Dies veranlasste die Arbeitsgruppe öffentlicher Verkehr (AGöV) und die Stadtpolizei bei der Baudirektion Massnahmen zu beantragen, um die Situation zu beruhigen, bzw. die Fussgänger gegenüber den Autos besser zu schützen.

Die Baudirektion hat in der Folge ein Gutachten in Auftrag gegeben, welches die Einführung einer Begegnungszone von der südlichen Grenze Parkplatz Bahnhof Nord an der Lindenstrasse bis zum Durchgang Turnhalle Nordbahnhof prüfte.

Das Gutachten liegt seit knapp einem Jahr vor. Aber dessen Umsetzung in adäquate bauliche Massnahmen hat seither in der Bau- und Planungskommission (Bapluk) zu einem Seilziehen geführt. Ein erstes Projekt der Bauverwaltung mit einer Begegnungszone wurde von der Bapluk rundweg abgelehnt. «Wir waren der Ansicht, dass die vorgeschlagene Begegnungszone zu gross ist», erklärt Präsident Konrad Schleiss. Die vorgesehene Fortführung noch über die Turnhalle Nordbahnhof hinaus sei nicht gerechtfertigt.

Am rechten Ort gemessen?

Auch wurden die im Zuge des Gutachtens vorgenommenen Geschwindigkeitsmessungen angezweifelt. «Die gemessenen Geschwindigkeiten können an der wirklich heiklen Stelle in der Kurve wohl gar nicht erreicht werden», meint Schleiss. «Ich glaube nicht, dass man am richtigen Ort gemessen hat.»

Die Stadt liess nicht locker und der Stapi organisierte einen Lokaltermin mit einem Bapluk-Ausschuss, der Baudirektion, der Stadtpolizei und dem BGU mit dem Ziel, dass doch noch eine Vorlage zustande kommt.

Die Argumente wogten hin und her. Während manche dringenden Handlungsbedarf orten, bezweifelten andere den Sinn einer Begegnungszone (nicht nur) an diesem Ort. Sie verbessere die Sicherheit und Übersichtlichkeit nicht. Einig war man sich eigentlich nur darin, dass die Situation mit der Abzweigung, der Bushaltestellen und der Parkplatzeinfahrten auf engstem Raum einigermassen unübersichtlich ist, nicht zuletzt aufgrund der wartenden Busse, die Überholmanöver provozieren.

Keine Busbucht

Um diese zu entschärfen sei die Erstellung von Busbuchten bzw. die Verbreiterung der Strasse zu prüfen, so ein weiterer Vorschlag aus den Reihen der Bapluk. Sie mündete in einem weiteren Entwurf, der Variante B. Doch auch diese scheiterte. Die Gelenkbusse hätten in der Busbucht nicht Platz und die Verbreiterung der Strasse würde Kosten von 70 000 bis 80 000 Franken verursachen, wie von der Bauverwaltung vorgerechnet wurde. «Dies würde zu einem Nachtragskredit führen, was angesichts der aktuellen Finanzsituation der Stadt nicht zu vertreten ist», meint Schleiss.

Und offenbar plane man bei BLS und Stadt bereits die Umgestaltung des Bahnhofplatzes in 7 bis 10 Jahren. Was wiederum grössere Investitionen zum heutigen Zeitpunkt als nicht sehr sinnvoll erscheinen lässt. «Beim Areal Nordbahnhof handelt es sich zweifellos um ein wichtiges Entwicklungsgebiet, wo noch viel realisierbar wäre», erklärt Schleiss weiter. Ab Fahrplanwechsel würden sich zudem auch die Regionalzüge in Grenchen kreuzen, was für einen weiteren Peak sorgen wird.

Dritte Variante

Diese Erwägungen führten am Ende zu einer weiteren Variante, welche gemäss Schleiss jetzt die Zustimmung der ganzen Bapluk gefunden hat: eine kurze Begegnungszone, im Wesentlichen im Bereich der Kurve und der östlichen Bushaltestelle, ohne Strassenverbreiterung, ohne Sperrung der nördlichen Parkplatzeinfahrt und ohne Veränderung des Durchfahrtsregimes auf dem Turnhallenparkplatz. «Ich gehe davon aus, dass diese Variante auch eine Mehrheit im Gemeinderat finden wird», so der Bapluk Präsident.

Und um dem ganzen noch einen provisorischen Anstrich zu geben, ist im Beschlussentwurf vermerkt, dass die Situation ein halbes Jahr nach der Umsetzung nochmals überprüft werden soll. Der Gemeinderat entscheidet heute Abend.

Einen weiteren kleinen gordischen Verkehrsknoten soll der Rat heute ebenfalls lösen: wer wann mit welchen Fahrzeugen auf den Velodrome- bzw. Badiparkplatz fahren darf. Unter verschiedenen Varianten befürwortet die Bapluk auch hier die einfachste: Das Velodrome soll für das öffnen und schliessen der bestehenden Schranke verantwortlich sein.