Bürokratie-Wahn

Stadtpolizist macht die Spassbremse

«Die Polizei benachteiligt das Gewerbe», findet Juwelier Bruno Bertini und Papeteristin Agnes Mülchi.

«Die Polizei benachteiligt das Gewerbe», findet Juwelier Bruno Bertini und Papeteristin Agnes Mülchi.

An der Bettlachstrasse ansässige Gewerbler fühlen sich durch die Polizei unnötig schikaniert und übertrieben schlecht behandelt. Diese wehrt sich.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Grenchner Gewerbler über die Stadtpolizei ärgern. Regelmässig ist zu vernehmen, dass einzelne Polizisten einen herrischen Ton anschlagen oder dass Lieferanten und Arbeiter, die im Zentrum halten müssen, «unnötig» gebüsst werden. Die Gewerbetreibenden fühlen sich benachteiligt. Seit gestern sehen sie sich einmal mehr in ihrer Meinung bestätigt.

Was ist passiert? Am Freitag und Samstag findet an der Bettlachstrasse die Gewerbeaktion «Gemeinsam sind wir stark» statt. Gegen 10 Geschäfte laden ins Festzelt an der Bettlachstrasse ein. Anfang September haben die Organisatoren bei der Polizei ein Gesuch für Zelt und Strassensperre eingereicht, welchem vom Abteilungschef postwendend stattgegeben wurde. Schon im Gesuch erwähnte Verfasserin Agnes Mülchi von der Team Papeterie, dass das Festzelt am 4. November aufgestellt würde, zudem habe sie mehrmals bei der Polizei angerufen. Ärger gab es gestern trotzdem.

Viel Ärger um nichts

Zwar hatte sich die Stadtpolizei bereit erklärt, die Bettlachstrasse ab dem 4. November zu sperren. Als das Zelt dann aufgebaut werden sollte, war davon aber nichts zu sehen. Stattdessen tauchte plötzlich ein Polizist auf. «Sofort alles wieder aufladen und die Strasse freimachen», habe dieser ihn angeschnauzt, erklärt ein Zeltbauer. Juwelier Bruno Bertini und Papeteristin Agnes Mülchi eilten herbei, doch der Polizist blieb stur, erzählen die Augenzeugen. Er befürchtete, mit der Zufahrt für Feuerwehr und Rettungsdienst könnte es Probleme geben. Bertini ersuchte den Stadtpräsidenten um Rat. Dank dessen Hilfe beruhigte sich die Lage etwas, dann kamen Feuerwehr und Rettungsdienst für einen Augenschein vor Ort. Mit dem Ergebnis, alles sei gut. Marcel Schättin vom Rettungsdienst erklärt stellvertretend: «Ich dachte bloss: Wo soll hier das Problem liegen? Schliesslich war das Ganze keine Hauruckübung. Würde die Polizei überall so vorgehen, könnten wir ja bald überhaupt kein Fest mehr durchführen.»

Polizei mache nur ihre Arbeit

Erst mit über einer Stunde Verzögerung konnte mit dem Zeltaufbau begonnen werden. Der Leiter ist verärgert: «Wer bezahlt uns jetzt die verlorene Arbeitszeit?» Die Gewerbler suchen keinen Streit, aber man könne sich nicht alles gefallen lassen. Bruno Bertini: «Wir werden unfair behandelt. Ich glaube, die Polizei hat interne Kommunikationsprobleme.»

Die Gewerbler müssen sich trotzdem einen Vorwurf gefallen lassen. So hätten sie mit dem Zeltaufbaubeginn die Polizei anrufen müssen, doch das wurde gemäss Polizeikommandant Robert Gerber (und entgegen den Aussagen von Agnes Mülchi) versäumt. Man könne es nicht allen recht machen. Gerber verweist darauf, dass sich regelmässig Leute über die Falschparkierer an der Bettlachstrasse beklagten. «Wir machen nur unsere Arbeit. Das bedeutet manchmal, durchzugreifen. So gilt ein Strassenverkehrsgesetz für alle, auch für Lieferanten und Bauarbeiter.»

Agnes Mülchi von der Team Papeterie kontert: «Wir wollen einfach gleich wie alle anderen behandelt werden. Wieso war es beim Baracoa während der Fussball-WM möglich, die Strasse für vier Wochen zu sperren, und bei uns macht man ein Riesenproblem daraus?» Eine schlüssige Antwort darauf hat offenbar keiner.

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