Grenchner Hilari
Statt die Stadt regieren, muss Banga das Stadthaus beschmieren

Am Sonntagabend haben auch in Grenchen die Narren die Macht übernommen und Stadtpräsident Boris Banga vorübergehend abgelöst. Banga musste zum Pinsel greifen und die Stadthausfassade verschönern.

Patrick Furrer
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Obernarr Thomas Meister und Boris Banga
8 Bilder
Banga hat die Herrschaft gegen das Malergwändli tauschen müssen.
Banga am Streichen
Hilari in Grenchen
Boris Banga sagt Tschüss
Auch die «Schuelschwänzer» unterhielten die schätzungweise 16477 Grenchner am Hilari.

Obernarr Thomas Meister und Boris Banga

Felix Gerber

Pünktlich muss sie schon sein, die Machtübergabe vom Stadtpräsidenten an die Narren, vor allem, wenn das Fasnachtsmotto «s’tigget» heisst. Pünktlich um 18.30 Uhr lief am Sonntag daher vorübergehend die Regentschaft von Boris Banga ab. Geschätzte 16477 fasnachtsbegeisterte Grenchnerinnen und Grenchner waren auch dieses Jahr wieder zum Hôtel de Ville gekommen, um das Spektakel in erster Reihe mitzuerleben.

Obernarr Thomas Meister hatte zu Beginn allerdings eine schlechte Nachricht. Er hätte zwar ein Sprüchlein über die Grenchner Gugge Witijätter gehabt – aber die haben sich am Samstag überraschend aufgelöst. Nur noch vier Guggenmusigen gibt es jetzt in Grenchen. Drei von ihnen machten aber umso mehr Krach und unterhielten das Publikum bestens: Die Froschzunft, Cocoloris und die Schuelschwänzer.

Vorübergehend abgewählt

Für ihre Sprüche machten sich der «König» und der «Meister» immer wieder das Fasnachtsmotto «S’tigget« zunutze, und es zeigte sich: In Grenchen tickt so manche Uhr – eben auch die der Wahlen, wozu der Obernarr fasnachtsmanierlich reimte: «De chasch se gseh, es isch e Pracht: Am Umzug, Ball und Goschenacht – aui di liebe Kandidate, wo uf vüu Wählerstimme warte, si ar Fasnacht, düe nid ligge, wöu d’Wahlkampfuhre wieder tigge.»

Thomas Meister machte keinen Hehl daraus, dass die Tatsache, dass die Fasnacht heuer in die Ferien fällt, auch nur die Schuld von Narren sein könne. «I finges zwar nid so ne Hit, dass d’Fasnacht i de Ferie lit. I weiss, so Ferie si zwar wichtig. Doch wär das planet, tiggt nid richtig.»

«Dr Banga» seinerseits machte auf die Aufgaben und Sörgeli der Politiker aufmerksam: «Doch z’Grenchen tigge au d’Finanze – si nümm so guet, fasch chli am Ranze. Cha nümm so masslos witerfahre, drumm dueni sofort afo spare.» Da falle dem Sparhammer halt auch schon mal ein Kulturpreis zum Opfer. «Es wird jetzt nümme investiert. S’Stadthus wird nid renoviert. Das chöi mer jo no spöter mache. So goht’s au mit ganz angre Sache. Drum cha mi nid lo pensioniere, muess witer z’Grenche do regiere.»

Putzkittel und Pinsel statt Politik

Doch Thomas Meister wusste zu protestieren: «Nei Boris, leider muesch du go. Mir Narre hei jetzt überno. Doch heb kei Angscht, s’isch gäng wie gäng. Grenchen chunnt zrugg, i diini Häng.» Ausruhen aber kann sich der Stadtpräsident nicht, und so gab es auch gleich die Aufgabe samt Instrumentarium für Boris Banga. «Denn während i do d’Stadt regiere» – so Thomas Meister – «muesch du grad s’de Ville renoviere.» Also musste Banga die Obernarrenplakette dem Obernarren übergeben und sie gegen Überkleid, Pinsel und Kessel tauschen, um der Stadthausfassade zu neuem Glanz zu verhelfen. «Chasch striiche, striiche, striiche», feuerte ihn Meister an, «denn d’Wähler mache spöter s’gliche. Am Aeschermittwuch chasch de prahle, s’Stadthus däg wäge dir so strahle.»

Und nachdem Banga die ersten Striche zur Verschönerung an seinem «Hotel» getan hatte, ging es über zum ordentlichen, von der Stadt Grenchen offerierten, Apéro. Die ganz Angefressenen schliesslich konnten sich später in den Beizen und im Zunftlokal der Faschingszunft im «Baracoa» noch bis zu später Stunde an der Hilary-Party vergnügen. Die Grenchner Fasnacht – ein Vergnügen, das erst beginnt.