Stadtbummel
Die ideale Jahreszeit für einen Spaziergang

Das schöne Herbstwetter der letzten Tage lud ein, die schönen Seiten der Natur zu erleben. Und es bleibt noch ein paar Tage schön, heisst es.

Oliver Menge
Oliver Menge
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Morgendliche Herbststimmung in der Grenchner Witi.

Morgendliche Herbststimmung in der Grenchner Witi.

Oliver Menge

Im Sommer ist es oft zu heiss - oder zu nass, im Frühling hat man keine Zeit, weil es viel zu viel im Garten oder auf dem Balkon zu tun gibt. Im Winter ist es - wenigstens dem Stadtbummler - zu kalt und zu pflotschig. Der Herbst aber, der hat es so in sich: Schon nur der Farben wegen: Keine andere Jahreszeit bietet eine solche Farbenpracht, wie der Herbst. Im Frühling herrscht Grün vor. Im Sommer sind gerademal die Blumen farbig - und die Sommerkleider. Im Winter erübrigt sich die Frage. Grau, grau und nochmals grau. Sogar der Schnee ist meist nach kurzer Zeit in den Strassen grau. Der Herbst aber, wenn die Blätter und Wälder sich verfärben, das ist die Jahreszeit des Stadtbummlers.

Das Licht ist auch für den Fotografen ideal, den ganzen Tag, so lang die Sonne scheint. Weil sie steht tief und betont die Farben so richtig. Wirft lange und interessante Schatten. Ideal auch für Architekturfotografie, sogar im Innern der Gebäude, weil das Licht viel eher einen Weg durch die Fenster findet als im Sommer, wenn die Sonne fast senkrecht über den Häusern steht.

Die ideale Zeit auch, um früh aufzustehen und den Sonnenaufgang in der Witi zu beobachten. Denn zum Glück ist «früh» nicht mehr so früh, wie noch vor zwei, drei Monaten. Wenn man Glück hat, wabern nur feine Nebelschwaden über die Ebene, über Wiesen und Felder. Vielleicht wills der Zufall und man entdeckt einen der zahlreichen Hasen, der vor dem Zubettgehen noch ein feines Gräschen nascht.

Sonnenaufgang im Nebel.

Sonnenaufgang im Nebel.

Edgar Bridevaux

Im fahlen Licht des Morgengrauens erscheinen die Bäume und Sträucher als schemenhafte Figuren. Wenn die Sonne dann aufgeht, ein feurig roter Ball über dem Buechibärg - je später im Jahr desto weiter südlich - und die ersten Sonnenstrahlen den Nebel küssen, verwandeln sich die Schwaden in Geister. Und wäre die Witi nicht ein noch relativ junges Naturschutzgebiet und noch immer Sumpfland, das regelmässig überschwemmt wird, gäbe es sicher altüberlieferte Geschichten von verschwundenen Bauerstöchtern, die dazu verflucht wurden, als Geister über dem Moor und Sumpf herumzuwandern, bis sie von irgendeinem guten Menschen erlöst werden, der es schafft, den Bann zu brechen. Erlöst werden sie heutzutage allerspätestens, wenn die Sonne an Kraft gewinnt und den Nebel auflöst.

«Irgendwie erinnert mich diese Kolbenente an den Ex-Präsidenten der USA», schrieb die Fotografin zu ihrem Bild.

«Irgendwie erinnert mich diese Kolbenente an den Ex-Präsidenten der USA», schrieb die Fotografin zu ihrem Bild.

Nadja Perola

Unten an der Aare sind auch die Kolbenenten erwacht. In den letzten Tagen sind sie zu Hunderten in die Region eingeflogen. Die zierlichen Enten mit dem rotbraunen Wuschelkopf fühlen sich bei uns sehr wohl, weil die Wasserqualität so super sei, heisst es bei der Vogelwarte Sempach. Das UW-Gras (Unterwassergras) gedeihe hier besonders gut am Jurasüdfuss. Noch vor ein paar Jahren waren die rein vegetarischen Enten seltene Gäste. Mittlerweile haben sich etliche Paare sogar hier niedergelassen. Man sieht: neue Modetrends - oder gesunde und umweltbewusste Ernährung - scheinen sich langsam aber sicher durchzusetzen.

