Flugplatz Grenchen
Starts und Landungen nehmen ab – Flughafenfeuerwehr muss 20 Mal ausrücken

Der Grenchner Flughafen hat im vergangenen Jahr 70'870 Flugbewegungen verzeichnet. Das sind 4,3 Prozent weniger als im Vorjahr.

Andreas Toggweiler
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Flughafendirektor Ernest Oggier konnte im vergangenen Jahr eine neue Tankstelle für Jets in Betrieb nehmen.

Flughafendirektor Ernest Oggier konnte im vergangenen Jahr eine neue Tankstelle für Jets in Betrieb nehmen.

Hanspeter Baertschi

Seit einigen Jahren bewegt sich die Anzahl der Starts und Landungen in Grenchen zusammengezählt immer etwa zwischen 70'000 und 80'000 pro Jahr. Im Jahr 2015 betrug diese Anzahl 70'870 und lag damit 4,3 Prozent unter dem Vorjahreswert. «80 Prozent der Flugbewegungen wurden dabei an den Wochentagen Montag bis Freitag verzeichnet», sagte Flughafenchef Ernest Oggier anlässlich der Generalversammlung der Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG vom Montag.

Dies zeige, dass die Freizeitfliegerei für Grenchen eine vergleichsweise untergeordnete Bedeutung habe.

Rekordtag am 30. Juli

Am frequenzstärksten Tag überhaupt, am 30. Juli 2015 (ein Donnerstag), wurde die Rekordzahl von 633 Flugbewegungen registriert. Davon waren 84 Prozent Ausbildungsflüge, 9 Prozent Freizeitflüge und 4,3 Prozent Business-Flüge. Die Zahl der Passagiere betrug 57'951, der Trend ist seit 2010 (69 308) leicht sinkend.

Glücklicherweise gab es im letzten Jahr keine Havarien mit verletzten Personen, dennoch musste der Notfalldienst (Flughafenfeuerwehr) insgesamt 20-mal ausrücken, was laut Oggier ein Rekordwert ist. Fünfmal hatten Flugzeuge Fahrwerkprobleme, vier mal wegen defekter Pneus und dreimal wegen Motorenschadens.

Dazu kamen zwei Havarien bei den Segelfliegern und einmal Alarm bei der Tankstelle. Ein zum Glück falscher Alarm kam aus der Schülerunterkunft der Segel- und Motorfluggruppe Grenchen. Das kontrollierte Abfackeln von Restgas vor einer Tankrevision hatte diesen ausgelöst.

Stolz zeigte sich Oggier auch auf die Anschaffung des neuen Tanklösch-Fahrzeugs für die Flughafenfeuerwehr (wir berichteten). Das Interesse der Bevölkerung am Flughafen scheint ungebrochen gross: Es wurden 83 Führungen (+8,5%) mit 1428 Teilnehmern durchgeführt. Die Solaranlage auf dem Hangardach produzierte 326'000 kWh Strom.

Ein Highlight des Flughafenjahres waren gemäss Oggier die Rundflüge des «Edelweiss»-Zeppelins. Erstaunt habe ihn, dass obwohl das Luftgefährt von drei Motoren angetrieben wird und nur 150 Meter über dem Boden geflogen sei, keinerlei Lärmklagen zu verzeichnen gewesen seien. Nicht verhehlen konnte Oggier demgegenüber seine Enttäuschung über den ablehnenden Entscheid der Solothurner Regierung zur geplanten Pistenverlängerung am 15. September.

«Wir sind zum Spielball von Behörden und Regulierungsinstanzen geworden», meinte auch Verwaltungsratspräsident Erich Blösch. «Unser Korsett ist sehr eng geworden und wir müssen um unseren Weiterbestand kämpfen.» Weitere Einschränkungen würden die Zukunft des Flughafens gefährden, warnte Blösch. Nur dank Regionalflughäfen wie Grenchen könnten die notorisch überlasteten Landesflughäfen entlastet werden. Grenchen als meistfrequentierter Regionalflughafen spiele auch eine wichtige Rolle für die Ausbildung des Pilotennachwuchses.

«Wenig Planungssicherheit»

Dazu brauche es auch Planungssicherheit, welche heute teilweise fehle. So ist einerseits die Finanzierung der Flugsicherung Gegenstand von Diskussionen zwischen dem Bundesamt und dem Regionalflugplatz, anderseits ist offenbar auch der Versuch mit GPS-geleiteten Anflügen, die Skyguide-Ressourcen einsparen würden, ins Stocken geraten.

Markus Boss präsentierte die Jahresrechnung mit einem Verlust von 326'000 Franken. Vor allem erhöhte Abschreibungen im Zusammenhang mit dem Pistenausbauprojekt hätten zu diesem Resultat geführt, während das operative Ergebnis mit 960'000 Fr. gegenüber dem Vorjahr sogar noch verbessert werden konnte.

Der Verlust wird hauptsächlich durch Reserven gedeckt. Das Jahresprogramm der Flughafen-Events beginnt am kommenden Wochenende mit dem Heli-Weekend, gefolgt vom Freefly-Festival der Fallschirmspringer vom 16. bis 19. Juni, dem Hamilton Akro Cup am 25. Juni und schliesslich dem Modellflugtag am 11. September.