Geforderte Parteien
SVP-Präsident Marc Willemin: «Wir müssen die Jungen vermehrt motivieren und fördern»

Der neue SVP-Präsident Marc Willemin legt grossen Wert auf Nachwuchsförderung. Zudem blickt Willemin stolz auf die Erfolge der Partei seit der bürgerlichen Wende zurück.

Andreas Toggweiler
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Marc Willemin, Präsident der Grenchner SVP, hat ein Herz für den Parteinachwuchs.

Marc Willemin, Präsident der Grenchner SVP, hat ein Herz für den Parteinachwuchs.

Hanspeter Bärtschi

Die SVP hat bei den letzten Wahlen einen Gemeinderatssitz dazugewonnen und ist seit dieser Legislatur mit vier Sitzen vertreten. In der Tagespolitik sind es aber in der Mehrzahl der Fälle Fraktionschef und GRK-Mitglied Ivo von Büren und der umtriebige, auch in den Kantonsrat gewählte Richard Aschberger, welche sich oft zu Wort melden. Sie gelten als die politischen Schwergewichte der Fraktion.

Diskreter ist Marc Willemin unterwegs, der in der letzten Legislatur für den zurückgetretenen Heinz Müller nachrutschte und im Mai 2017 wiedergewählt wurde. Er präsidiert seit letztem Sommer zudem die Partei. Auch der neu gewählte Nachwuchspolitiker Fabian Affolter (26) hält sich noch zurück mit Voten im Rat.

Geforderte Parteien

Im Zwischenwahljahr fühlen wir den Parteipräsidenten der im Gemeinderat vertretenen Parteien auf den Zahn: Gelingt es, Nachwuchs zu rekrutieren? Welche Ziele werden jenseits des Wahlkampfes verfolgt? Gibt es Rezepte gegen die miserable Stimmbeteiligung in Grenchen und wie klappt die Zusammenarbeit unter den Parteien? Heute nimmt Marc Willemin Stellung, Der Gemeinderat präsidiert die SVP seit 2017.

Jedem seine Dossiers.

Gibt es in der Fraktion also eine Zweiklassengesellschaft? – Marc Willemin bestreitet dies. «Jeder hat seine Dossiers.» Die SVP Grenchen sei so strukturiert, dass die Dossiers und Aufgaben so verteilt sind, um den Wünschen und Stärken der (Rats-)Mitglieder entgegenzukommen. Daher seien die einen mehr an der Front anzutreffen, andere arbeiten zusätzlich im Hintergrund.

«Die Legislatur ist noch jung und jung ist auch unser neuer Gemeinderat, Fabian Affolter. Er wird seine Dossiers auch noch erhalten und kennenlernen. Mir ist lieber, dass sich Fabian erst umhört und sich mit der Ratstätigkeit vertraut macht, bevor er grosse Reden schwingt. Das überlassen wir anderen Neugewählten», meint Willemin. Er selber äussere sich halt tendenziell eher bei Verkehrsvorlagen, von denen es in den letzten Monaten nicht so viele gab.

Die neue «grosse Koalition», welche in den letzten Monaten bei wiederholten Gelegenheiten zwischen der SP und der FDP entstanden ist, schätzt Willemin als temporäre Erscheinung ein. «Die entstand vor allem bei den Bildungsfragen, wo wir eine andere Linie vertreten.» So ist die SVP etwa gegen den neuen Lehrplan, den Vorkindergarten und die Aufhebung der Kleinklassen, bei letzterem munter sekundiert von Peter Brotschi (CVP) und FDP-Fraktionsmitglied Nicole Hirt (GLP), beide im Schulbereich tätig.

Bürgerliche Erfolge

In den meisten Dossiers sei aber das Verhältnis zur FDP ungetrübt, betont der SVP-Präsident. Steuererhöhungen bekämpfe man gemeinsam, setze sich für eine schlanke und zeitgemässe Verwaltung ein, die Sanierung der Finanzen und mehr Eigenverantwortung.
«Und hier sind uns seit der bürgerlichen Wende doch beträchtliche Erfolge gelungen. Auch viele Altlasten mussten angepackt werden, einige konnten schon bereinigt werden», erklärt Willemin.