Auf dem Spaziergang entlang der Aare von Staad bis zur Archbrücke kann man auch andere Wasservögel beobachten, vielleicht sieht man sogar noch einen verspäteten Biber, bevor er seinen Bau aufsucht, in dem er als nachtaktives Tier gewöhnlich den Tag verbringt. Oder muss man das Tier heutzutage gendergerecht «Biber oder Biberin» nennen? Oder vielleicht «Bibernde»?

Der Biber ist vorsichtig, taucht bei der geringsten möglichen Gefahr gleich wieder ab.

Der Biber ist vorsichtig, taucht bei der geringsten möglichen Gefahr gleich wieder ab.

Pixabay / Anzeiger Bezirk Affoltern

Niedergelassen hat sich das Tier - bleiben wir beim Neutrum - aber schon im Witibach, der sich so frisch renaturiert ganz prächtig präsentiert. Im unteren Teil gebe es sogar Fische, liess sich der Stadtbummler sagen, aber da kann man ja wegen dem Flugverkehr nicht einfach durchlatschen, um nachzuschauen.

Apropos Flugverkehr: Die DC 3 von Hugo Mathys macht sich wirklich gut vor dem Tower am Flughafen. Ein Sujet, das gerade bei der tiefstehenden Sonne auf Fotos besonders gut rüberkommt. Aber das nur nebenbei. Sie steht ja auch nicht immer da: Kürzlich hat jemand seinen 60. Geburtstag gefeiert und wurde zu einem kleinen Rundflug mit der altehrwürdigen Verkehrsmaschine eingeladen. Ein Hopser über die Alpen nach Lugano und zurück. Der Stadtbummler feiert übrigens auch bald einen Runden, für den Fall...

Spass beiseite. Wer den Herbst so richtig geniessen will, der muss selbstverständlich auch in den Wald. Etwas Laub liegt schon am Boden, aber die Bäume sind noch nicht ganz kahl. Auch hier lassen sich übrigens wunderschöne Fotos schiessen, wenn die Sonne durch die Bäume bricht. Rotgelb-verfärbte Blätter im Gegenlicht richtig belichten, sodass die Farben noch zu sehen sind trotz der Sonnenstrahlen - das ist hohe Kunst. Und vielleicht begegnet man auch einem Reh; die flüchten jetzt, wo die Jagdsaison ihren Höhepunkt erreicht, nämlich bestimmt dorthin, wo so Harmlos-Spaziergänger sich auch bewegen. Kein Jäger schiesst auf Wanderer, sollte man meinen!

Herbststimmung.

Herbststimmung.

Severin Bigler

Und wenns kein Reh ist, dann findet man vielleicht Pilze. Die heurige Saison sei ausgezeichnet, aber auch schon etwas vorbei, heisst es. Aber bitte nicht einfach nur Pilze sammeln, ohne zu wissen, was man da gefunden hat, liebe Leserin, lieber Leser. Wenn man wenig Ahnung hat, sollte man seinen Fund unbedingt durch einen Fachmann kontrollieren lassen. Die Bauchschmerzen sind wirklich übel!

Unterwegs im Wald von Kestenholz.

Unterwegs im Wald von Kestenholz.

Patrick Luethy

Der Bummler hält es anders mit den Pilzen: Die kauft er lieber im Laden, denn sie passen ausgezeichnet zu Wild. Die Pilze im Wald, die fotografiert er bloss. Denn auch dort lassen sie sich jetzt wunderbar arrangieren im farbigen Laub.

Und sollte sich wider Erwarten hartnäckiger Hochnebel festsetzen: Nichts wie los auf die Grenchenberge, mit einer wunderbaren Sicht übers Nebelmeer bis zu den Alpen. Nach einem ausgedehnten Spaziergang entlang der Wandfluh und zurück darf man sich davon überzeugen, dass Vreni Schneiders selbstgemachte Crèmeschnitten tatsächlich die Besten sind weit und breit.

Samstag und Sonntag soll es schön werden. Den Stadtbummler findet man also entweder im oder über dem Nebel, am Wasser oder im Wald. Oder in der Küche, denn vielleicht hat er im Lebensmittelgeschäft Pilze und Rehschnitzel eingekauft..

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