Grenchen

SWG-Direktor: «Unsere Leute waren pausenlos am Reparieren»

Viele Gussleitungen hielten dem erhöhten Wasserdruck nicht stand. AZ Archiv

Viele Gussleitungen hielten dem erhöhten Wasserdruck nicht stand. AZ Archiv

Nach einer Erhöhung des Wasserdrucks im unteren Stadtteil sind in Grenchen an 45 Stellen die Wasserleitungen geborsten.

Damit der Wasserdruck künftig bei allen Liegenschaften in Grenchen gross genug ist, erhöhten die Städtischen Werke (SWG) in den letzten Wochen den Druck in den südlichen Quartieren. Das hat zu zahlreichen Leitungsbrüchen geführt, die derzeit repariert werden.

«Wir haben damit gerechnet, dass es zu einigen Problemen kommen kann, nicht jedoch mit dieser Anzahl», erklärt SWG-Direktor Per Just. Die Anzahl der Leitungsbrüche beziffert er mit bisher 45. «Unsere Leute waren praktisch pausenlos am Reparieren», erklärt er. Man habe die Probleme aber mit eigenen Ressourcen lösen können. Inzwischen hat sich die Lage stabilisiert, auch wenn nicht ausgeschlossen werden könne, dass es zu weiteren Leitungsbrüchen kommt. Über die finanzielle Höhe des Schadens kann Just noch keine Angaben machen.

Wechsel des Reservoirs

Hintergrund der Probleme ist der Wechsel auf vom jetzt stillgelegten Reservoir Holen auf ein höher gelegenes Reservoir der Gruppenwasserversorgung in Lüterkofen, wie Just weiter erklärt. Die Grenchner Wasserversorgung wurde in den 1950er-Jahren geplant und gebaut. Weil Grenchen am Hang liegt, gibt es drei unterschiedliche Druckzonen: die Hoch-, die Mittel- und die Niederzone. Den Wasserdruck jeder Zone bestimmt die Höhenlage des jeweiligen Reservoirs. In einigen Quartieren der Niederzone unterhalb der Solothurn- bzw. Bielstrasse war der Wasserdruck bisher nach SWG-Angaben ungenügend – insbesondere im Eichholzquartier. Folglich gingen in der Vergangenheit bei der SWG immer wieder Beschwerden ein. Zudem war im Eichholzquartier die Löschwasserversorgung nicht optimal.

Um diese Probleme zu beseitigen, erhöhte die SWG von Anfang November bis Anfang Dezember zusammen mit einer Spezialfirma den Wasserdruck in der Niederzone.

Bei einer solchen Druckerhöhung seien Leitungsbrüche nichts Ungewöhnliches, weil die Leitungen stärker belastet werden. Es seien vor allem Gussleitungen aus den 1970er-Jahren gebrochen. Diese Duktilgussleitungen der ersten Generation wurden damals nur mangelhaft gegen Korrosion geschützt. «Wir haben jetzt vielerorts, beispielsweise in der Sportstrasse, gleich ganze Leitungsabschnitte erneuert», erklärt der SWG-Chef. Dass das Leitungsnetz Grenchens in einem schlechten Zustand ist, bestreitet er. «Wir haben einen festen Erneuerungsturnus, der sich bis jetzt bewährt hat. In gewissen Abschnitten mussten wir jetzt halt schon vor Ablauf dieser Frist erneuern.» Andere Geschäftsbereiche der SWG – beispielsweise das Projekt Windpark – seien von den Problemen nicht tangiert. «Jeder Versorgungsbereich muss sich selber finanzieren.»

Fehlende Druckreduzierventile

In einigen Gebäuden hat die Druckerhöhung auch die Hausinstallation beschädigt. Grund dafür sind laut SWG fehlende oder mangelhafte Druckreduzierventile. In der Regel verfügt jede Liegenschaft über ein solches Ventil, um die Hausinstallation vor Druckschwankungen und -schlägen zu schützen. Es ist hinter dem Wasserzähler montiert und begrenzt den Wasserdruck im Gebäude.

Die SWG habe die betroffenen Hauseigentümer frühzeitig mit einem Brief über die geplante Druckerhöhung orientiert ein Druckreduzierventil einbauen zu lassen, falls bisher noch keines montiert war.

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