Am Grenchner Hilari ist es Tradition, dass der Stadtpräsident am 13. Januar von den Fasnächtlern auf originelle Weise aus dem Stadthaus «entfernt» wird. Gestern verlief dies folgendermassen: kurz und sec. Denn wenn die Feuerwehr kommt, wird bekanntlich nicht mehr lange (ab)gefackelt. Und trocken wars auch, nachdem Petrus doch am Vormittag die Schleusen anständig geöffnet hatte, aber für die Fasnacht ein perfekt getimtes Einsehen hatte.

Auf der kurzfristig abgesperrten Storchengasse fanden sich am Sonntag gegen 17 Uhr nach und nach Fasnächtler und fasnächtlich gesinnte Zuschauer ein, um dem Spektakel beizuwohnen. Die Klänge der Hilari-Broders, der Cocoloris, der Schuelschwänzer und der Froschzunft brachten das Volk in Stimmung, wurden aber bald jäh unterbrochen durch ein Martinshorn.

Grenchen: Stapi entflieht der Fasnacht per Feuerwehrdrehleiter

Blaulicht und Guggenmusik vor dem Hôtel de ville.

Die neue Autodrehleiter der Grenchner Feuerwehr hatte diesmal keinen Ernstfall, sondern das Gegenteil. Obernarr Diego Kummer, der nach dieser Saison nach sechs Jahren an der Spitze der Grenchner Fasnacht abgelöst wird, wurde von der Drehleiter in die Höhe gehoben, um sich «auf Augenhöhe» zum Stadtpräsidenten François Scheidegger zu begeben, der am Fenster seines Büros im Hotel de Ville auf fasnächtliche Rettung wartete.

«Ufaufäu» (das heurige Fasnachtsmotto), gehe damit auch sein Bubentraum in Erfüllung bekannte der Obernarr:

«Da Buebetroum isch ufaufäu in Erfüllig gange - würd gärn no länger im Chörbli umehange. Doch liebe Narre s ’isch so wiit, ab hüt isch wider Fasnachtsziit.
«D Füürwehr und ä fähige Isatzleiter mache jetzt s’ Läbe z’Gränche wieder heiter. ... Bis zum Schmutzig Donschti geits no lang, mir Narre näme fangs d’Regierig i d’Hang.»

Somit galt es durch das Bürofenster ins präsidiale Büro hinüberklimmen und vom Stadtpräsidenten die fasnächtlichen Insignien übernehmen. Der Stadtpräsident konnte eine so lange «Ruhepause» offenbar kaum erwarten:

«Bi au froh sit dir ändlich do, wet jetz au emou id Ferie go ... i nimmes ruehig, due m mi nid schiniere, dass d’Narre jetz düei d’Stadt regiere.»

Jetzt war es an ihm, in luftiger Höhe in die Drehleiter mit dem sinnigen Namen «Skywalker» hinüberzuklettern. Dazu wurde er ordentlich mit einem «Gschtältli» gesichert. Das Feuerwehrauto kam übrigens mit montierten Schneeketten angefahren, denn im Hinterkopf musste man trotz Narretei an einen möglichen Ernstfall denken.

«Ig chume ufaufäu»

Nach der fachgerechten Entfernung des Stadtoberhauptes konnte ohne Verzug das letzte Traktandum in Angriff genommen werden: der Apéro, welcher wie immer von der Stadt offeriert wurde. Umrahmt von den Klängen der Guggen konnte man bei (Glüh-)Wein, Tee, Schinkengipfeli oder Früchtebrot erstmals der fünften Jahreszeit entgegenfiebern.

Für Insider war dies übrigens schon am Samstagabend möglich, als die Hilari-Zunft auf dem Marktplatz ihr «Fasnachtsdenkmal» aufstellte. Es fordert die Grenchnerinnen und Grenchner zu einem Commitment für die Fasnacht auf. «Ig chume ufaufäu», heisst es nämlich auf der verspiegelten Stele, auf der man sich per Marker für die Grenchner Fasnacht anmeldet.