Keine Angst, ich lasse mich an dieser Stelle nicht über unappetitliche Details aus. Wenn ich jedoch über den Marktplatz schlendere, so sind mir die Klappstühle in der nicht eben modischen Farbe «kackbraun» aufgefallen, auf die ich mich gemütlich niederlassen könnte, um vielleicht mit anderen möglichen Niederlassungswilligen ins Gespräch zu kommen. Oder ich könnte mich hinsetzen und mich schweigend wundern über Sinn und Zweck dieser Stühle.

Bei näherem Hinsehen sehe ich, dass immer zwei Stühle aneinandergekettet sind und diese Ketten so eng sind, dass man sich zwar nicht sehr bequem nebeneinander darauf setzen kann, die Ketten es jedoch verhindern, dass man sich auch als Gegenüber erfährt und unter Umständen auf diese Weise ins Gespräch kommen könnte. Wie ich erfahren habe, sind diese Stühle nur ein Provisorium, bald sollen zur Verschönerung unseres Marktplatzes andere Sitz- und Verweilmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Trotzdem stelle ich mir die Frage, ob es denn keine bunteren und einladenderen Sitzgelegenheiten gab, die nicht teurer gewesen wären und den Platz, wenn auch nur vorübergehend, ein wenig aufgewertet hätten.

Wie dem auch sei, als ich auf einem dieser Stühle sass, nahm neben mir ein Mann Platz, der mir sagte, dass diese Stühle billig zu haben gewesen seien, stammten sie doch aus einem der Vernehmungszimmer der Strafanstalt Lenzburg mit praktischerweise bereits montierten Ketten dazwischen. Natürlich wisse er nicht, ob das stimme, und ich müsse das auf keinen Fall glauben, sagte der Mann noch und verschwand lachend im nächsten Ladeninneren. Ich blieb noch eine kleine Weile sitzen und stellte mir vor, ich sässe in einer Hollywoodschaukel, vor mir ein rundes Tischli und vis-à-vis eine Bank mit bunten Kissen darauf, und das alles mitten auf dem Märetplatz.

Dass dieser Begegnungszone sein kann, haben wir hautnah am vergangenen Grenchner Fest erleben dürfen. Toll wars, lebendig wars, wenn auch nicht überall. Das Brockenhaus hat sein Schaufenster liebevoll mit Gegenständen aus den 50er-Jahren dekoriert und sich auf eine rege Besucherschar gefreut. Das Brocki liegt an der Marktstrasse, und wie der Name schon sagt, genau dorthin hätten Marktstände gepasst wie die Faust aufs Auge. Als ich dem Brocki am Samstagmorgen einen Besuch abstattete, sah ich anstatt in strahlende in enttäuschte Gesichter der Brocki-Frauen. An der Marktstrasse war kein Markttreiben, die Strasse sollte als Rettungsgasse dienen.

Kein Mensch bezweifelt natürlich die Notwendigkeit einer solchen Gasse, allerdings war die Strasse zugeparkt, ein grosser Container stand da und eine Schranke hielt das Publikum davon ab, durch die Marktstrasse zu flanieren, das Brockenhaus zu besuchen oder auch das Schaufenster des sich daneben befindenden Coiffeurgeschäfts zu bestaunen. Es wäre zu hoffen und zu wünschen, dass sich beim nächsten Grenchner Fest, das unbedingt wieder kommen sollte, eine andere Rettungsgasse anbietet und dementsprechend dann an der Marktstrasse auch ein Markt zu finden ist.

Die Zeit der Feste ist noch lange nicht vorbei, auch wenn die Abende langsam dunkler und kühler werden. Es ist noch möglich, der Triennale bis am Sonntag einen Besuch abzustatten, heute Samstag feiert das Kleintheater mit einem tollen Abend-Programm seinen 40. Geburtstag, oder man bleibt zu Hause, kocht sich eine Kürbissuppe und freut sich bereits auf die nächste Kürbisnacht, die den Marktplatz wieder zu einem einzigen grossen Festgelände machen wird. Sitzgelegenheiten sind vorhanden, und wenn es gar nicht anders geht, so setzt man sich denn eben notgedrungen auf die Klappstühle und denkt sich seinen kleinen Teil …