Ohne die Maschinen der Firma Strausak Mikroverzahnungen AG könnten die Uhrenindustrie und viele Uhren-Zulieferer schwer auskommen. Das KMU an der Grenchner Lebernstrasse hat seine Rolle als starker Nischenplayer in den letzten Jahren behauptet. Mit dem neuen CEO Stefan Brunner (35) an der Spitze will das Unternehmen den Weg vom Maschinenbauer zum Vollservice-Kundendienstleister konsequent weitergehen.

«Unser Vorteil ist, dass alles laufend kleiner wird», sagte Brunner kürzlich anlässlich einer Firmenbesichtigung, welche die FDP Grenchen organisiert hatte. In der Tat werden heute immer mehr Funktionen in Baugruppen auf immer kleinerem Raum zusammengefasst. Und wenn es um die Herstellung von kleinen und kleinsten Trieben und Zahnrädern geht, haben die Maschinen von Strausak die Nase vorn.

Von Lohn nach Grenchen

Das Unternehmen hat seine Wurzeln in der Maschinenfabrik Strausak in Lohn, welche 1923 gegründet wurde. 1996, das Mutterhaus steckte in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, wurde der Mikrotechnik-Teil in einem Management-Buyout an Rolf Brunner verkauft. In Grenchen florierte das kleine Unternehmen gut und konnte die Belegschaft stetig ausbauen. Im Jahr 2002 wurde der Neubau an der Lebernstrasse 63 bezogen, wo heute ein Portfolio von 11 Maschinentypen hergestellt wird, in einer für die Maschinenindustrie typischen Fertigungstiefe von etwa 30 Prozent. Für den Produktionsteil wurde 1998 die Firma Ristol gegründet.

«Wir möchten die Herstellung von Schlüsselkomponenten wie Spindeln in den eigenen Händen behalten», erläutert Brunner. Die übrigen Maschinenteile beziehe man von Zulieferfirmen möglichst aus der Schweiz, um die Qualität garantieren zu können. Ein eigenes Lackierwerk in Pieterlen stellt sogar die Hochwertigkeit von teilweise kundenfarben-spezifischen Abdeckungen sicher. Auch die Maschinensteuerungen werden aus hochwertiger Elektronik inhouse montiert.

100 Maschinen pro Jahr

Inzwischen beschäftigt die Strausak Mikroverzahnungen AG 36 Mitarbeitende und erzielt einen jährlichen Umsatz von 10 Mio. Fr. Im Jahr werden ca. 100 Maschinen ausgeliefert. Es sind Maschinen für Mikroverzahnungen, Rollieren, Rundschleifen und Schärfmaschinen.

Rolliermaschinen, eine exklusive Spezialität von Strausak, werden in der Uhrenindustrie für die Bearbeitung von Kleinstteilen verwendet, die typischerweise in Steinlagern laufen. Solche Maschinen können Teile mit einem Zapfendurchmesser von 0,06 mm präzise bearbeiten. «Die grossen Uhrenmarken vertrauen in dieser Hinsicht auf uns», verkündet Brunner nicht ohne Stolz und verweist auf ein Lot Rolliermaschinen eines prestigesträchtigen Herstellers, die gerade zur Revision eingetroffen sind.

Neue Branchen erschliessen

Auch die Lebernstrasse selber ist ein kleines «Mikroverzahnungs-Valley» in Grenchen selber. Die benachbarten Firmen Siegrist und Feller Pivotages gehören zur Kundschaft. Selber auf eigenen Maschinen Teile produzieren, wie das beispielsweise Feintool macht, will Brunner nicht. «Ich fände es nicht fair, unsere Kunden zu konkurrenzieren.»

Die 50 Jahre Erfahrung im Handling von kleinen und kleinsten Teilen ermöglichen eine Technologieführerschaft, die auch Tore in andere Branchen öffnet. So wurde für eine namhafte deutsche Firma eine Maschine entwickelt, welche rationell Teile von Einspritzanlagen, sogenannte Ventilpilze, herstellt. Nebst der Uhrenindustrie gehören Automotive, Apparatebau und die Medtech-Industrie zu den wichtigen Abnehmern. 85 Prozent der Strausak-Maschinen werden im Inland ausgeliefert. Dies ist auch der Grund, wieso der Eurokurs Brunner zurzeit kein Bauchgrimmen macht.

Service wird wichtiger

Direkt ist man also weniger betroffen. Wohl aber können es die Kunden sein. Automatisierung und Rationalisierung sind für das Aufrechterhalten der Konkurrenzfähigkeit die halbe Miete. Noch immer ist hier eine bewährte Modelllinie von Strausak up to date, die je nach Teilegrösse bis 20 Zahnräder aufs mal schneiden kann. Die Zukunft gehört aber auch der Entwicklung von ausgeklügelten Zuführsystemen. «Wir bieten auch Automatisierungslösungen für praktisch jedes Werkstück an», betont Brunner.

Eine immer wichtigere Rolle spiele zudem ein prompter Kundendienst. «Wir haben ein computerbewirtschaftetes Ersatzteillager im Wert von 4 Millionen Franken, um unsere Maschinen stets einsatzbereit zu halten und die Ausfallzeiten bei den Kunden zu minimieren», erklärt Brunner. Auch das helfe der Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Exportindustrie.