Hans-Huber-Preis
Swatch Group erhält Preis für Lehrlingsausbilung

Das bedeutet Schub für Lehrlinge und die Swatch Group. Die Firma wurde diese Woche für ihre vorbildliche Lehrlingsausbildung ausgezeichnet.

Andreas Toggweiler
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Die Swatch-Group-Preisträger Pierre-André Bühler (Konzernleitungsmitglied und Chef der ETA SA) und Reto Kohli (Chef der Lehrlingsausbildung), freuen sich mit Avenir-Suisse-Direktor Gerhard Schwarz sowie dem Gründer und dem Präsidenten der Hans-Huber-Stiftung, Hans Huber und Christian Fiechter (von links).

Die Swatch-Group-Preisträger Pierre-André Bühler (Konzernleitungsmitglied und Chef der ETA SA) und Reto Kohli (Chef der Lehrlingsausbildung), freuen sich mit Avenir-Suisse-Direktor Gerhard Schwarz sowie dem Gründer und dem Präsidenten der Hans-Huber-Stiftung, Hans Huber und Christian Fiechter (von links).

Zur Verfügung gestellt

Die in der Ostschweiz domizilierte Hans-Huber-Stiftung zur Förderung der beruflichen Ausbildung hat die Swatch Group mit dem «Grossen Preis der Berufsbildung» ausgezeichnet. Der mit 20 000 Franken dotierte Preis wurde am Dienstagabend übergeben. Der Grenchner Reto Kohli, Leiter der Lehrlingsausbildung des Uhrenkonzerns, sagt, was dahintersteckt. «Eigentlich wussten wir es zunächst selber nicht, denn der Preis ist in der westlichen Schweiz noch nicht so bekannt. Auch kannten wir die Auswahlkriterien vorerst nicht», meint Kohli lachend und gibt seiner Freude Ausdruck über die unerwartete Ehre.

Laut Stiftungspräsident Christian Fiechter ehrt der Preis «nachhaltiges und langfristiges Engagement» in der Berufsbildung in einer für die Schweiz relevanten Branche. Der Preis auf nationaler Ebene wird dieses Jahr erst zum zweiten Mal ausgerichtet. Bisher hatte die Stiftung vor allem lokale Personen ausgezeichnet. Die Swatch Group sei von einer Jury ausgewählt worden, erklärt Fiechter.

450 Lernende

In der gesamten Swatch Group werden zurzeit 450 Lehrlinge ausgebildet, in 31 verschiedenen Berufen. Die ETA mit eigener Lehrlingswerkstatt in Grenchen ist dabei die grösste Ausbildnerin. «Wir investieren in den Nachwuchs, wollen diesen im Unternehmen selber ausbilden und auch möglichst in der Firma behalten», erklärt Kohli. Noch im Jahr 2011 betrug die Anzahl der Lernenden konzernweit 320. Eine weitere Steigerung ist gemäss Kohli vorgesehen. Pro Jahr beenden 110 bis 120 Lernende ihre Ausbildung, davon kann die Swatch Group 70 bis 75 selber anstellen.

«In der Westschweiz werden Lernende vielfach in Vollzeitschulen ausgebildet. Wir setzen hingegen voll auf die duale Bildung im Unternehmen», betont Kohli. Damit werde Praxisnähe ermöglicht und die Jugendlichen könnten Schritt für Schritt vom schulischen ins wirtschaftliche Umfeld integriert werden. Denn die Erfahrung zeige, dass dieser Schritt die Lernenden am meisten fordere. So führt die Swatch Group beispielsweise mit allen Lehranfängern ein sogenanntes «Jump In» Lager durch, wo grundlegende Informationen, die wichtig sind fürs Lehrlingsleben in der Swatch Group, vermittelt werden.

Uhrmacher sind Minderheit

Nicht einstimmen mag Kohli in die weit verbreitete Kritik, die Lehrlinge würden von den Schulen nicht auf die Bedürfnisse der Wirtschaft getrimmt. «Es gibt vereinzelte Defizite, oft im mathematischen Bereich. Ich habe aber den Eindruck, dass diese oft in der mangelnden Anwendungspraxis liegen.» Diese Praxis bekommen Lernende im beruflichen Umfeld bald.

Anderseits muss Kohli auch mit einer Illusion aufräumen. «Die grösste Gruppe unserer Lernenden sind nicht die Uhrmacher.» Etwa 20 Prozent sind es nämlich. Im Zeitalter der hoch automatisierten Uhrenproduktion werden 44 Prozent der Lernenden in der Teilefertigung ausgebildet: Mikromechaniker, Produktionsmechaniker, Anlageführer usw. sind hier gefragt. Als Produktionsspezialisten werden ferner Kunststofftechnologen, Physiklaboranten oder Automatiker ausgebildet.

Deutsch, Französisch, Englisch

Sechs Prozent absolvieren ihre Ausbildung in der für die Branche wichtigen Oberflächenveredelung. Das sind Oberflächenbeschichter (Galvaniker), Goldschmiede, Juwelenfasser, Zifferblatthersteller usw.

Und schliesslich werden 23 Prozent im Service-Bereich ausgebildet, das heisst als Kauffrau/Kaufmann , Logistiker, Fachleute Betriebsunterhalt usw. Sogar Lehren für Köche oder Transportfachleute gibts.

Dass der grösste Run auf eine Stelle als Uhrmacher stattfindet, ist klar. «Unsere Aufgabe ist es, immer wieder darauf hinzuweisen, dass wir eine ganze Palette von Berufen anbieten, die auch den individuellen Fähigkeiten der Lernenden entsprechen.» Eine Besonderheit der Swatch Group ist dabei die Zwei- bzw. Dreisprachigkeit. Deutsch, Französisch und Englisch sind je nach Ort und Umfeld drei gleichberechtigte Haussprachen im Konzern. Auch sind schon während der Lehrzeit erste Auslandaufenthalte möglich, die laut Kohli sehr begehrt sind.

Jede kann Chef werden

Die Förderung der dualen Berufsbildung werde konsequent durchgezogen, betont Kohli schliesslich. «Bei uns hat jeder die gleichen Chancen, aufzusteigen, nicht nur jene mit Uni-Abschluss». Bestes Beispiel sei ETA-Chef und Konzernleitungsmitglied Pierre-André Bühler, der seine Berufskarriere als Mechaniker begann. Er konnte den Preis am Dienstagabend zusammen mit Kohli aus den Händen von Avenir-Suisse-Direktor Gerhard Schwarz und dem Stiftungsgründer Hans Huber und Präsident Christian Fiechter entgegennehmen.

Der Preis im Umfang von 20 000 Franken soll für die sprachliche Weiterbildung der Lernenden eingesetzt werden: je drei Lernende können in Paris bzw. Berlin einen Intensivsprachkurs absolvieren.

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