Stadtbummel
Stilgerecht durch die Zeitläufte

André Weyermann
André Weyermann
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Das Grenchner Fest steht heuer unter dem Motto «Back to the Fifties».

Das Grenchner Fest steht heuer unter dem Motto «Back to the Fifties».

Oliver Menge

Die Stadt feiert mit dem Grenchner Fest die 50er-Jahre. Eine Zeit der Blüte, des Aufbruchs, verbunden mit einem schier unendlichen Optimismus. Man ging gar davon aus, dass die Gemeinde dereinst 30'000 Einwohner beherbergen wird. Nun, bekanntlich ist es anders gekommen. Und trotzdem: Eine Zeitreise zurück hat sicher ihre Berechtigung, ist doch damals vieles entstanden, welches die Stadt noch heute ausmacht.

Der Stadtbummler freut sich vor allem darauf, dass sich auch die Dreissiger, Vierziger, Sechziger, Siebziger und so weiter in stilgerechter Aufmachung präsentieren werden. Er selber jedoch hat so seine Probleme damit, waren doch die Ikonen der Zeit (Elvis, James Dean, Marlon Brando, Humphrey Bogart, Paul Newman, um nur einige zu nennen) damals noch schlank und rank. «Sigs wies sig»: Irgendetwas wird ihm schon einfallen und sei es nur ein Auftritt als zeitloser Journalist.

1958 war übrigens auch die Geburtsstunde der ältesten und grössten Ausstellung für originale Druckgrafik. Da auch hier die Zeit nicht stillgestanden ist, hat sich die Triennale immer wieder neu erfinden müssen. Und dies ist ihr bisher glänzend gelungen. An ausserordentlichen Ausstellungsorten, in ehemaligen Industriebauten, wird ab nächster Woche nicht nur der klassischen Grafik gehuldigt, sondern es werden auch neue Tendenzen ausgelotet. Es wird spannend sein, zu erleben, wie die Digitalisierung auch von dieser Kunstform nicht haltgemacht hat. Gleichzeitig kann man im Kunsthaus dem Porträt, so etwas wie der Vorgängerin der Selfiekultur, auf den Grund gehen. Eindrückliche Begegnungen mit Goethe, Elvis oder Mao sind garantiert.

Wenden wir uns noch der Beizenszene zu, bei der man bisweilen den Eindruck hat, dass die Halbwertszeit einiger «Gastronomen» eine doch sehr kurze ist. Es gibt aber Ausnahmen. So konnte Heidi Schmid in der «Helvetia» letztes Wochenende auf 20 Jahre Tätigkeit zurückblicken. Getan wurde das äusserst stilvoll, mit Musik, Speis und Trank sowie dem Besuch des nostalgischen Feldschlösschen-Gespanns. Die Wirtin in einer der letzten echten Beizen, in welcher die Stammtisch-Tradition mit dazugehörenden Gesprächen, Plaudereien und Diskussionen noch hochgehalten wird, gehört damit zu den dienstältesten Gastgeberinnen, die in derselben Lokalität gewirkt haben und noch immer wirken. Mehr Jahre «auf dem Buckel» hat wohl nur noch Luigi Tundo im nicht weit davon gelegenen «Mazzini».

Literarisch Interessierte können sich schliesslich nach einem heissen Sommer auf einen ebensolchen Herbst freuen, zumindest was die Qualität der Gäste anbetrifft. Am 20. September wird nämlich Krimi-Shootingstar Christof Gasser den Rössli-Saal zum Tatort machen und Mitte Oktober hat Wortakrobat Arno Camenisch das Parktheater für eine Performance ausgesucht.

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