Das Buch «Sternstunden der Menschheit», verfasst vom Deutschen Literaten Stefan Zweig, hat vielleicht der eine oder andere in der Schule gelesen. In blumiger Sprache beschreibt es Grosstaten einzelner, die mit einer Erfindung oder dank immenser Beharrlichkeit mit ihren Projekten die Gesellschaft weiter gebracht haben. Es gehört bis heute zu meiner Lieblingslektüre. Denn es beschreibt Menschen, die an etwas geglaubt haben. An eine Idee, an den Fortschritt oder auch nur an sich selbst.

Sternstunden können sich bisweilen auch in einer Kleinstadt wie Grenchen ereignen. Und dann treten gewisse Personen für eine kurze Zeit in Erscheinung. Sie legen eine Weiche richtig um, zu einem Zeitpunkt, wo es einfach nötig war. Sie haben die Mittel dazu. Ihnen ist nicht egal, was abgeht in der Stadt. Sie merken, wenn sie jetzt nicht handeln, kommt es schlecht. Eine solche Person ist Urs Erb. Vom Unternehmer und ehemaligen FC-Präsidenten hat man schon einige Zeit nichts mehr gehört. Jetzt hat er die Liegenschaft des Grenchner Hofs gekauft und damit verhindert, dass der begnadete Gastronom Robert Laski der Stadt den Rücken kehrt. Es war hauchdünn. Denn ein anderer Käufer, der ebenfalls in der (kurzen) Schlange stand, hätte für die Liegenschaft nichts Gutes verheissen.

So war Erb der rechte Mann am rechten Ort zur rechten Zeit. Sein Name wird ausser hier wohl nur noch im Grundbuch auftauchen, denn er möchte keine Publicity. Aber danken möchten wir hier explizit. Es war eine Rettung in höchster Not.

Leider gibt es nicht immer solche Sternstunden in der Stadt. Man kennt genug Liegenschaften, bei denen die Weichen falsch gestellt wurden, sei es aus Geldgier, Ignoranz oder aus beidem. Aus diesem Grund sollte die Bauverwaltung dringend fortfahren damit, gute (private) Bau- oder Renovationsprojekte auszuzeichnen. Wer etwas fürs Stadtbild macht, sollte auch Dank dafür einheimsen dürfen. Immerhin jährt sich nächstes Jahr der Wakker-Preis zum 10. Mal. (Wir werden dafür gerne damit fortfahren, hier auch die schlechten Beispiele zu erwähnen.)

Gemischte Gefühle hat man bei den ersten Mietern in den Co-Working-Space-Lokalen in der alten Credit Suisse. Sie werfen bezüglich Nachhaltigkeit ihres Geschäftsmodells gewisse Fragen auf - zumindest auf den ersten Blick. Doch «mer wei nid grüble», das Schaufenster füllt sich und der Marktplatz belebt sich wieder ein wenig. Und etwas bleibt mir aus Stefan Zweigs Bändchen auch noch in Erinnerung. Viele Protagonisten wurden zuerst belächelt, unterschätzt oder gar sabotiert. Doch am Ende waren sie es, die obenauf schwammen.