Kaum wurde Grenchen als Energiestadt re-zertifiziert, ist aus gut unterrichteter Quelle zu vernehmen, dass seit Wochen in der Energiezentrale an der Lindenstrasse keine Holzschnitzel mehr angeliefert, geschweige denn verwertet wurden. Genau diese Anlage war aber mit ein Grund dafür, dass Grenchen das Label überhaupt erst erhielt, sollten doch städtische Gebäude mit Wärme versorgt werden. Wärme gewonnen aus Holzschnitzeln, geliefert von der Grenchner Bürgergemeinde. Aber diese Wärme wird nun offenbar vorwiegend aus Heizöl gewonnen. Im Obergeschoss der zweistöckigen Anlage wurde bei der Erstellung im Jahr 2012 nebst des Holzofens mit 550 Kilowatt Leistung auch ein Öl- und Gaskessel mit rund 2000 Kilowatt Leistung eingebaut, um kurzzeitige Spitzenbelastungen auffangen zu können. Und offenbar ist momentan nur dieser in Betrieb. Will da jemand auf Kosten des Umweltschutzes Geld sparen, weil Heizöl äusserst günstig ist? (Siehe separater Artikel unten)

Defekt am Heizkessel

Laut Joachim Krebs, Leiter Unternehmenskommunikation der Elektra Birseck Münchenstein EBM (siehe Infokasten links), welche die Anlage gebaut hat, unterhält, betreibt und mit der Stadt ein Contracting über 20 bis 25 Jahre abgeschlossen hat, ist nichts aussergewöhnlich an der Situation, ausser dem Defekt am Holzkessel. «Solche Anlagen werden in den Sommermonaten immer sukzessive runter- und im Herbst wieder hochgefahren. Ein Defekt am Holzkessel zwang uns einfach dazu, früher als vorgesehen den Betrieb einzustellen, was jedoch ohne Kostenfolge für die angeschlossenen Kunden bleibt.» Die Heizkessel sind mit Schamottsteinen ausgekleidet, die eine Lebensdauer von einigen Jahren haben. Sie dienen als Speicher und sind grossen Temperaturschwankungen unterworfen. Das führt dazu, dass sie nach einer gewissen Zeit kaputtgehen, Risse bekommen, eine völlig normale Sache. «Aber», so Krebs: «In Grenchen ist das früher eingetreten als erwartet. Und das erfordert eine genauere Abklärung des Schadenfalls, auch wegen eventueller Garantieleistungen. Also wurde die ganze Innenverkleidung des Holzkessels entfernt, und die Untersuchungen durch unsere Ingenieure sind noch am Laufen».

Momentan werden die Doppelturn- und Schwimmhalle, die Schulhäuser I bis III, die Liegenschaften des Kindergartens und des Kinderpsychologischen Dienstes sowie das Kultur-Historische Museum zuzüglich einer Privatliegenschaft mit Wärme aus dieser Energiezentrale beliefert. In einer zweiten Bauphase ist geplant, das Schulhaus IV sowie das Parktheater ebenfalls an den Wärmeverbund anzuschliessen. Dazu will man einen zweiten Holzofen mit 900 Kilowatt Leistung einbauen.

Nicht für Dauerbetrieb geeignet

«Mit den erneuerbaren Energieträgern erbringt man eine Grundlast, ähnlich wie beim Strom mit der Wasserkraft. Leistungsspitzen werden dann mit Gas oder Öl abgedeckt», erklärt Krebs. Holzöfen eigneten sich aber nicht für einen Dauerbetrieb das ganze Jahr hindurch, denn im Sommer müsse man oft auf einen sogenannten Stop-and-go-Modus switchen, weil nicht ständig Wärme erzeugt werden müsse, und dafür seien die Öl- oder Gasfeuerungen besser geeignet. «Wir haben letztes Jahr in Grenchen den Versuch gemacht, das ganze Jahr mit Holz durchzufahren, und mussten feststellen, dass das nicht wirtschaftlich ist und der Betrieb wesentlich einfacher läuft, wenn man die kurzfristig benötigte Wärme mit dem fossilen Kessel erzeugt.» Aber auch dieser sei nicht auf Dauerbetrieb ausgelegt, präzisiert Krebs.

Wirkungsgrad ist entscheidend

Entscheidend sei der Wirkungsgrad der verschiedenen Energieträger über längere Sicht, so Krebs. Die Anlage in Grenchen ist darauf ausgelegt, rund 80% ihrer Leistung aus erneuerbaren Energieträgern zu bringen, dies über die Dauer des Contractings. Die restlichen 20% werden eben durch die Gas- oder Ölfeuerung erzeugt. «Mit dem Contracting garantieren wir den Bau, den Betrieb und den Unterhalt der Anlagen. Ist der Ölpreis tief, nehmen wir das gerne mit, unsere Kalkulationen sind aber natürlich auf eine längere Zeitspanne ausgelegt und folglich haben wir auch höhere Erdölpreise eingerechnet.» Auf den Preis für die Wärme, der den Kunden verrechnet werde, habe das keinen Einfluss. Denn dieser ist vertraglich festgelegt und keinen Schwankungen unterworfen.

Vertraglich besteht eine Abnahmepflicht für Schnitzelholz der Bürgergemeinde Grenchen. 80 Prozent des Brennstoffbedarfs werden also mit Holzschnitzeln aus dem einheimischen Wald gedeckt. Im Endausbau werden jährlich rund 4 Millionen Kilowattstunden Wärme benötigt. Dafür müssen rund 5000 Kubikmeter Holzschnitzel bereitgestellt werden.