Man hat den Eindruck, die SWG werde in letzter Zeit von allen Seiten nur noch kritisiert. Macht es so noch Spass, SWG-Chef zu sein?

Per Just: Wenn man ein anspruchsvolles Geschäft zu führen hat, hat man nicht so viel Zeit, darüber nachzudenken. Aber ja, Kritik kann bisweilen schon an die Nieren gehen, vor allem, wenn sie Personen angreift und unsachlich ist.

Ist sie das?

Je nach Urheberschaft schon. Aus dem Umfeld von Pro Grenchen wurden auf sozialen Medien und in den Leserbriefspalten haltlose Vorwürfe vorgebracht und Gerüchte in die Welt gesetzt, teilweise wider besseres Wissen. Das geht für mich unter Stimmungsmache. Etwas zu hinterfragen, das ist selbstverständlich das Recht eines Jeden und durchaus willkommen. Jede Kritik hilft uns dabei, unsere Projekte zu optimieren. Eine rote Linie ist jedoch überschritten, wenn haltlose Vorwürfe in die Welt gesetzt werden, welche für betroffene Personen weitreichende Konsequenzen haben können.

Warum stellen Sie denn die falschen Behauptungen nicht einfach richtig?

Ich weiss nicht, ob das unsere Aufgabe ist, auch wenn wir nolens volens damit begonnen haben, insbesondere in den sozialen Medien.

Ist Ihnen der Kragen geplatzt gegenüber dem «Vorsitzenden der Geschäftsleitung» des TV Grenchen, der Präsident der Windparkgegner ist und gleichzeitig von der SWG weiter Sponsoringgelder will?

Ich sage nur so viel: Wir waren lange sehr geduldig. Bei Verleumdungen und übler Nachrede fahren wir zukünftig eine Nulltoleranz-Politik. Dies zum Schutze unserer Firma und ihren Mitarbeitenden, die sich tagtäglich bei Wind und Wetter mit grossem Einsatz für die Versorgungssicherheit von Grenchen und unserer Region einsetzen.

Jetzt scheint auch noch das Verhältnis zur Politik belastet, woran liegt das?

Meine Wahrnehmung ist die, dass gewisse Missverständnisse zwischen dem Verwaltungs- und Gemeinderat herrschen. Dies wollen wir mit einer direkten Information beim Gemeinderat angehen und in Zukunft dafür sorgen, dass nicht wieder Informationsdefizite gegenüber dem Gemeinderat aufkommen. Die politische Auseinandersetzung ist Teil unserer Aufgabe und das haben ich wohl ein wenig unterschätzt, respektive unsere Prioritäten anders gesetzt.

Sitzt das Problem nicht tiefer, wenn der Verwaltungsrat sich nicht vom Eigentümer dreinreden lassen will?

Ich glaube, auch da werden wir bewusst oder unbewusst nicht verstanden. Manchen heutigen Politikern ist vielleicht nicht mehr klar, warum die SWG vor 23 Jahren verselbstständigt wurde, nämlich, um adäquat auf kommende Herausforderungen reagieren zu können. 1996 hat man bewusst gewollt, dass der Gemeinderat die operativen und strategischen Entscheide an den SWG-Verwaltungsrat delegiert. Damit sind wir, so meine ich, gut gefahren. Und der nächste Liberalisierungsschritt beim Strom für die Privathaushalte steht jetzt auch an.

Aber weiss der SWG-Verwaltungsrat auch, was die strategischen Vorgaben sind? Es steht die Behauptung im Raum, die SWG habe keine Vorgaben der Politik. Stimmt das oder ist das auch einfach ein Kommunikationsproblem?

Was die Politik von der SWG will, ist in unseren Statuten niedergeschrieben und das seit 1.1.1996. Wenn das geändert werden soll, muss die Politik aktiv werden, was momentan auch geschieht. Weiter halten wir jedes Jahr ein zweitägiges Strategieseminar mit dem Verwaltungsrat der SWG ab, in dem die bestehende Strategie hinterfragt wird, wenn nötig korrigiert wird und eventuell neue strategische Entscheide gefällt werden. Diese bilden den roten Faden für die Geschäftstätigkeit und über deren Umsetzung wird an den zweimonatlich stattfinden Verwaltungsratssitzungen rapportiert.

Und wie erfährt die Politik davon?

Die Verwaltungsräte werden von den Parteien rekrutiert und vom Gemeinderat gewählt, daraus ist eine natürliche Kommunikation abzuleiten. Des Weiteren sitzen zwei Gemeinderäte im Gremium, darunter der Stadtpräsident. So ist es auch in den Statuten festgeschrieben.

Was würde die jetzt geforderte Entpolitisierung des Verwaltungsrates bringen? Was wären die Vorteile einer AG im Besitz der Stadt?

Es ist nicht an mir, dies zu bewerten. Doch sollte man sich aus meiner Sicht zur Beantwortung dieser Frage weniger die Lokalpolitik, sondern vor allem die Herausforderungen vor Augen führen, die der hochdynamische Energiemarkt in den kommenden Jahren mit sich bringt. Die aktuelle Diskussion dreht sich aus meiner Empfindung aber, rein operativ gesehen, um Nebenschauplätze und lenkt von den effektiven Herausforderungen ab, denen wir uns in den kommenden Jahren stellen müssen.

Wo sehen Sie denn die grössten Herausforderungen für die SWG?

