Kultur-Historisches Museum

Suppenmarken und hartes Brot: Kinder erfahren viel über das Haushalten vor 100 Jahren

Alte Haushaltsgegenstände.

Alte Haushaltsgegenstände.

Am Kindernachmittag im Kultur-Historischen Museum Grenchen erfuhren Jugendliche viel über das Haushalten vor 100 Jahren.

«Für uns ist es unvorstellbar, so richtig schlimm Hunger zu haben. Solchen Hunger, dass man davon Bauchkrämpfe bekommt. Deshalb hat die Gemeinde den armen Leuten früher Suppenmarken verteilt. Damit konnten sie Suppe essen», erklärt Monika Bruder im Kultur-Historischen Museum Grenchen den kleinen Besucherinnen und Besuchern am Kindernachmittag.

Dann präsentiert sie die Todesanzeige für einen Laib Brot als Symbol für die Not rund um den Generalstreik. Brot, selbst wenn man es hatte, durfte man frisch nicht essen, sondern erst zwei oder drei Tage später. «Dann war es ja schon hart», staunt ein Kind. Von der Lebensmittelrationierung vor 100 Jahren geht die Zeitreise weiter zu den Kochtechniken. «Auch Holz und Kohle waren teuer», erzählt die Museumsmitarbeiterin. Die optimale Wärmedämmung für Pfannen, damit die Energie gut genutzt wird: Zeitungspapier.

Nach kurzen Erklärungen im zweiten Stock zur Küche von damals steigt die kleine Gruppe in den dritten Stock hinauf zum grossen Tisch. Dort sitzen die Helferinnen Rosmarie Dietrich, Trudi Wullimann und Edith Sutter parat. Aus ihrem privaten Fundus haben sie alte Küchen- und Haushaltsgeräte mitgebracht: Kartoffelstampfer, Kupferpfannen, Mörser, ein Stöpsel zum Entsteinen von Kirschen, ein Teppichklopfer. Mit der Kollektion könnte man fast eine separate Sammlung eröffnen. Zudem liegen da typische Lebensmittel der damaligen Zeit: (Dörr-)bohnen, Linsen, Haferflocken. Daneben nehmen sich die Aromatdöschen von 1953 futuristisch aus.

Referentin Trudi Wullimann.

Referentin Trudi Wullimann.

Noch keine Plastikbecher

Trudi Wullimann erklärt die Handhabung des Herdbesens aus Sumpfgras. Anschaulich fegt sie imaginären Russ vom Tisch. «Für die Kinder gab es noch keine Plastikbecher», fährt sie fort und gibt den massiven Zinnbecher in die Runde, aus dem einst eine ganze Kinderschar Tee getrunken hat. Die Erklärungen übersetzt ein Grosi für den kleinen Enkel halblaut auf Französisch. Die übrigen Kinder sprechen akzentfrei Deutsch, auch wenn es sich teilweise ebenso wenig um ihre Muttersprache handelt.

Inzwischen ist auch der schüchternste kleine Besucher aufgetaut. Lebhaft diskutieren die Kinder mit der Grossmuttergeneration. «Man hatte viel weniger Kleider als heute. Zum Schutz trugen die Frauen in der Küche eine Schürze», erklärt Museumsmitarbeiterin Monika Bruder und hält das Kleidungsstück hoch. «… und ein Haarnetz», ruft David. Er gehört zu den ältesten der Gruppe und weiss viel über die Lebensgewohnheiten von anno dazumal.

Frakturschrift entziffern

Helferin Trudi Wullimann gibt reich verziertes Jugendstil-Besteck um den Tisch. Als sie die lästige Arbeit des Silberputzens erwähnt, nicken mehrere Kinder. «Mein Silberketteli habe ich mit Zahnpasta geputzt», hat Linn für die anderen einen heissen Tipp. Währenddessen versuchen David und sein jüngerer Bruder, aus der Frakturschrift in Wullimanns Medizinbuch schlau zu werden.

Dann dürfen die Kinder selbst tätig werden und eine Einkaufstasche aus Stoff verzieren. Zum Schluss kommt der süsse Höhepunkt: das Zvieri mit alten Spezialitäten, zum Beispiel Apfelmus mit «Indianerzucker» (Ahornsirup). «Ich staune immer wieder, wie viel 8- oder 9-Jährige von diesen Themen behalten und begreifen», sagt Helferin Rosmarie Dietrich. Sie und ihre Kolleginnen nehmen ebenso schöne Erinnerungen heim wie die Kinder.

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