Stadtbummel Grenchen
Von der Auto- zur Velostadt?

Grenchen erhielt in den Achtziger Jahren den Ruf der Autostadt. Wie lange, bis wir zur Velostadt werden? Denn die Voraussetzungen wären vorhanden. Und ja: Corona-Selbsttests sind nicht ganz ohne ...

Roger Rossier
Roger Rossier
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Grenchen könnte zur Velostadt werden (Symbolbild).

Grenchen könnte zur Velostadt werden (Symbolbild).

Arthur Gamsa

Am vergangenen Dienstag machte Grenchen schweizweit Schlagzeilen. Im Feuerwehrgebäude wurde das erste Drive-in für Corona Impfungen der Schweiz eröffnet. Mit diesem aus USA und England abgekupferten Angebot verfolgt man das Ziel, vor allem arbeitstätige Personen zu erreichen. Sieht man die nach der Impfung entlang der Kirchstrasse stehenden Autos mit den frisch geimpften Fahrzeuglenkern, wird das Angebot offensichtlich rege benutzt. Die Medien berichteten ausführlich darüber. Dürfen wir uns darüber freuen oder wurde durch dieses Drive-in-Impfzentrum Grenchen nur seinem Ruf, eine Autostadt zu sein, gerecht? Einen Ruf, den wir in den Achtzigerjahren erlangten, weil damals auch in der Uhrenstadt die Autopartei Gewicht hatte und Gemeinde- wie Kantonsräte stellte.

Eigentlich sind wir eine Velostadt. Wir besitzen mit dem Tissot Velodrome das Nationalstadion des Schweizer Radsports. Auf einer der weltweit grössten BMX- und Pumptrackanlage können ambitionierte Radfahrer Geschicklichkeit und Koordination trainieren. In unserem Wald finden versierte Biker anspruchsvolle Trainingsstrecken. Trotz Fahrradboom während der Coronakrise, das Image Velostadt Grenchen will nicht so richtig greifen. Bereits vor über dreissig Jahren erarbeitete der damalige Stadtplaner Werner Brüesch ein ausgeklügeltes Fahrradkonzept für Grenchen. Bis auf ein paar mit gelber Farbe versehenen Radstreifen wurde leider wenig davon umgesetzt. Wir dürfen gespannt sein, ob der neue Gemeinderat der unendlichen Geschichte eine neue, gute Wende geben wird. Eine Motion für ein neues Velokonzept wurde bereits vor einem Jahr erheblich erklärt.

Wissen Sie, was vorgefüllte Extraktionspufferbehälter mit Röhrchen sind? Ich erfuhr es, als ich mich nach einer leichten Erkältung mit dem Corona Schnelltest für zu Hause beschäftigte. Vielleicht gehören Sie auch zu den Menschen, die aus Prinzip keine Bedienungsanleitungen lesen und darauf erst zurückgreifen, wenn es nicht anders geht? Beim Schnelltest geht es nicht ohne Wegleitung und Erklärvideo. Im Gegenteil: Für die Durchführung des «Rapid Antigen Test Nasal» benötigt man zusätzlich eine gewissen Zahlenaffinität.

Als erstes, müssen Teststreifen und Reagenzien auf Arbeitstemperatur (15 -30 Grad) gebracht werden. Der sterile Abstrichtupfer muss in beiden Nasenlöchern jeweils zwei Zentimeter tief und parallel zum Gaumen Richtung Rachen eingeführt werden. Wenn Sie jetzt noch nicht niesen müssen, sollten Sie den Tupfer viermal, insgesamt 15 Sekunden lang gegen die Naseninnenseite drehen. Sobald Sie den Abstrichtupfer in das Röhrchen mit Extraktionspuffer eingeführt haben, müssen Sie den Tupfer zehnmal hin und her drehen.

Abschliessend müssen Sie aus Ihrem Röhrchen, das vertikal über das rund markierte Feld des Teststreifens stehen muss, genau vier Tropfen rausdrücken und gleichzeitig das rund markierte Feld des Teststreifens treffen. Bei mir kamen gefühlte hundert Tropfen raus, so dass ich den Test wiederholen musste. Wobei, beim Warten auf das Testergebnis (15 Minuten) las ich in der Wegleitung, dass der Test auch bei fünf Tropfen noch gültig wäre...

Zum Thema Drive-in-Impfungen hätte ich noch folgenden, nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag: Sollte das nächste Mal die Feuerwehr nicht mithelfen, könnte man vielleicht McDonald für die Impfaktion gewinnen. Die Infrastruktur wäre vorhanden. Als kleines Geschenk erhielte jede impfwillige Person nach dem Stich in den Oberarm einen Burger. Das würde die Impfbereitschaft sicher noch steigern.