Bettlach
Starker Gegenwind für die Pistenverlängerung

Das CVP-Podium beweist: Der geplante Ausbau des Flughafens sorgt in den umliegenden Gemeinden für grosse Emotionen.

Lucien Fluri
Merken
Drucken
Teilen
Angst vor Lärm und Angst um die Witi-Zone lockten viele Leute nach Bettlach. Hansjörg Sahli

Angst vor Lärm und Angst um die Witi-Zone lockten viele Leute nach Bettlach. Hansjörg Sahli

Solothurner Zeitung

Sogar die Gartenstühle mussten in den Saal gebracht werden. Zum Podium der CVP Bettlach über die Pistenverlängerung kamen viele Einwohner aus Altreu und Selzach, deren Meinung natürlich schon gemacht war.

«So wie es ist, soll es bleiben»: In diesem Satz waren sich zwar beide Seiten einig; die Interpretationen gingen aber weit auseinander. Genauer gesagt lagen 450 Meter Pistenverlängerung dazwischen. Denn um genau so viele Meter soll die bis anhin 1000 Meter lange Piste in die Witi hinein verlängert werden.

Auf der einen Seite standen Flughafendirektor Andreas Wegier und Jürg Möri, Geschäftsführer des Vereins «Pro Regionalflughafen Grenchen». Sie wollen, dass der Flughafen seinen «Status quo» behält. Wenn der Flughafen nicht an Bedeutung verlieren soll, müsse die Piste ausgebaut werden. Dies sei notwendig, weil neue EU-Gesetze nachvollzogen werden müssen,

Auf der Gegenseite engagierten sich «Witi-Sheriff» Viktor Stüdeli und Urs W. Flück, Vorstandsmitglied von Pro Natura Solothurn. «Alles so, wie es ist», bedeutete für sie, gar nicht erst auszubauen und keine Eingriffe im Naturschutzgebiet zuzulassen.

Ist Wachstum gesund oder nicht?

Jürg Möri vertritt die 29 Firmen, die sich zum Verein «Pro Regionalflughafen Grenchen» zusammengeschlossen haben. 6000 Arbeitsplätze im Kanton Solothurn, 40000 in der ganzen Welt, würden diese Unternehmen vertreten. Der Lärm der Flugzeuge beschäftigte das Publikum am meisten. Möri versuchte aufzuzeigen, dass die Geschäftsflugzeuge, für die die Pistenverlängerung geplant ist, nicht für den Lärm verantwortlich sind. Schulungsflüge und Sportfliegerei würden
65 Prozent der Flugbewegungen ausmachen, nur zehn Prozent seien Geschäftsflüge. Diese Argumentation fand beim Publikum kaum Gehör. Auch der drohende Arbeitsplatzabbau überzeugte das Publikum nicht.

Viktor Stüdeli hatte da ein leichteres Spiel, als er das Wachstum generell für ungesund erklärte. Immer weiter, immer mehr, gehe nicht mehr. «In 100 Jahren trauert niemand dem Flughafen nach, aber der Landschaft schon.» Dafür erhielt er Spontanapplaus. «Du gehst auch nicht mehr mit dem Velo nach Zürich», konterte Möri Stüdelis Fortschrittskritik.

Wie dem Publikum ging es Stüdeli vor allem um Altreu: «Die Verlängerung der Piste zielt gerade auf Altreu.» Andreas Wegier versprach eine Entlastung für die Gemeinde: Dank GPS könne man den Flughafen in Zukunft auch von Westen anfliegen. Dagegen stand wiederum, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren ein Ausbau der Flugbewegungen von rund 7000 aktuell auf 10000 pro Jahr geplant ist.

Salamitaktik?

Urs W. Flück fragte, weshalb man ein Gebiet preisgeben soll, das vom Europarat für so schützenswert befunden wurde, dass man sogar die Witi untertunnelte. Dem Flughafen warf er vor, nicht ehrlich gewesen zu sein: Als man das letzte Mal Konzessionen eingegangen sei, habe der Flughafen versichert, es sei die letzte Anpassung. Jetzt sei man schon bei der nächsten. «Betreibt der Flughafen eine Salamitaktik?», fragte Moderator Patrick Furrer vom az Grenchner Tagblatt den Flughafendirektor. Es sei endgültig das letzte Mal, antwortete dieser. Denn laut Vorschriften müsste die Piste sonst so breit werden, dass das Flughafengebäude zuerst weg müsste.

Landeigentümer nicht kontaktiert

Nach einer Stunde erhielt das Publikum die Gelegenheit, seine Meinung zu äussern. Biobauer Daniel Otti aus Oberwil beklagte die Beeinträchtigung der Lebensqualität durch den Fluglärm. Markus Dietschi, Vizepräsident der BDP Kanton Solothurn, argumentierte, dem Wirtschaftsraum Grenchen bringe es mehr, wenn man ein Naherholungsgebiet habe.

«Wenn ein Töfflibub solchen Krach machen würde, würden wir die Polizei rufen», sagte ein älterer Teilnehmer. Er konnte nicht verstehen, weshalb man mit dem Pferd nicht in die Witi darf, während eine Piste hineingebaut werden kann. Grosses Befremden äusserten die anwesenden Landwirte. Es sei äusserst seltsam, dass man über einen Ausbau auf ihrem Land nachdenke, sie aber nie kontaktiert habe. «Wir sind noch nicht in einem rechtsverbindlichen Projekt», erklärte Wegier mehrmals. Urs W. Flück warnte sogleich, man dürfe es gar nie dazu kommen lassen: Denn dann ginge alles nach starren Schemen. Stüdeli forderte gleich eine Volksabstimmung. Dagegen hätte Andreas Wegier nichts: «Jeder muss die Interessenabwägung mit sich selbst ausmachen.» 40 Informationsveranstaltungen hat der Flughafendirektor schon durchgeführt. An den wenigsten dürfte ihm ein so rauer Wind entgegengeblasen haben. «Die Meinungen sind schon gemacht, obwohl es noch keinen Bauplan gibt», zog Enrico Sansoni, Präsident der CVP Bettlach, Bilanz.