Bei der Benennung beziehungsweise Umbenennung von Strassen fühlen sich die Einwohner unserer Stadt betroffen, vor allem natürlich, wenn es um «ihre» Strasse geht. Exemplarisch geschehen beim Versuch, die Schlachthausstrasse umzubenennen. Die Behörden hatten, wohl in weiser Voraussicht, die Anwohnenden dazu befragt. Das Verdikt war klar: Sie wollten ihren Strassennamen behalten. Die geplante Léon Breitling-Strasse wurde nun an einem anderen Ort realisiert (ehemals Unterführungsstrasse). Soll man einem Nicht-Grenchner diese Ehre zukommen lassen? Der Gemeinderat hat klar ja dazu gesagt.

Der Bummler hat sich über den Stadtplan gebeugt und entdeckte erstaunlich viele Strassen, die nach Personen, heimische und auswärtige, bekannte und weniger bekannte, benannt sind: So findet man die beiden Heldinnen während des Franzoseneinfalls, Elisabeth Frei und Maria Schürer, die Uhrenpioniere Schild-Rust (ETA, Eterna) und Schild-Hugi (ASSA), den Uhrenpatron Arnold Baumgartner, dessen Nachfolger die «Baumi» allerdings herunterwirtschafteten, die Familie Girard, liberale Vordenker und Betreiber des Bachtelenbades, den Lehrer und Historiker Werner Strub, dessen Grenchner Geschichte lange als Standardwerk galt, oder die beiden sozialdemokratischen Stadtammänner Adolf Furrer und Robert Luterbacher. Sie alle dürften mehr oder weniger bekannt sein. Wie steht es aber mit Hesso und Bertha? Sie waren Burgherren von Grenchen im 12. und 13. Jahrhundert und entstammten wohl altem burgundischen Adel.

Bei den ausländischen und auswärtigen Personen finden sich so illustre Namen wie die Reformatoren Zwingli oder Calvin, die Revolutionäre Mazzini, Ruffini oder Karl Mathy, der Maler Albert Anker, der Dichter Jeremias Gotthelf. Interessanterweise ist eine Strasse auch nach dem Schriftsteller und Denker Johann Gottfried Herder benannt, während seine bekannteren Weggefährten Schiller und Goethe leer aus gingen. Eine mögliche Erklärung: Herder hat «Dursli und Babeli» in seiner Volksliedersammlung 1778 erstmals abgedruckt.

So weit, so gut. Eine der längeren Strassen Grenchens hingegen ist nach Niklaus von Wengi benannt. Ausgerechnet. Ein Solothurner. Und nicht irgendeiner. Sondern der Schultheiss, der mit einem fiesen Trick (er soll sich vor die Kanone gestellt haben) im 16. Jahrhundert die Vorherrschaft der Katholiken im Solothurnischen gesichert hat. Schultheiss jener Stadt also, unter der die Grenchner Landbevölkerung lange zu leiden hatte. Dieser Bummel hat keine Moral, aber eine Feststellung: andere Zeiten, andere Ansichten, wie in Grenchen «benamst» werden soll.