Grenchen
Stadtmarketing ist überlastet, muss aber trotzdem sparen

Die Abteilung Standortmarketing, Kultur und Sport der Stadt Grenchen ist überlastet und muss trotzdem sparen. Die Arbeit der Dienststelle wurde vom Gemeinderat dennoch gelobt.

Andreas Toggweiler
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Solothurner Zeitung

Nach wiederholten Kündigungen verordnete der Stadtpräsident einen Marschhalt in der Abteilung Standortmarketing, Kultur und Sport (SMKS). Umso mehr, als per Ende 2016 auch ein vom Gemeinderat bestellter Bericht über die Tätigkeit dieser städtischen Abteilung fällig war. Dem Gemeinderat wurde dieser jetzt vorgelegt, eine Art Auslegeordnung der Entwicklung bis zur heutigen Ist-Situation. Das Team verfügt über 240 Stellenprozente (wie 2012), von der aber stets rund 30 Prozent nicht besetzt waren.

Und jetzt sind es gar 130 Prozent, nachdem auch der Nachfolger von Silvan Granig noch in der Probezeit gekündigt hatte. «SMKS hat in den letzten Jahren sportlichen Einsatz- und Sparwillen gezeigt und durch bessere Organisation und Fantasie auch den Personalaufwand für die einzelnen Projekte wesentlich gesenkt», heisst es im Bericht. «Das Team war entsprechend immer am Anschlag.»

Heuer keine Sportlerehrung

Generell war und ist praktisch bei allen wichtigeren Anlässen und Projekten auch SMKS involviert: von der Altersehrung über das Lindenhaus über Stadtführungen, von der Nutzungszuweisung für Fussballplätze bis zur GRK-Vorlage zur Bewerbung Grenchens für das Jubiläumsschwingfest - um nur einige zu nennen. Die Wiederbesetzung der vakanten Stelle wird denn auch als dringlich erachtet. Allerdings bestehe ein klarer politischer Auftrag, «die Aufwendungen der Stadt im Freizeit- und Kommunikationsbereich zu überprüfen.»

Namentlich geht es um einfachere Regelungen bei Bewilligungen, Überprüfung der Kommissionen usw. Auch wurde im Bericht erwogen Sportlerehrung Kulturpreisverleihung nicht mehr jährlich, sondern alternierend abzuhalten. Und auch die die Bundesfeier soll abspecken, z. B. kein vergünstigtes Essen mehr anbieten.

Dass dieses Jahr in Grenchen nun keine Sportlerehrung stattfindet, ist bereits Fakt. Dies wurde am Dienstagabend im Rahmen der Gemeinderatssitzung vom Stadtpräsidenten François Scheidegger bekannt gegeben.

Team wird gelobt, aber...

Anlässlich der Behandlung des «Statusberichtes» zu SMKS im Gemeinderat wurde die Tätigkeit des Teams in höchsten Tönen gelobt. Sogar ansonsten eher verwaltungskritische Ratsmitglieder wie Ivo von Büren (SVP) und Nicole Hirt (GLP) stimmten ins Loblied ein. «Der Bericht zeigt einmal auf, was dort alles gemacht wird für die Stadt - und wie viele Leute da auch dreinreden» (von Büren). «Die Leiterin zeigt ein überaus grosses persönliches Engagement für die Stadt, obwohl sie nicht aus Grenchen stammt», so das Kompliment von Hirt an Stadtschreiberin Luzia Meister. Auch Scheidegger räumte ein, dass die Abgänge bei SMKS, insbesondere von Silvan Granig, auch mit Überlastung zusammenhingen. «Er wurde in fast jedes OK delegiert und musste dort noch die Einladungen machen, was ja nun wirklich nicht seine Aufgabe war.»

«Der Bericht per Ende 2016 zeigt, was sich ändert, aber auch, wo wir am Kämpfen sind», kommentierte Meister zu Beginn. «Wir machen beispielsweise viel weniger Eventorganisation als früher, dafür sind wir eine der wenigen Städte mit eigener Facebook-Seite. Man nehme auch den Sparauftrag der Stadt sehr ernst. «Es gibt einiges zu straffen und wir wären um entsprechende Inputs der Politik durchaus froh.»

«Effi de ville» solls richten

Anderseits sprach Hirt auch von einer «Dauerbaustelle» und CVP-Fraktionschef Marco Crivelli äusserte den Eindruck, die Fülle der Tätigkeiten weise darauf hin, dass man «auf der Suche nach einer Aufgabe» sei. SMKS müsse mehr noch als heute nach aussen wirken und nicht mehr als Eventagentur tätig sein. Auch Reto Gasser (FDP) und Angela Kummer (SP) forderten mehr Strategie und eine Priorisierung der Aufgaben.

Wiederholt wurde auch betont, das jetzt gestartete Aufgabenüberprüfungsprogramm «Effi de ville» werde neue Erkenntnisse bringen. Eine externe Firma wurde mit einer Analyse der städtischen Verwaltung (inklusive Schulverwaltung) beauftragt, analog zur inzwischen abgeschlossenen Überprüfung der Strukturen und Aufgaben in der Baudirektion «Effibau».