Grenchen

Stelldichein zweier Grössen mit Format im Talk «Ganz unger üs»

Von links: Eine spannende Gesprächsrunde mit Kurt Gilomen, Werner Günthör, Samuel Schmid und Dagobert Cahannes.

Von links: Eine spannende Gesprächsrunde mit Kurt Gilomen, Werner Günthör, Samuel Schmid und Dagobert Cahannes.

Im Grenchner Talk «Ganz unger üs» empfingen die Gastgeber Dagobert Cahannes und Kurt Gilomen den mehrfachen Welt- und Europameister im Kugelstossen, Werner Günthör, und den Vollblutpolitiker Alt-Bundesrat Samuel Schmid aus Rüti bei Büren.

«Ich habe mich selten so gefreut auf einen Gast», eröffnete Kurt «Moos» Gilomen den Talk. Denn Werner Günthör sei quasi ein Idol aus seiner Jugendzeit. «Alle wollten so sein, wie der Kugel-Werni», erinnerte sich Gilomen. «Alle hatten einfach Respekt vor Günthör.» Und das sei noch immer so. Kein Wunder bei dieser Grösse, meinte der nicht klein gewachsene Gilomen. Denn bei diesem Zwei-Meter-Mann habe auch er emporschauen müssen, was sonst selten vorkomme, witzelte er.

Dagobert Cahannes begrüsste seinerseits einen seiner alten Bekannten, Alt-Bundesrat Samuel Schmid aus Rüti bei Büren. Cahannes umriss die Karriere des Vollblutpolitikers: Geboren und aufgewachsen in Rüti besuchte Schmid die Kanti in Solothurn und schloss später in Bern Studien der Rechtswissenschaften ab. Er wurde Gemeinderat in Rüti, Gemeindepräsident, später in den Grossen Rat und in den Nationalrat gewählt. Er war Fraktionschef im Nationalrat, wurde in den Ständerat gewählt und von der Bundesversammlung zum Bundesrat gekürt.

Der Weg in die Politik sei für ihn nicht vorgezeichnet gewesen, erklärte Schmid. «Zwar war mein Vater, der Lehrer im Dorf war, auch mal Gemeindepräsident, aber ich hatte im Gegensatz zu meinem Bruder nicht vor, eine politische Karriere einzuschlagen.» Der Posten des Gemeindepräsidenten sei übrigens sehr befriedigend.

In eine Sportlerfamilie geboren

Werner Günthörs Sportlerkarriere zeichnete sich schon früh ab. Geboren und aufgewachsen in Uttwil am Bodensee war er Mitglied im Turnverein und der Jugendriege. Die Weichen wurden gestellt, als ein junger Trainer die Leichtathletik in Uttwil etablierte und Günthör diverse Disziplinen erlernte, unter anderem Speerwurf. Als Jean-Pierre Egger, sein nachmaliger, langjähriger Trainer, ihn kennen lernte und fragte, ob er mit seiner Grösse und Masse sich nicht für Kugelstossen interessieren würde, habe er zunächst abgewinkt. «So einen Bauch, wie die Kugelstösser aus dem Osten, allesamt unglaubliche Schränke, wollte ich nie», scherzte Günthör.

Einläuten einer neuen Ära im Kugelstossen

Mit ihm habe eine neue Ära im Kugelstossen begonnen. Statt reiner Masse seien Schnellkraft, Athletik und Technik in den Vordergrund gerückt. Bei der Frage, was es zum Erfolg brauche, erzählte Günthör die Geschichte des jungen russischen Läufers, der sich für die Nationalmannschaft bewarb und beim entscheidenden Wettlauf einen Schuh verlor, das Rennen aber zu Ende lief. Er wurde ins Team berufen, obwohl er nicht gewonnen hatte, mit der Begründung: «Der junge Mann hatte genau einmal die Gelegenheit zu zeigen, was er draufhat. Und er hat seinen Willen unter Beweis gestellt.»

Der Läufer sei später Olympiasieger geworden. «Wenn man erfolgreich sein will, muss man etwas spinnen», sagte Günthör und erinnerte sich an die unzähligen Stunden «unter den Eisen» im Gewichtsraum in Magglingen, wo er mit wenig Geld bei Kost und Logis Tag für Tag trainiert habe, um dann genau diese paar Millisekunden die volle Kraft auf die Kugel geben zu können. Unmittelbar vor dem Wettkampf sei die Konzentration und das immer gleiche Prozedere wichtig, um nicht abgelenkt zu werden, man sei wie im Tunnel.

«Es war keine einfache Entscheidung»

Ob er sich die Kandidatur für den Bundesrat lange habe überlegen müssen, wurde Schmid gefragt. Man habe nicht lange darauf hinarbeiten können, sagte dieser. «Die Auseinandersetzungen zwischen dem Zürcher und Berner Flügel der SVP liefen damals heiss und für die starken Zürcher kam sowieso nur einer ‹von Blochers Gnaden› in Frage.» Aber seine gute Vernetzung habe geholfen bei der Wahl.
Wie er selber die ihm nachgesagte Volksnähe einschätze, fragte Cahannes den Alt-Bundesrat. «Man muss als Politiker nicht schulterklopfend rumsaufen, aber man muss den Menschen zuhören und sie mögen», so Schmid. Denn entweder gelangte man über die Medien an sie, und da musste man oft seine Seele verkaufen, oder man zeigte sich eben bei den Leuten. Schmid verriet dem gespannten Publikum auch noch ein paar Geheimnisse, wie zum Beispiel Bundesratssitzungen ablaufen, mit Handyverbot und möglichst wenig Abstimmungen.

Jetzt gebe es nicht mehr so viele Verpflichtungen für ihn, so Schmid. Er versuche, etwas von dem zurückzugeben, dass er erreicht habe, indem er den Menschen helfe, die auf der Schattenseite des Lebens stünden, als Präsident der Winterhilfe und anderen Institutionen. Ausserdem sei er Mitglied der Ethik-Kommission des IOC. Ethik sei aber für Menschen in anderen Kulturen komplett anders und man könne nicht einfach die eigenen Regeln drüberstülpen.

In seinem Leben gebe es auch nach Beendigung der aktiven Laufbahn viele schöne Momente, sagte Günthör, der als Sportlehrer, Führungsausbildner und Coach tätig ist. Das Vorankommen seiner Sportstudenten, aber auch einfache Dinge, wie zum Beispiel das Fischen. «Man darf nicht zu viel suchen und muss Vertrauen haben.»

Hinweis: Nächster Talk am 15. Januar mit dem Stadtpräsidenten.

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