Giuseppe Mazzini wurde von jenen aufgesucht, die in ihren Ländern ein neues politisches Denken und Handeln erwirken wollten und die von den Ideen Mazzinis begeistert waren. Neben dem, «jungen Italien», der «Jungen Schweiz», dem «Jungen Deutschland» und dem «Jungen Polen» entstand auch ein «Junges Frankreich», geplant waren zudem die Gründung eines «Jungen Ungarn», eines «Jungen Spanien» und gar eines «Jungen Skandinavien».

Über die Mitgliederzahlen berichtet Hans Gustav Keller in seiner Schrift «Das junge Europa» (1938): «Nach einem Bericht der Mainzer Zentralpolizei soll im Sommer 1835 das ‹Junge Italien› aus 86 Klubs bestanden haben, von denen sich 74 Klubs mit 693 Mitgliedern in Italien selbst befänden, und das ‹Junge Deutschland› aus 14 Klubs, die in der Schweiz und Frankreich ihren Sitz hätten und von deren 168 Mitgliedern bloss etwa 30 in Deutschland lebten. Das ‹Junge Polen› habe damals, erfahren wir, 50 Klubs umfasst, wovon 19 Klubs in Polen selber tätig waren. Das ‹Junge Frankreich› bestehe erst aus 14 Klubs, die ‹Junge Schweiz› dagegen zähle 62 Klubs mit 480 Mitgliedern.»

Die damaligen Clubs kann man nicht mit den heutigen Vereinen vergleichen; es waren sehr lose Verbindungen einiger weniger Gleichgesinnter. Die meisten der aktiven Schweizer stammten aus der Westschweiz.

Die einzelnen nationalen Organisationen wurden im «Jungen Europa» zusammengeführt, wo sie sich «frei verbrüderten». Zu den Grundsätzen zählten unter anderen die drei besonders wichtigen: «Freiheit, Gleichheit und Humanität».

Mazzini wollte ein demokratisches, freiheitliches und menschliches Europa. Mit seiner Vision begeisterte Mazzini jene Menschen in Europa, die ein neues und freiheitliches Zusammengehen der Menschen in Europa wollten. Es war das erste Mal in der Geschichte der Menschen in Europas, dass solche Ideen gedacht und verbreitet wurden. – Begann das vereinigte Europa, begann die EU im Bachtelenbad Grenchen?

Einer der Besucher im Bachtelenbad war der deutsche Schriftsteller Gustav Freytag. In seinem berühmten Standardwerk «Bilder aus der deutschen Vergangenheit» nahm er die Geschichte von Karl Mathy «Der Schullehrer von Grenchen» auf. 1968 liess die Allgemeine Konsumgenossenschaft Grenchen», die AKG, diese vergriffene und während des Naziregimes in Deutschland verbotene Geschichte drucken und schenkte sie der Bevölkerung Grenchens.

Die Geschichte des deutschen Asylanten und späteren badensischen Ministerpräsidenten ist heute noch ein Lehrstück gelebter Humanität. Karl Mathy, verfolgt in seiner Heimat, fand als Übersetzer in Biel bei der Schrift «Die junge Schweiz» Arbeit. In Aarau bildete er sich zum Sekundarlehrer aus und erhielt als Protestant im katholischen Grenchen eine Stelle. Seine Schule war hervorragend und legte recht eigentlich jenen notwendigen Grundstein, auf dem das wirtschaftlich erfolgreiche Grenchen erbaut und bis heute weiter entwickelt wird. Grenchen hat den Asylanten des 19. Jahrhunderts viel zu verdanken.

Kultur-Historisches Museum Grenchen: Die Ausstellung 125 Jahre Kinderheim Bachtelen, das 100 Jahre in Grenchen daheim ist, ist seit letzten Donnerstag eröffnet. Öffnungszeiten und weitere Infos: www.museumgrenchen.ch