Die Energiebranche unterzieht sich momentan einem fundamentalen Wandel auf sozusagen allen Gebieten gleichzeitig. Beginnen wir mit der erwähnten weiteren Marktöffnung Strom, der sich in die reine Abwicklung und auf der anderen Seite die Marketingaspekte segmentieren wird. Dazu kommen neue Regulierungen im Netzbereich. Diese erhöhen die Aufwände und senken mittelfristig die Erträge. Bei der Gasmarktöffnung müssen noch die Gesetze erlassen werden und dann gelten ähnliche Herausforderungen wie im Strom. Dann kommt der ganze Bereich Energiestrategie 2050 mit den erneuerbaren Energien und die Eigenverbrauchsregelung, bei der der privat produzierte Strom in einem definierten Umfang vermarktet werden kann. Und schliesslich ist da noch das allgegenwärtige Thema der Digitalisierung.

Da scheint die SWG mit ihrem Smart Metering ja gut aufgestellt. Ist das Projekt eigentlich abgeschlossen?

Bei den Zählerinstallationen weitgehend ja. Und bei einigen wenigen Trafostationen fehlen noch technische Ausrüstungen.

Was machen die SWG eigentlich hinsichtlich der CO2-Problematik?

Wir sehen die Gas-Industrie als Teil der Lösung: Erste Beispiele sind die von uns gebaute Biogasanlage oder die Power to Gas-Anlage der Regio Energie Solothurn. Damit versuchen wir aufzuzeigen, in welche Richtung die Reise geht. Es ist dabei sozusagen unmöglich, die Zukunft mit den Erfahrungen der Vergangenheit anzugehen. Dabei müssen wir aber jederzeit dafür sorgen, dass das Gesamtsystem jederzeit funktioniert.

Zurück zur Kritik an der SWG. Es wird ihr auch mangelnde Transparenz vorgeworfen ...

Transparenz ist uns ein grosses Anliegen. Wer ein Gespräch mit mir wünscht, ist herzlich willkommen. Regelmässig veranstalten wir eine Kundensprechstunde. Von unseren lautesten Kritikern hat diese noch keiner wahrgenommen. Es scheint mir, dass man die – meist unspektakulären – Antworten auf die erregt aufgeworfenen Fragen gar nicht hören will. Wir sind zudem in hochregulierten Märkten tätig, so ist zum Beispiel die Zusammensetzung des Strompreises zu weiten Teilen reguliert. Beim Gaspreis weisen wir die Entwicklung des Marktpreises aus. Vielen ist nicht bewusst, dass wir sowohl im Gassektor wie auch bei den Grosskunden im Stromsektor im öffentlichen Markt tätig sind. Es gibt deshalb auch Bereiche, die unter das Geschäftsgeheimnis fallen. Dies geschieht nicht, weil wir unseren Kunden etwas verheimlichen möchten, sondern, um uns vor der Konkurrenz zu schützen. Glauben Sie mir, das ist im Interesse unseres Eigentümers wie auch unserer Kundinnen und Kunden.

Wie viel Strom verkauft die SWG eigentlich auf dem freien Markt?

Die Industriebezüger machen etwa zwei Drittel unseres Stromabsatzes aus.

Auf dem freien Mark sind Sie seit einigen Jahren auch mit einer Baufirma tätig. Jetzt verlangt ein Vorstoss im Gemeinderat, die SWG soll Panaiia & Crausaz (P & C) wieder verkaufen. Was halten Sie davon?

Der Kauf von P&C 2013 war ein strategischer Entscheid, welcher vom damaligen Verwaltungsrat unter dem Vorsitz des damaligen Stadtpräsidenten gefällt wurde. Wenn nun über den Verkauf von P&C diskutiert wird, dann ist auch das eine Frage, die von den zuständigen strategischen und politischen Gremien beantwortet werden muss, dies aber zwingend im Wissen um alle Fakten.

Warum wurde 2013 die Firma gekauft?

Wie schon mehrfach dargelegt, hatten wir uns zum Kauf von P&C entschlossen, weil wir das zusammen erworbene Know-how nicht einfach aus der Hand geben wollten und wir wollten nebst den Zusatzerträgen die Versorgungssicherheit weiterhin gewährleisten. Wir haben unsere Zielsetzungen, welche wir uns mit dem Kauf gesetzt haben, übertroffen, der damalige Entscheid hat sich gelohnt. P&C schreibt ja auch Gewinn, der via Steuern und Abgaben auch in die Stadtkasse Grenchen fliesst.

Stichwort Windpark. Wo stehen Sie da? Kürzlich waren ja die Stromeinspeisungen auf dem Berg aufgelegt. Gibt es Synergien mit dem benachbarten Park? Wann kann man mit einem Baubeginn rechnen?

Die Einsprache gegen die Nutzungsplanung auf dem Grenchenberg liegt beim Bundesgericht. Wie lange dieses für ihren Entscheid benötigt, vermag ich nicht zu sagen. Was mich zuversichtlich stimmt, ist der Umstand, dass bis jetzt jede Entscheidung zu unseren Gunsten ausgefallen ist. Wir rechnen mit einem Baubeginn in 2 bis 3 Jahren. Das Projekt Montoz-prés Richard ist uns sehr gut bekannt und es werden sich sicherlich Synergien nutzen lassen. Dies hauptsächlich bei der Stromwegführung.

Muss das Projekt auch immer wieder Bewilligungen verlängern lassen, wie das am Schelten jetzt verpasst wurde?

Sicher, wir haben regelmässig die Zusage zur kostendeckenden Einspeisevergütung KEV verlängern lassen, dies war ja auch notwendig, denn wir sind bekanntlich seit über zehn Jahren am Planen. Hier muss ich anmerken, dass die in der Energiestrategie 2050 gesetzten Ziele nicht erreichbar sein werden, wenn an den Bewilligungsverfahren keine Anpassungen vorgenommen werden. Es kann ja nicht sein, dass die Planungsphase mehr als die halbe wirtschaftliche Lebensdauer eines Windparks dauert.