Der Weiler Staad an der Aare bei Grenchen ist ein beschaulicher Flecken Erde. Hier im Landwirtschaftsbetrieb mit Wirtschaft war Hans Strausak aufgewachsen. Sein Vater war früh verstorben. Die Mutter verpachtete den Betrieb, bis der Pächter diesen unerwartet verliess. So übernahm Hans am 15. März 1948, 23-jährig, mit seiner 20-jährigen Verlobten Lydia, die gerade die Bäuerinnenschule in Uttewil besuchte, Hof und Wirtschaft. «Es war nach dem Krieg, die Lebensmittel waren zwar nicht mehr rationiert, doch wir hatten eigentlich kein Geld», sagt Lydia Strausak. Dann sei immer etwas los gewesen. Das Paar hatte vier Kinder. Vieles musste umgebaut werden.

Besuch vom Bundesrat

Die Jahre vergingen wie im Flug. Die heute im Gehen beeinträchtigte, aber sonst vife Wirtin erzählt von den Metzgeten, von den unzähligen Sonntagen mit dem Besuch von Mitgliedern von Reitvereinen, der Artilleriemusik, Fuchsjagden und Stockcar-Rennen. An einem solchen Rennen mit alten Autos seien Tausende Eintritte verkauft worden, und sie habe eine Woche keine Zeit zum Schlafen gefunden. Längst sind diese Rennen verboten, auch die nachfolgenden Ponyreitanlässe gibt es nicht mehr.

Dafür ist der Campingplatz der Familie Strausak für Dauer- und Passantencamper beliebt. Das nahe Wasser, die Witi und der Jura laden zum Velofahren und Verweilen. Ein Höhepunkt für die Wirtschaft in Staad war im Dezember 1985 der Besuch von Bundesrat Leon Schlumpf. Der Bundesrat wollte sich über den Bau der Autobahn und besonders den zukünftigen Witi-Tunnel orientieren.

Gerade in dieser Zeit hatte Hans Strausak seinen Stall nach vielen Planeingaben neu gebaut und neue Tiere eingestallt. Da wurde er krank und ist vor 32 Jahren gestorben. Für Lydia folgte nach guten gemeinsamen Jahren eine schwierige und anspruchsvolle Zeit. Sie war seit ihrer Jugend auf einem Betrieb in der Nähe von Avenches an viel Arbeit gewohnt. Jetzt war sie in Staad verwurzelt, Aufgeben war keine Option. Schier unermüdlich bewältigte sie Stall und Wirtschaft mit wenig Hilfen, bis ihre Tochter Ursula, nach der Ausbildung zur Landwirtin, in den Betrieb eingestiegen ist.

Abwechslung brachte der geliebte und perfekte Gemüsegarten, die «Freizeitbeschäftigung» von Lydia Strausak. «Zu Zeiten, als wir zusätzlich noch eine Pflanzung in der Witi hatten, waren wir fast Selbstversorger. Wir schlachteten unsere Schweine und ab und zu ein Rind», sagt die Wirtin, die immer und bis heute sehr gerne kocht. Jetzt etwas einfacher, doch die Portionen müssten stimmen. Sie wünscht sich, dass ihr die Gesundheit erhalten bleibe. Zwei Kinder seien schon pensioniert, aber sie noch nicht. Leidenschaftlich vertritt sie ihre Hoffnung, ihre Zukunft weiter selber gestalten zu können.