Verbrauch auf die Solarstromspitzen ausrichten oder bereit sind, Restriktionen bei der Spitzenleistung zu akzeptieren. Der grösste Stromverbraucher ist in Grenchen übrigens die Industrie. Sie verbraucht drei Viertel des gesamten Stroms.

Im Rahmen der Smart-Meter-Umstellung vernetzt die SWG auch ihre Trafostationen, in der Regel mit Glasfaserkabeln, in Einzelfällen aber auch mit WLAN. Gegen einen ersten solchen Sender an der Dählenstrasse war eine Einsprache eingegangen, dem Vernehmen nach auch aus dem Pro-Grenchen-Umfeld. Diese wurde laut Leuenberger abgelehnt. «Die Antenne konnte gebaut werden und ist inzwischen in Betrieb.»

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