STADTBUMMEL
Neue Corona-Variante – neues Mischen der Karten

Bei den aktuellen Fallzahlen hat Grenchen verglichen mit Solothurn die Nase ganz leicht vorn, will heissen: es stecken sich etwas weniger Menschen an. Oder wird nur weniger getestet? Wie auch immer: Es lohnt sich nach wie vor, die einfachsten Regeln einzuhalten, ist der Stadtbummler überzeugt.

Oliver Menge
Oliver Menge
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Die Maske an Veranstaltungen, wie hier die Grenchner Altersehrung, gehört seit fast eineinhalb Jahren einfach dazu.

Die Maske an Veranstaltungen, wie hier die Grenchner Altersehrung, gehört seit fast eineinhalb Jahren einfach dazu.

Oliver Menge

«Das Land ist gespalten», hiess es noch vor wenigen Wochen vor allem in den sozialen Medien. Geimpfte beschimpften Ungeimpfte als Egoisten und Verräter an der Gesellschaft, umgekehrt wurden Impfbefürworter als Schlafschafe und gefügige Helfer der neuen Diktatur bezeichnet. Die einen vertrauen der Wissenschaft, die anderen misstrauen jeder Statistik und berufen sich auf Informationen, die irgendwo im Internet zu finden sind. Der Krach kumulierte in manchen Familien grade erst vor kurzem über die Feiertage, jetzt spreche man nicht mal mehr miteinander, erzählte mir erst kürzlich ein befreundetes Grenchner Paar.

Tatsächlich kann man Ungeimpfte bis jetzt für die Überlastung der Spitäler, insbesondere der Intensivstationen verantwortlich bezeichnen, machen sie doch den überwiegenden Anteil der Patienten dort aus - um die 80 Prozent, wie man in dieser Zeitung lesen konnte. Grad im Kanton Solothurn eine blöde Sache, sind doch die IPS-Betten in den letzten Tagen voller als voll und Patientinnen und Patienten müssen in andere Kantone verlegt werden.

Mit «Omikron» werden die Karten aber neu gemischt. Eine Zweifach-Impfung reicht schon mal nicht, um vor einem schweren Verlauf zu schützen. Da braucht es dann schon den Booster. Und auch der kann eine Ansteckung nicht verhindern, wie man weiss. Die Zahlen sind deutlich: Am Donnerstag erreichten sie das Allzeithoch von 32’239 Fällen schweizweit innerhalb von 24 Stunden, Tendenz steigend. Mit so hohen Fallzahlen rechnete man frühestens Ende Februar.

Omikron verteilt die Verantwortung wieder neu. Zu jenen, die sich schon zu Beginn der Pandemie nicht an die einfachsten Regeln von Maske tragen, Kontakte minimieren, Abstand wahren und Hygienemassnahmen hielten. Und es noch immer nicht tun, egal ob mit oder ohne Impfung.

Jene, die mir im Laden in den Nacken atmen und auf die Füsse stehen, bloss ihr Kinn mit der Maske schützen und im ÖV ohne Mund-Nasenschutz unterwegs sind. Jene, die mir zu sehr auf die Pelle rücken und mächtig auf den Geist gehen.

Sie fragen sich, liebe Leserin, lieber Leser, was hat das mit Grenchen zu tun? Was hat das in einem Stadtbummel verloren? Nun, Solothurn hatte von Mittwoch auf Donnerstag 56 neue Fälle, Grenchen «nur» deren 40. Gestern war das Verhältnis 46 zu 35, Grenchen hat die Nase immer noch vorn. Moralpredigten scheinen hier auf fruchtbaren Boden zu fallen, könnte man meinen ... Oder wird hier bloss weniger getestet?

So oder so: Danke fürs Einhalten der Regeln! Denn nur wenn dieses Virus weniger zirkuliert, können wir eventuell wieder auf einen normalen Sommer hoffen, mit Badiplausch, Konzerten, gemütlichem Beisammensein an Veranstaltungen. Mit einem Grenchner Fest oder dem Rock am Märetplatz, der Jodlerchilbi oder 1. Augustfeier, ohne Maske und ohne Zertifikatspflicht. Mit gemütlichem Feierabendbier im Baracoa oder Grenchner Hof, ohne den Ausweis oder das Testresultat zeigen zu müssen.

Überhaupt: Erst dann werden wir wieder feiern und uns austauschen können, aber auch diskutieren, gemeinsam an Projekten von Angesicht zu Angesicht und nicht über Zoom, Teams oder Facetime arbeiten müssen. Locker und gelöst am Freitag über den Markt schlendern - und vielleicht ist dann auch nicht mehr Corona das Hauptthema beim Smalltalk beim anschliessenden Kafi im Passage.

Dafür braucht’s noch etwas Durchhaltewillen, eine oder zwei Impfungen vielleicht. Sei’s drum. Irgendwann ist der Spuk vorbei und nicht mehr als eine böse Erinnerung. Wir haben es selber in der Hand.