In der gemeinsamen Mitteilung Anfang dieser Woche der Städte Biel und Grenchen sowie der neuen Ausrichter des Uhrencups hatte Stadtpräsident François Scheidegger seiner Freude darüber Ausdruck verliehen, dass der Uhrencup wiederbelebt werden soll.

Dass der Grenchner Stadtpräsident eine so positive Haltung einnahm, geriet der SP Grenchen in den falschen Hals und ihr Präsident, Remo Bill, reagierte umgehend. «Es ist der SP der Stadt Grenchen unverständlich, wie der Stadtpräsident, der den Uhrencup als Grenchner Tradition, als Kulturgut unserer Region bezeichnet, im gleichen Atemzug sein offensichtliches Scheitern als Erfolg verkaufen kann», heisst es in einer Medienmitteilung.

Bill hinterfragt denn auch, für welchen Zweck man eine neue Osttribüne gebaut habe, weshalb man extra Westzugänge eingerichtet habe und immer wieder mögliche Synergien für Catering, Duschen, Garderoben und anderes betont habe. «Sicher nicht für den FC Grenchen in der 2. Liga interregional!» Anfang Juli letzten Jahres habe Scheidegger noch gesagt, «dass der Uhrencup zu Grenchen gehöre wie der Eiffelturm zu Paris».

Bill stellt weiter die polemisierende Vermutung an, dass die Stadt wahrscheinlich noch Steuergelder nach Biel transferieren werde, «damit die Politgrössen die Spiele dort geniessen können». Und fragt weiter, wie lange es wohl dauere, bis die Stadt nach den innert Jahresfrist erfolgten Wegzügen der Steuerverwaltung und des Zivilstandsamtes die Chürbisnacht und den Fasnachtsumzug nach auswärts vergebe, weil auch diese Veranstaltungen Geld kosteten. «In zehn Jahren wird das Stadtpräsidium uns wohl eine Fusion mit Solothurn oder Biel vorschlagen, damit noch der Rest der Grenchner Attraktivität verscherbelt werden kann.»

Scheidegger reagiert gelassen auf den Angriff der Genossen: Er sei doch etwas erstaunt über das plötzliche Interesse der SP am Fussball. Dass der Uhrencup seit längerem an verschiedenen Fronten mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, sei hinlänglich bekannt. Die bestehende Fussballinfrastruktur in Grenchen reiche nicht aus, um die Sicherheitsanforderungen eines internationalen Turniers im Format des Uhrencups zu gewährleisten. Die Stadt habe bis zum Wechsel im Stadtpräsidium auch wenig bis gar nichts unternommen.

Im vorgeschlagenen wiederbelebten Uhrencup spiele Grenchen nach wie vor eine wichtige Rolle, denn die Stadt sei immer noch Host-City. Weiterhin werde hier im Rahmen des Uhrencups Fussball gespielt, einerseits beim Uhrencup-Challenge, der zwischen regionalen Fussballclubs aus Uhrenstädten der Region ausgetragen werde, andererseits im Velodrome beim Junioren-Hallenturnier, das ebenfalls im Rahmen des Uhrencups stattfinden soll.

«Die Alternative wäre gewesen, rein gar nichts mehr in Grenchen zu haben», ergänzt Scheidegger. Dass die Veranstalter mit Biel und der neuen Tissot-Arena als Veranstaltungsort liebäugelten, sei schon seit Jahren bekannt.

Die SP lasse den Patienten offensichtlich lieber sterben, als eine Kooperation mit Biel einzugehen. Und doppelt nach: «Und wie war das mit dem erwähnten Wegzug der Veranlagungsbehörde? Der Entscheid erfolgte doch unter SP-Ägide!». Er habe zu retten versucht, was zu retten war, und habe immerhin der Regierung das Versprechen abringen können, in Grenchen auch weiterhin Amtsstellen zu betreiben.

Auch im Gemeinderat ein Thema

SP-Ersatzgemeinderat Markus Neuhaus hatte in einer Interpellation Ende Februar bereits Fragen bezüglich des Uhrencups gestellt: Wieso nicht die Stadt als Veranstalterin des Uhrencups auftrete, sich die Rechte an der Marke «Uhrencup» sichere, eine Neuauflage mit den Grenchner Fussballclubs durchführe und so eine Fusion der vier Clubs fördere?

In der Beantwortung, die kommenden Dienstag dem Gemeinderat vorgebracht wird, schreibt die Stadtverwaltung, dass es klar nicht Aufgabe der Stadt sei, professionelle Fussballturniere durchzuführen. Aber man unterstütze Aktionen von Veranstaltern mit überzeugendem Konzept zur Wiederbelebung des Uhrencups. Eine Übernahme der Marke «Uhrencup» sei eine denkbare Option, die Marke stehe aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht zum Verkauf.

Bezüglich der Zusammenarbeit mit den lokalen Vereinen heisst es in der Beantwortung, dass angesichts der Mühe, welche diese bekundeten, den regulären Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, die ressourcenintensive Organisation eines internationalen und nationalen Turniers nicht realistisch sei. Ein Turnier vom Format des Uhrencups könne nur von einer darauf spezialisierten Sportmarketing-Firma erfolgreich umgesetzt werden.