Stadtbummel Grenchen
Erwacht aus dem behördlichen Zwangskoma

Die Beizen im Stadtzentrum sind erwacht und leben - noch. Und die UBS wurde verkauft, aber nicht wie Sie meinen.

Andreas Toggweiler
Andreas Toggweiler
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Das UBS-Gebäude am Marktplatz wurde verkauft.

Das UBS-Gebäude am Marktplatz wurde verkauft.

Andreas Toggweiler

Baracoa - check, Centro - check, Passage - check, Krebs - check, Bambi - check! Im Lauf der Woche wurden die lebenserhaltenden Systeme der Terrassenbeizen im Stadtzentrum wieder hochgefahren. Hier scheint das Erwachen aus dem behördlichen Zwangskoma funktioniert zu haben, was eine gute Nachricht ist. Doch die Restaurants hängen bis auf weiteres am Tropf des schönen Wetters. Das tut Petrus wohl den Wirten zuliebe, denn sie können ja nur draussen geschäften.

Die Natur und die Landwirtschaft hingegen könnten wohl allmählich wieder etwas Feuchte vertragen. Sonst geht es den Pflanzen wie dem Reitartikel-Shop an der Marktstrasse. Das Schaufenster bleibt dunkel, der Laden scheint schon wieder abgehalftert zu haben. Das zeigt: Ein neues Business zu beginnen ist heutzutage unsicherer denn je.

Etwa wie eine Auslandreise. Wer sich als Individualreisender schlau machen will, wie die Verhältnisse nur schon in einem Nachbarland sind, verstrickt sich rasch in den Tiefen des Internets, wo irgendwelche alarmistisch aufgestellten behördlichen «Infoseiten» zwar nicht informieren, aber von nahezu allem abraten, was einem reiselustigen Zeitgenossen in den Sinn kommen könnte. Da bleiben wir tatsächlich lieber in Grenchen und verfolgen das hiesige Geschehen.

Denn auch hinter den Fassaden ohne Glas oder Tischen davor ist einiges im tun. So wurde beispielsweise die UBS verkauft. Natürlich nicht die Bank - obwohl auch das heutzutage gar nicht mehr so undenkbar wäre. Aber immerhin das Bankgebäude am Marktplatz. Die Bankfiliale bleibt zum Glück erhalten, mietet sich jedoch im ehemals eigenen Gebäude ein. Immobilienstrategie nennt man das.

Zugeschlagen hat die innerschweizer Firma, welche bereits vor einigen Jahren das EPA-Gebäude kaufte, aufpeppte und dann weiterverkaufte. Hoffen wir, dass es ihr gelingt, die jahrelangen Leerstände in den oberen Geschossen der UBS besser zu vermarkten. Die Konkurrenz im Stadtzentrum ist inzwischen ziemlich gross. Stichwort «Refresh.Grenchen», wie sich das ehemalige und komplettrenovierte ehemalige Tropi-Gebäude nunmehr nennt. Dort ist an der Seite Bachstrasse bereits ein kleiner Lebensmittelladen eingezogen, wo es feine Spezialitäten aus Italien und Kaffee aus Peru gibt. Ihm wünschen wir ein längeres Leben als dem Rösseler-Shop.

Apropos Leerstand: Vielleicht kommt die Credit Suisse, deren ehemaliges Schaltergebäude gegenüber der UBS auch schon lange brach liegt, ebenfalls noch auf die Idee zu verkaufen. Da hätte allerdings Dagobert Cahannes was dagegen. Zumindest, bis der Grenchner TV-Jass im Sommer 2022 vorüber ist. Denn dort sollen ja die Garderoben für die Fernsehsendung hinkommen. Nach der Ausstrahlung ist Grenchen ohnehin so berühmt, dass sich die leeren Lokale von selbst füllen.

So heisst jetzt das ehemalige «Tropi»-Gebäude.

So heisst jetzt das ehemalige «Tropi»-Gebäude.

Andreas Toggweiler

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