Bergstrasse
Strassensperrung ist nicht für alle einleuchtend

Mehrere Automobilisten wurden in den vergangenen Wochen auf dem Weg zu den Grenchenbergen von der Polizei gebüsst. Rotlicht, Sperrzeiten und verteilte Bussen sorgen einmal mehr für Diskussionen.

Oliver Menge
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Jetzt liegt wieder ein Schäumchen Schnee auf der Strasse, wochenlang war sie trocken. Hanspeter Bärtschi

Jetzt liegt wieder ein Schäumchen Schnee auf der Strasse, wochenlang war sie trocken. Hanspeter Bärtschi

Hanspeter Bärtschi

Die Gebüssten hatten das Rotlicht unten bei der Holzerhütte und die Sperrzeiten missachtet. Diese Sperrzeiten während der Wintermonate waren eingeführt worden, damit der Bus am Mittwochnachmittag, Samstag und Sonntag ohne Gegenverkehr hoch und runter fahren kann. Die Gebüssten äusserten zum Teil in Form von Leserbriefen ihren Unmut über die «engstirnige» Polizei, zumal die Strasse bis Mitte Januar schneefrei war und ihrer Meinung nach die Signalisation überflüssig und die Sperrzeiten nicht nachvollziehbar seien.

Kein Verständnis

Auch die Wirtin des Obergrenchenbergs, Annemarie Schmidig, kann nicht verstehen, dass das Fahrverbot nicht für 2 bis 3 Wochen wieder aufgehoben werden könne. Es sei völlig unverständlich, wenn die Polizei Bussen verteile oder man keine Autos mehr auf den Berg lasse, selbst wenn noch Parkplätze frei seien. Sie habe vor ein paar Tagen die Polizei angerufen, nachdem sich einige ihrer Gäste darüber beschwert hätten, sie seien von der Polizei gebüsst worden. Zwar sei die Lichtsignal-Anlage noch auf Rot gestanden, aber ihre Gäste hätten zuerst den herunterfahrenden Bus abgewartet und seien erst dann hochgefahren. Zwei Kurven weiter oben habe die Polizei gewartet und Bussen verteilt. Der Verdacht sei geäussert worden, dass es da um reine Geldmacherei der Polizei ging. Bei den Autofahrern habe es sich vorwiegend um einheimische Stammgäste gehandelt. Diese hätten sich natürlich auch nicht darüber gefreut, dass der Ausflug auf den Berg so unvermittelt teuer wurde – die Busse betrug nämlich 250 Franken im Einzelfall.

Schmidig fragt sich, weshalb es nicht möglich sei, die Signalisation wenigstens vorübergehend abzudecken und die Lichtanlage abzustellen, wenn die Strasse während Wochen schneefrei sei. Liege aber im April Schnee, wie in den letzten Jahren, sei die Strasse rutschig und eigentlich viel gefährlicher, und da gebe es auch keine Sperrzeiten und kein Rotlicht.

Parkplatzproblematik verschärft

Auch das Fahrverbot zwischen Untergrenchenberg und Obergrenchenberg mache nur dann Sinn, wenn die Skilifte in Betrieb seien. «Jetzt sind die Pisten nicht befahrbar und die Lifte laufen nicht, aber die Polizei hält am Fahrverbot fest.» Dies habe zur Folge, dass an den Wochenenden die Parkplätze beim Obergrenchenberg nicht genutzt werden könnten, die anderen Parkplätze schnell voll seien und die Strasse viel zu früh gesperrt werde. Sie habe das Gespräch mit dem Busbetrieb Grenchen und Umgebung (BGU) und mit der Polizei gesucht, aber es sei nichts Fruchtbares daraus entstanden, weil jeder auf seinem Standpunkt beharre.

Sperrzeiten werden überprüft

Hugo Kohler, stellvertretender Kommandant der Stadtpolizei Grenchen, kennt die Verhältnisse bestens. Er ist seit 30 Jahren in Grenchen bei der Polizei tätig und genau so lang suche man in Grenchen eine intelligente Lösung für diese Probleme, sagt er. Er verstehe die Anliegen der Pächter auf dem Berg und auch die der BGU. Man sei mehrfach in der Vergangenheit mit allen Beteiligten zusammen- gesessen, um die Sache zu diskutieren. Auch müsse die Situation ab und zu überprüft werden und dazu gehörten insbesondere die Sperrzeiten, die man vor einem oder zwei Jahren einmal festgelegt habe. Zu diesem Zweck würden auch in naher Zukunft wieder Gespräche mit BGU, Bürgergemeinde und Polizei stattfinden. Aber es sei ein ewiges Hin und Her. Auf dem Berg könnten einfach nicht alle Bedürfnisse befriedigt werden. Nach dem Debakel vom Neujahrstag (wir berichteten), als sich die BGU darüber beklagt hatte, dass die Polizei die zum Teil chaotischen Zustände auf dem Berg nicht lösen konnte, habe die Polizei beschlossen, stichprobenartig Kontrollen durchzuführen. Und vorletztes Wochenende seien dann einige Autofahrer gebüsst worden, welche die Signalisation missachtet hätten.

Die Polizei habe nicht genügend Personal, um ständig präsent zu sein und den Verkehr zu regeln. Das könne eigentlich in der heutigen Zeit nur ein privater Dienst erledigen, so wie das zum Beispiel Adelboden an Publikums-intensiven Wochenenden tue. Man müsste sich also auch Gedanken über eine Finanzierung machen, das könne nicht einfach die Stadt alleine tragen, meint Kohler.

Grundsätzlich sei die Unfallgefahr zur Winterzeit grösser. Auch wenn die Strasse schneefrei sei, könne doch Nebel überfrieren, und die Strasse sei auch so nicht ungefährlich, wie manche dies behaupteten. Dass die BGU ein besonderes Augenmerk auf die Sicherheit lege, sei verständlich: «Wenn ein Bus verunglückt, gibt es mehr als 2 bis 3 Verletzte», so Kohler.

Andere Lösung im Oberland

Vreni Schneider, Wirtin des Restaurants Untergrenchenberg, kennt die Verhältnisse aus dem Berner Oberland. Dort werden an manchen Orten die Signalisationen von den Busfahrern per Natel selber gesteuert. So zum Beispiel im Gasterntal oberhalb von Kandersteg. «Das müsste doch eigentlich hier auch möglich sein», meint sie. Die starre Regelung der Zeiten und die Steuerung des Rotlichts sei keine gute Lösung und mache nur die Gäste zornig.