Grenchen

Standortsförderungsstrategie «Kompass» wird kaum mehr gedreht

Grenchen soll als Wohnort noch attraktiver werden: Marktplatz während des freitäglichen Wochenmarktes.

Grenchen soll als Wohnort noch attraktiver werden: Marktplatz während des freitäglichen Wochenmarktes.

Die Stadt Grenchen legt dem Gemeinderat 15 Themen zur Stadtentwicklung vor als Konkretisierung der 2018 beschlossenen Stossrichtung.

Die Stadtverwaltung zeigt in einem Papier auf, wie sie die vom Gemeinderat erarbeitete Standortförderungsstrategie «Kompass» in 15 Bereichen umsetzen will. Dem Gemeinderat wird das Papier, das den früheren Businessplan ablösen soll, zur Kenntnis vorgelegt.
Der Gemeinderat hatte letztes Jahr einen «Kompass» als Standortförderungsstrategie für die laufende Legislatur mit externer Unterstützung des Bieler Beraters Thomas Gfeller und unter Einbezug verschiedener Bevölkerungsgruppen erarbeitet. Der Kompass wurde am 30. Oktober 2018 vom Gemeinderat einstimmig verabschiedet und will mit 15 Massnahmen den Wohn- und Wirtschaftsstandort Grenchen stärken. In der Zwischenzeit hat die Stadtverwaltung die operative Umsetzung des Kompasses für die Legislatur 2018–2021 erarbeitet, die der Gemeinderat am Dienstagabend  zustimmend zur Kenntnis nehmen soll.

Landkäufe für Wohnungsbau

Die Stadt will am Standort Munters und Bettlachstrasse ein «attraktives Wohnangebot an guten Lagen» schaffen, ihre Aktivitäten für ein «belebtes Zentrum für Bevölkerung und Gewerbe» weiterführen sowie mit den Mobilitätsprogrammen aus dem laufenden Agglomerationsprogramm und der Ortsplanungsrevision ein «ergänzendes Miteinander der Verkehrsträger» ermöglichen. Das Bildungs- und Tagesbetreuungsangebot soll durch den Ausbau der Tagesstrukturen, der Betreuungsangebote sowie die zweisprachige Klasse (englisch) gestärkt werden. Bei der Freizeitinfrastruktur will die Stadt «Schwerpunkte setzen und diese stärker vermarkten». Konkret wurden kürzlich zwei Landstücke in den erwähnten Wohnzonen erworben.

Ausspielen der Stärken als Wirtschaftsstandort

Dieselbe Landstrategie will man bei der Industrieansiedlung fahren. Die Wirtschaftsförderung unterstützt weiterhin mit Dienstleistungen die Unternehmen in Grenchen in ihrer Entwicklung, damit diese wachsen und sich erneuern können, um langfristig Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Steuereinnahmen zu erhalten und zu schaffen. «Voraussetzung für erfolgreiche Ansiedlungen und Entwicklungen ist eine wirksame Bodenpolitik», heisst es in einer Mitteilung der Wirtschaftsförderung, daher werde die «Sicherung und Bereitstellung strategischer Landreserven» fortgesetzt.

Betreuungsgutschriften angekündigt

Um die Wohnattraktivität der Stadt weiter zu verbessern, will der Gemeinderat gemäss früherem Kompass-Beschluss den Steuerfuss für natürliche Personen in den kommenden sechs Jahren auf den kantonalen Durchschnitt (aktuell: 118%) senken. Diese Steuerausfälle und die mit den Massnahmen verbundenen Investitionen im Umfang von 10 Millionen Franken im Zeitraum von 10 Jahren will der Gemeinderat durch Bevölkerungswachstum und Sparmassnahmen refinanzieren. Bei der Wirtschaftsförderung soll die einzelbetriebliche Förderung auf Start-ups fokussiert und damit reduziert werden.

Mit der Einführung von Betreuungsgutschriften und der Verselbstständigung von Kindertagesstätten will die Stadt eine «effizientere Kinderbetreuung» ermöglichen. Bei der Verwaltung und den Schulen werden «Effizienzpotenziale, idealerweise an einem konzentrierten Standort», ausgeschöpft. Mit der Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes und dem damit verbundenen Ausbau der Bushaltestellen wird die Notwendigkeit einzelner Haltestellen überprüft («Konzentration öV-Angebot»).

Warten auf das «Leuchtturmprojekt»

Begleitet werden die Aktivitäten im Bereich Wohnstandort, Wirtschaftsstandort und Finanzpolitik durch drei übergreifende Massnahmen: Die Task Force «Soziales» wird ab 2020 wiederbelebt und die Positionierung der Stadt wird auf den Schwerpunkt «Leben und Wohnen» ausgerichtet. Im Lauf der Legislatur evaluiert die Stadt zudem ein Leuchtturmprojekt, mit dem die positive Standortentwicklung symbolisch und innovativ inszeniert und ein weiterer Anziehungspunkt geschaffen wird. Dazu werden nach wie vor keine konkreten Angaben gemacht. Im Gespräch ist aber ein Projekt am Zytplatz, das als Installation das für die Uhrenstadt naheliegende Thema «Zeit» aufnehmen soll.

Im Lauf der Projektarbeiten werde man die Umsetzungskosten der Massnahmen den zuständigen Organen zur Genehmigung vorlegen. Das Controlling unterbreitet die Stadt jeweils im Mai dem Gemeinderat. Der bisherige Businessplan wird mit dem Kompass abgelöst.

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