Konzert
Standing Ovation für eine feinfühlige, brillante Umsetzung

Das Frühlingskonzert des Grenchner Stadtorchesters gemeinsam mit der Sopranistin Amelia Scicolone begeisterte.

Nadine Schmid
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Amelia Scicolone und das Stadtorchester Grenchen am Frühlingskonzert im Parktheater.

Amelia Scicolone und das Stadtorchester Grenchen am Frühlingskonzert im Parktheater.

Hansjörg Sahli

Das Stadtorchester präsentierte am Samstag ein erstklassiges Konzert und zeigte eine Glanzleistung. Das Programm der Frühlingsdarbietung war breit gefächert. Neben den ohnehin anspruchsvollen Stücken stellte diese enorme Stück-Vielfalt eine weitere, nicht zu unterschätzende Schwierigkeit dar: Es galt sich jeweils sehr schnell auf das Neue einzustellen. Dies wurde von der gesamten Formation grandios gemeistert.

Zusammen mit Koloratursopranistin Amelia Scicolone und unter der Leitung von Daniel Polentarutti schaffte es das rund vierzigköpfige Orchester das Publikum zweieinhalb Stunden zu fesseln, welches seine Begeisterung in kräftigem Applaus bekundete. Der Anlass wurde moderiert von Christa Vogt.

Ein Hit aus der Barockzeit

Der Konzertabend stand ganz unter dem Stern von Mozart und Händel. Das Orchester spielte virtuos elf Sätze aus den drei Suiten von Händels Wassermusik, darunter die spielerische Ouvertüre und das Adagio, in welchem ein glanzvoll umgesetztes Oboen-Solo eine nachdenkliche Geschichte erzählte. Die Wassermusik gehört zu den absoluten Hits aus der Barockzeit, gesamthaft besteht sie aus 22 Sätzen.

Die ausgewählten Passagen boten verschiedenen Instrumentalsolisten Raum, um Akzente zu setzen. Die Dynamik der Bläser überzeugte auf der ganzen Linie, genauso die feinfühlig umgesetzten Einlagen des Cembalo.

Seit Jean-Philippe Rameau (1683–1764) schaffte es kein Komponist das Ballett so überzeugend in eine Oper einzubinden, wie es Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) im Jahr 1781 bei Idomeneo gelungen ist. Die zwei dargebotenen Stücke aus diesem Genre rissen mit, waren spannungsgeladen und einfach schön.

Konflikte in der Liebe

Georg Friedrich Händel (1685–1759) verfasste ganze 42 Opern. Koloratursopranistin Amelia Scicolone bot je eine Arie aus den Opern «Giulio Cesare» und «Alcina» sowie zwei Konzertarien von Mozart dar. In ganz verschiedenen Stilen ging es hierbei jeweils um die Liebe, die Konflikten ausgesetzt war. So trauerte Kleopatra beispielsweise um den totgeglaubten Caesar, während bei Mozarts Konzertarie «Me speranza adorate» der Abschied zweier Liebenden bevorstand. Scicolone setzte die verschiedenen Figuren gefühlvoll und brillant um.

Jedes Vibrato war auf den Punkt gebracht, ihre Interpretation rein und feinfühlig. In der Arie «Tornami a vagheggiar» (Alcina) tanzte ihre Stimme als Morgana voller Leichtigkeit und virtuos durch die anspruchsvollen Koloraturen. Das Orchester legte gekonnt den roten Teppich für die Grenchner Solistin aus, die einer regen Konzert- und Operntätigkeit nachgeht.

Scicolone stimmte zum Schluss eine für sie bedeutsame Zugabe an: Das Stück «Ombra mai fu» aus Händels Oper Serse widmete sie Padre Pino, dem ehemaligen Pfarrer der italienisch-katholischen Kirchgemeinde Grenchens, der vor zwei Jahren verstorben ist und ihren Gesang als Kind förderte. Die sehr sanfte und leise Darbietung war ein tiefberührender Konzertabschluss.