Was konkret? Willemin zählt auf: Effibau abgeschlossen, Wiedereröffnung Parktheater, Reorganisation der Pensionskasse mit Leistungsprimat, Abschaffung des Beamtenstatus, Wiederbelebung der internationalen Musikwoche, Einsetzen eines Schulleiters, Erhaltung der mia und des Uhrencups, Fusion der Fussballvereine, die Ortsplanungsrevision – Willemins Aufzählung ist in der Tat nicht kurz.

«Was die SVP und auch mich besonders freut, ist, dass das Budget nachhaltig um sechs Millionen Franken entlastet wurde und dies trotz massiven Mindereinnahmen. Und was der SVP sehr wichtig ist, ohne Steuererhöhung.»

Gemässigter Tonfall

Auch die neue Wirtschaftsförderung mache einen guten Job und habe in Grenchen schon einiges bewegt. «Karin Heimann konnte jedenfalls im letzten Gemeinderat von vielen Planungen und Projekten, die in der Pipeline sind, berichten», fiel Willemin auf.

Für die politische Arbeit ist er optimistisch. «Wir wollen und können Grenchen bestmöglich auf die Zukunft ausrichten.» Denn im Gemeinderat könne man tatsächlich viel besser zusammenarbeiten als früher, meint der SVP-Präsident. «Der Tonfall hat sich gemässigt und die Umgangsformen sind angenehmer, was ich persönlich sehr schätze. Poltern muss man erst, wenn nichts mehr vorwärts geht.»

Auch wenn sich die Grenchner Politik in ruhigeren Gewässern bewegt- ein grosses Problem ist geblieben, ja hat sich sogar noch akzentuiert: die politische Partizipation. Weitherum ist die Stimm- und Wahlbeteiligung nirgends so schlecht, wie in Grenchen.

Für Willemin gibt es dagegen vor allem ein Rezept: «Wir müssen die Jungen vermehrt motivieren und fördern». Man müsse den Jungen zu verstehen geben, dass sie vollwertige Parteimitglieder seien und nicht bloss Köpfe zum Füllen der Liste.

Initiativer Nachwuchs

«Deshalb habe ich Neuerungen eingeführt», erklärt Willemin. Ab sofort würden alle Kandidaten zu den Fraktionssitzungen eingeladen. Diese machten von dieser Gelegenheit auch rege Gebrauch. Zudem wird die vernachlässigte Öffentlichkeitsarbeit reaktiviert, so an der Kürbisnacht mit einem Stand.

«Nächstes Jahr wollen die Jungen bereits eigenständig organisieren, ich bleibe im Hintergrund. So stelle ich mir einen Übergang vor.» Andere Aktivitäten seien auch bereits geplant. Es sei wichtig, dass gerade die noch unbekannten Gesichter in Grenchen Präsenz markieren.

Auch werden die nicht gewählten Kandidierenden zu Aufgaben und Ämtern beigezogen. So ist Vanessa Meury (21) Kassierin der SVP Grenchen geworden, Daniel Lüdi (31) wurde an der letzten Gemeinderatssitzung als Präsident der Jugendkommission gewählt und Silvan von Arx (30) als Ersatzmitglied derselben Kommission. Schliesslich habe er veranlasst, dass die Homepage wieder dem neusten Stand entspricht, erklärt der Präsident. So erfahre man auch etwas über die erwähnten Köpfe.

An der nächsten Generalversammlung werden Wahlen durchgeführt. Über seine Pläne diesbezüglich lässt er sich Willemin noch nichts entlocken. Es werde zu gegebener Zeit orientiert.

Verkehr und Sicherheit

Sicher werde er sich im Gemeinderat weiterhin für «seine» Dossiers starkmachen. Als ehemaliger Verkehrsexperte und jetzt als Selbstständiger auf dem gleichen Gebiet, setzt er sich stark mit Fragen des Verkehrs auseinander.

«Es wird viel unter dem Deckmantel Sicherheit geplant, ausgeführt und kommuniziert, das damit nichts oder nur am Rande zu tun hat, damit eine einseitige Politik durchgesetzt werden kann», erklärt Willemin. Dennoch erkenne man mit geübtem Auge viele Stellen im Grenchner Strassenverkehr, die potenziell gefährlich sind und bleiben. «Dort wird die Sicherheit nicht hinterfragt.»

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