FC Grenchen

Striktes Budget, grosse Ambitionen: Das sind die Ziele des FC Grenchen 15

Peter Baumann, Sportdirektor des FC Grenchen.

Der Sportdirektor des FC Grenchen 15, Peter Baumann, nimmt im Interview Stellung zu den letzten Vorkommnissen und spricht über die Pläne für die Zukunft.

Peter Baumann, warum die fristlose Entlassung von Cheftrainer Roland Hasler und Sportchef Thomas Reinhart?

Es war eigentlich keine fristlose Kündigung, sondern die Verträge wurden fristgemäss gekündigt. Wir wollten mit beiden verhandeln, weil wir, Präsident Mike Rüetschli, ich als Sportdirektor und der Vorstand, andere Ziele verfolgten, eine andere sportliche Ausrichtung wollten und auch inhaltlich über Prämien, Grundgehalt etc. sprechen wollten. Das Fass ist übergelaufen, als Hasler ein Gespräch unter vier Augen, das nach dem Biberist-Match vereinbart worden war, verweigerte und nur zusammen mit Sportchef Reinhart erscheinen wollte. Das habe ich nicht akzeptiert. Das hat mir gezeigt, dass Roland Hasler sich als beratungsresistent erweist.

Thema unterschiedliche Ziele: War nicht das erklärte Ziel des Vereins und von Trainer Hasler, der Aufstieg in die 2. Liga Inter?

Der Verein gab die Parole heraus, Platz 1 bis 3, das hat Hasler umgesetzt. Als ich als Sportdirektor dazustiess, erhielt ich vom Präsidenten den Auftrag, das Ganze sportlich anders anzugehen, weil es offensichtlich so nicht klappen wollte. In der 2. Liga braucht es normalerweise keinen sportlichen Direktor, da reicht ein Trainer und der Sportchef, es sei denn, man strebt nach höheren Zielen.

Die da wären?

Möglichst schnell aufzusteigen. Dazu braucht es aber auch überdurchschnittliche Spieler, die man auswärts holen muss. Ich habe schon zu Beginn meines Engagements, noch als Beobachter, zwei, drei Spieler vorgeschlagen, die man hätte holen müssen, um die Rückrunde schon stark angehen zu können. Denn mein Ziel war es, schon in dieser Saison aufzusteigen. Aber die beiden, Hasler und Reinhart, haben sich gegen jegliche Einmischung gewehrt, haben weder Kontakt aufgenommen, noch zeigten sie irgendwelche Bereitschaft, diese Spieler in die Mannschaft aufzunehmen.

Aber wenn wir zurückschauen, als der FCG am Boden war und man die Fusion mit Wacker in die Wege leitete, hiess es doch, man müsse in eine starke Juniorenbewegung investieren und so langfristig gutes Spielermaterial für die 1. Mannschaft ausbilden. Ist es naiv, an so etwas zu glauben?

Diese «schönen» Vorstellungen haben nur Leute, die wenig Ahnung vom Fussball haben. Das Beispiel Subingen, wo das zu einem Grossteil so praktiziert wird, zeigt, so entsteht eine Lift-Mannschaft. Aufstieg, Abstieg, Abstieg, Aufstieg – man scheitert mit so einem Konzept. Das ist nicht die Idee. Es braucht externe Führungsspieler, die die eigenen Jungen führen können.

Grenchen hat eine gute Juniorenabteilung aufgebaut, in der B Promotion ist Grenchen an der Spitze. Wenn solche jungen Spieler nach oben stossen, brauchen sie gute Spieler als Vorbilder und Führungsspieler, um sich zu entwickeln. Kommen sie hingegen in eine Mannschaft mit durchschnittlichen Spielern, bleiben sie stehen. Und ganz wichtig: Grenchen kann es sich, genau wie der FC Biel, nicht leisten, in der regionalen 2. Liga zu spielen. Das wollen die Zuschauer nicht, das wollen die Sponsoren nicht. Also müssen wir so rasch als möglich in die 2. Liga Inter aufsteigen, dort vorne mitspielen und in drei bis fünf Jahren in der 1. Liga anklopfen.

Es hiess damals auch, jetzt müsse man kleinere Brötchen backen. Wie ist so etwas zu bewerkstelligen mit diesen Ambitionen?

Wir backen tatsächlich kleinere Brötchen verglichen mit damals. In Sachen Budget ist unser jetziger Vorstand sehr strikt. Die Vorgaben, die der sportliche Teil erhält, müssen absolut eingehalten werden. Wir haben im Vorstand jetzt auch immer sogenanntes «forecast», wissen also immer genau, wo wir im Budget stehen.

Noch ergänzend zu den Spielern aus eigenen Juniorenbeständen: Es ist eine Illusion zu glauben, wenn da drei, vier guten Spieler heranwachsen, dass die bleiben. Es gibt andere Clubs, die werben sogar Junioren oder ganz Kleine ab, die in den Auswahlen sind. Wenn das gut ist für die Entwicklung eines Spielers – warum nicht? Je höher man klassiert ist, desto eher kann man seine Spieler in den Reihen halten. Aber nicht in der 2. Liga regional.

Das neue Trainerduo heisst Perparim Redzepi und Jashar Ajdini. Sie haben den FC Iliria von der 3. Liga in die 2. Liga Inter geführt und gewannen im 2016 den Solothurner Cup. Ist das das richtige Trainerduo, um die gesteckten Ziele zu erreichen?

Ich kenne beide schon sehr lange, beides sind Fussballverrückte, die für den Fussball leben und die gleichen Ideen haben wie ich. Sie wissen, wie ich denke und ich weiss, was sie denken. Es ist auch ein Dialog möglich, wenn ich von der Tribüne aus etwas bemerke, das nicht gut ist, dann darf ich das anmerken. Das war mit Hasler schwierig. Auch Sportchef Max Rüetschli hat einen guten Draht zu den beiden.

Wie man hört hat schon ein Stimmungsumschwung stattgefunden?

Definitiv. Das ist für mich entscheidend und hat mir bisher gefehlt: Der Spass am Fussball, die Freude, auch einmal im Training zu lachen. Die Emotionen fehlten, es war ein wenig wie in einer geschützten Werkstatt, in der alle lieb zueinander sind und möglichst wenig Druck herrscht. Mir ist es lieber, wenn auch mal Spieler aneinandergeraten und man drei, vier aussergewöhnliche Spieler hat, die auch mal etwas sagen dürfen. Es war beim letzten Match nach den Toren, als ob sich ein Knopf gelöst hat. Diese Freude, diese Emotionen. Ich will, dass eine gute Stimmung herrscht, nicht mehr diesen Pessimismus und diese ernsten Gesichter ständig.

Sie sind jetzt seit Januar beim FCG und wurden aber erst kürzlich definitiv in den Vorstand gewählt. Waren die Ereignisse der letzten Tage «von langer Hand geplant»?

Ein wichtiger Punkt. Denn es gibt diejenigen, die behaupten, die Entlassung von Hasler sei von Anfang an mein Ziel gewesen. Das stimmt nicht. Ich habe mir Zeit gegeben. Die habe ich gebraucht, um alles anzuschauen und mir eine Meinung zu bilden, auf professionelle Art und Weise.

Und wann gibt es beim FC Grenchen die erste Frauenmannschaft? Das muss man ja den ehemaligen Trainer des FFC Zuchwil fragen?

Wenn sich eine Gruppe findet, die da was anreissen will, bei mir ist auf jedenfall eine Tür offen.

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