Stadtbummel Grenchen
Gefragter Marktplatz, Crime City und alte Lesegewohnheiten

Der Stadtbummler outet sich als Filmfan.

André Weyermann
André Weyermann
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Openair Kino Roadside, kurz vor dem Regen.

Openair Kino Roadside, kurz vor dem Regen.

Hansjörg Sahli

Da sage noch eine(r), auf und um den Marktplatz sei nichts los. Jetzig am späteren Abend jedenfalls haben Kulturbeflissene die Qual der Wahl. Während im Rahmen von «Rock am Märetplatz» um 20.00 Uhr der Seeländer Rockbarde George praktisch einen Heimauftritt hat, treibt nur einen Steinwurf davon entfernt der grandiose Joaquin Phoenix im fernen Gotham City als «Joker» sein Unwesen (Open Air-Kino Roadside, Rainstrasse). Der Bummler zählt darauf, dass der aufregende Bösewicht nach getaner Leinwand-Arbeit nicht auf dumme Gedanken kommt.

Leider haben die engagierten Initiantinnen und Initianten des Kinospektakels bisher ausgesprochenes Wetterpech gehabt. Es ist wohl im Sinne vieler Grenchnerinnen und Grenchner, wenn der Schreibende einen dringenden Aufruf an den Sommer richtet, sein lächerliches Versteckspiel nun endlich aufzugeben.

Gotham City wird bekanntlich auch als «Crime City» bezeichnet. Die US-Amerikaner bekommen jetzt aber von uns ordentlich Konkurrenz, denn mit dem 1. Schweizer Krimifestival (17/18. September) und dem Standort des Krimiarchives wird Grenchen zur literarischen Anlaufstelle eines Genres, das lange genug vom «offiziellen» Literaturbetrieb geschnitten wurde, in den letzten 20 Jahrzehnten aber so richtig aufblühte.

Der Bummler hat sich schon im Kindesalter für die spannenden Geschichten interessiert und insbesondere die Bücher von Enid Blyton geradezu verschlungen. Danach waren zuerst einmal die Klassiker wie die beiden «Friedrichschen» Schweizer (Glauser und Dürrenmatt) samt Verfilmungen an der Reihe.

Wenn wir schon bei Literatur und Film sind: Dürrenmatts «Versprechen» hat es nämlich bis nach Hollywood geschafft. «The Pledge» (2001) spielt in Nevada und ist hervorragend besetzt mit Jack Nicholson in der Hauptrolle (dazu Vanessa Redgrave, Benicio del Toro oder Mickey Rourke). Regie führte der auch als Schauspieler umwerfende Sean Penn: unbedingt einmal anschauen. Des Bummlers Reise in Sachen Krimis führte ihn an verschiedene Destinationen. Er schlemmte mit den Südländern (Andrea Camilleri, Manuel Vázquez Montalbán), staunte ob der Trinkfestigkeit so mancher englischer Ermittlerinnen und Ermittler (Hercule Poirot und Jane Marple ausgenommen) oder schaute in die Abgründe der mystischen, nordischen Erzählungen (Håkan Nesser, Henning Mankel, Maj Sjöwall und Per Wahlöö).

Allein, die lebhafte Schweizer Szene ist bis auf wenige Ausnahmen an mir vorbeigerauscht. Versprochen: Ab September wird sich dies ändern.

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