Grenchner Fest

Stadtführung wirft Auge auf Grenchens 50er-Jahre-Architektur

Stadtführer Xavier Fábregas erläutert stilbildende Elemente der 50er-Jahre-Architektur am Beispiel des ehemaligen Warenhauses Meyer & Söhne.

Stadtführer Xavier Fábregas erläutert stilbildende Elemente der 50er-Jahre-Architektur am Beispiel des ehemaligen Warenhauses Meyer & Söhne.

Eine Stadtführung beleuchtete die für Grenchen so typische 50er-Jahre-Architektur.

Es sind erst einmal ganz neue Bauten, die den Blick von rund 20 Interessierten am Ausgangspunkt der architektonischen Innenstadtführung unter dem Stadtdach verstellen. Es hämmert und bohrt. Der Bühnen- und Zeltaufbau zum Grenchner Fest ist in vollem Gang.

Die Veranstaltung steht bekanntlich unter dem Motto «Back to the Fifties» und gab dem Kultur-Historischen Museum Grenchen Anlass zur Organisation verschiedener Führungen zu dem für Grenchen so prägenden Jahrzehnt.

Der Fokus von Stadtführer Xavier Fábregas liegt an diesem sonnigen Spätsommerabend auf der Architektur der 50er-Jahre-Bauten und den damit einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen.

Wohnungsnot, Wachstum und Wohlstand

Rasch wird klar, weshalb der Marktplatz als Ausgangspunkt der Führung gewählt wurde. Wo heute das Restaurant Passage ausschenkt und das Modegeschäft Sergio seine Kleider feilbietet, standen vor rund 60 Jahren Filialen von Migros und Coop bzw. Konsum, die damals erstmals offene Verkaufsflächen präsentierten. Wie Fábregas ausführt, stiess diese neue Form des Einkaufens jedoch auf Skepsis, war man es sich doch gewohnt, seine Kommissionen an der Verkaufstheke zu ordern und nicht diese selbstständig in den Einkaufskorb zu legen.

Grenchens Jugend indes machte sich einen Spass daraus, die neuen elektrischen Schiebetüren ausgiebig zu testen, ganz zum Missfallen des im Durchzug sitzenden Verkaufspersonals.

Die ansässige Industrie florierte, Wohlstand und Bevölkerungszahl zogen rasch an. Die Folge war akute Wohnungsnot. Die Behörden suchten nach Lösungen und fanden diese auch in Wohnbaugenossenschaften, die auf günstig zur Verfügung gestelltem Boden Wohnhäuser raufzogen. Am Marktplatz entstand das Sorag-Hochhaus. Mit elf Geschossen war das 35 Meter hohe Gebäude eines der ersten Hochhäuser der Schweiz.

Nach wie vor ein Blickfang, ist es anhand stilbildender Elemente wie dem filigranen Flugdach und den teilweise zurückgesetzten Verkaufsfronten im Erdgeschoss gut der 50er-Jahre-Architektur zuzuordnen. Ähnlich das an der Marktgasse gegenüberliegende Nivada-Haus oder der auf der anderen Seite des Marktplatzes an der Rainstrasse stehende Luterbacherhof, der insbesondere mit seinen in rötlichen Tönen eingefassten zurückgestaffelten Fensterfronten besticht.

Zeitreise in eine stilechte 50er-Wohnung

Nach einem Abstecher zum ehemaligen Warenhaus Meyer & Söhne an der Löwenkreuzung führt Fábregas die Gruppe zum Haus des Schweizerischen Bankvereins, in dem heute die Regiobank eine Filiale unterhält. Die Gruppe ordnet das Haus bereits im Anmarsch der soeben lehrreich erfahrenen Epoche zu.

Ihr Ende findet die Führung im Kultur-Historischen Museum in einer nachgestellten 50er-Jahre-Wohnung mit stilechter Möblierung, Originalzeitschriften und viel Wissenswertem. Während des Grenchner Festes gibt es am Samstag und Sonntag darin jeweils um 15 Uhr eine Führung zum Thema «Wohnen in den 50er-Jahren».

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