Stadtbummel Grenchen
On parle Français, n’est-ce pas? Welsche Frühlingsfreuden!

Die Stadtbummlerin erforscht ihr Verhältnis zur französischen Sprache – und zum «Grenchnerisch».

Claudia Dahinden
Claudia Dahinden
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Hôtel de ville, heisst das Grenchner Stadthaus.

Hôtel de ville, heisst das Grenchner Stadthaus.

Hanspeter Bärtschi

Langsam setzen sich die Kräfte der Natur, die der Bummlerkollege kürzlich besungen hat, durch: Es wird immer grüner, nicht nur in der Kantonalpolitik. Und auch ökonomische Lichtblicke stehen an. Im gestrigen Tagblatt wusste Wirtschaftsförderin Susanne Sahli zu berichten, dass französische Grosskonzerne auf ihrer Suche nach Technologiepartnern und Zulieferern ein Auge auf Grenchen geworfen hätten. Dafür sei die Stadt aufgrund der Nähe zur Sprachgrenze ja geradezu prädestiniert.

Dieser Hinweis hat bei mir ein leises Schuldgefühl ausgelöst, bin ich doch des Französischen nur begrenzt mächtig. Das war um einiges besser, als ich noch im Heeresstab gearbeitet habe: Dort traf ich auf viele welsche Stern- und Streifenträger und musste meine Fähigkeiten steigern, um das Telefon vom Herrn Divisionär betreuen zu können. Nebenbei lernte ich allerlei charmante Ausdrücke kennen; zum Beispiel «en avoir ras le bol». «Bol» bedeutet Schale, und «ras» heisst so viel wie «randvoll», fast wie in «Du füllst mir den Becher bis zum Rand». Das heisst es auch, aber im negativen Sinn: Gemeint ist, die Schnauze voll zu haben; ein Gefühl, das wir seit Corona nur zu gut kennen. Die Steigerung dieses Gefühls habe ich vom gleichen welschen Kameraden gelernt. Sie heisst «Je m’en fous!», salopp übersetzt: Das geht mir zehn Kilometer am Allerwertesten vorbei.

Vielleicht sollten wir im Hinblick auf die mögliche Ansiedlung französischer Firmen und aus Respekt vor unserem Erbe ein paar alte Grenchner Ausdrücke wiederbeleben? Ich denke dabei an das «Gänggi» und das «Gelerettli». Mit dem ersten, das sich von «Quinquet» ableitet, haben die Uhrmacher ihren Arbeitsplatz beleuchtet, und auf das zweite blickte der noble Herr, wenn er sich die Frage «Quelle heure est-il?» stellte. Formidable, nest-ce-pas?

Sicher dürfen wir uns vom welschen Optimismus und der Lebensfreude unserer französischsprachigen Nachbarn inspirieren lassen. Nehmen wir uns ein Beispiel am einstigen «Chef Heer» Jacques Dousse, der seiner Sekretärin bei Feuer im Dach zu sagen pflegte: «Madame, on va trouver une solution!» Ja, es wird besser: Zwar dominieren in der Eventliste auf der Grenchner Website momentan noch die Abgesagt- und Verschoben-Hinweise, aber wer weiss? Vielleicht kann Andy Borg am 1. Mai die Schlagerfans im Luxory erfreuen. Und wer schon jetzt die Kraft der Natur mit musikalischen Freuden für die Seele verbinden will, kann jeden Sonntagnachmittag nach Staad pilgern und am Vieri in der Niklaus-Kapelle den «Lichtblick» geniessen, den die römisch-katholische Pfarrei mit anderen Kirchen der Region durchführt. In den Worten nicht eines Dreisterne-Generals, sondern in denen meines liebsten Doctor Who: «Allons-y!»