Solothurn ist eine Kulturstadt, Grenchen eine Industriestadt. Punkt. Dieses Klischee ist für Jean-Pierre Thomsen, Präsident der Grenchner Kulturkommission, ziemlich abgelutscht. «Das kulturelle Schaffen in Grenchen ist ausserordentlich vielfältig», meint er. Dies bei einer breiten Bevölkerung bekannter zu machen, ist ein grosses Anliegen von Thomsen. 

Er hat die Arbeit in der Kulturkommission nach den letzten Wahlen neu begonnen und gleich einmal die Überarbeitung des veralteten Pflichtenheftes an die Hand genommen. Die wichtigste Aufgabe ist aber gleich geblieben. «Die Kuko fördert durch finanzielle Beiträge kulturelles Schaffen, das einen Bezug zu Grenchen hat», heisst es da etwa. Dafür stehen laut Thomsen etwa 25 000 Franken im Jahr zur Verfügung. Das fünfköpfige Gremium trifft sich rund alle zwei Monate, um über Gesuche von Veranstaltern zu entscheiden.

Keine grossen Beträge

Die zur Verfügung stehende Summe zeigt, dass da nicht Riesenbeträge ausgerichtet werden. «Die Beiträge bewegen sich zwischen 200 und 2000 Franken, im Schnitt sind es vielleicht 800 Franken», erklärt Thomsen.

Ein Formular, um ein Gesuch einzureichen, findet sich auf der Homepage der Stadt. Dort müssen die Veranstalter Angaben machen über sich selber, das Projekt oder den Event. «Wir verlangen auch ein Budget, denn wir wollen nicht einfach ins Blaue hinaus Beiträge sprechen», so Thomsen. Auch würden nach dem Anlass Informationen über Besucherzahlen oder finanziellen Erfolg erhoben.

Eine enge Zusammenarbeit pflegt die Kulturkommission mit der Abteilung Stadtmarketing, Kultur und Sport der Stadt. Man informiere sich gegenseitig und die Kuko unterstützt die Stadtverwaltung bei der Beurteilung von Kulturprojekten. «Und weil ich gleich neben dem Hôtel-de-Ville arbeite», sind auch die Wege zueinander nicht weit, erklärt Thomsen und lacht. Er arbeitet seit 20 Jahren beim Bundesamt für Wohnungswesen, heute als Chef der Inneren Dienste.

In Grenchen verwurzelt

Thomsen (50) ist in Grenchen aufgewachsen und auf dem Parkett der Grenchner Kultur quasi zu Hause. Er war jahrelang im Vorstand des Kleintheaters, danach Präsident der Literarischen Gesellschaft Grenchen. Dies zeigt auch wo seine persönlichen Vorlieben in Sachen Kultur liegen. Es ist vor allem die Literatur, «auch wenn die Familie mich zurzeit etwas vom Lesen abhält», wie er meint. Thomsen ist mit der SP-Gemeinderätin Clivia Wullimann verheiratet und hat mit ihr zwei Söhne im Alter von 4 und 6 Jahren. Für die SP sass er in den 80er-Jahren auch im Gemeinderat. In der Partei hat er seither auch weiter mitgearbeitet. 

«Das Amt als Kuko-Präsident ist in der jetzigen Lebensphase das Richtige für mich», meint Thomsen und kommt auf die «nobelste Aufgabe» der Kommission zu sprechen, nämlich die Nomination der Kulturpreisträger. Jedes Jahr kann die Kuko der GRK einen Kulturpreisträger oder eine Kulturpreisträgerin vorschlagen, dazu auch Träger für einen Anerkennungspreis und einen Nachwuchspreis. Personen erhalten ihn, die kulturell Grosses geleistet haben, entweder selber oder als Kulturvermittler im weiteren Sinn. Der Nachwuchspreis soll Talente ermuntern «dranzubleiben». Denn wer weiss, was aus ihnen noch werden kann.

Dankbare Preisträger

«Die Preisträger jeweils über den Entscheid der GRK informieren zu dürfen, das ist sicher meine schönste Aufgabe» meint Thomsen und erinnert sich an die bisher geführten Telefone. «Die Personen schienen überrascht. Sie haben sich aufrichtig gefreut.» Und keiner habe danach gefragt, was das finanziell bedeute. Zur Info: Der Kulturpreis ist mit 5000 Fr. dotiert, der Nachwuchs- und Anerkennungspreis je mit 2000 Franken.

Thomsen glaubt, dass die Kultur sich in Grenchen weiter positiv entwickeln wird. «Denn die Infrastruktur dafür ist da, vom Kleintheater bis zum Velodrome.» Grenchen sei für Leute, die sich engagieren wollen ein dankbares Pflaster. «Jeder, der sich einbringen möchte, wird mit offenen Armen empfangen.» Wer etwas auf die Beine stellen wolle, müsse sich nicht zuvor in einem bestimmten Zirkel etablieren, wie dies anderswo der Fall sei.

Kleines Publikum

Anderseits ist Thomsen auch realistisch. Die Interessen der Bevölkerung sind segmentiert. Manche Grenchner gehen lieber Flieger beobachten als ins Theater oder ins Museum. Dass der hohe Ausländeranteil der Stadt eine Rolle spielt, glaubt er hingegen nicht.

«Ich freue mich jedenfalls darüber, wie viele kulturelle Veranstaltungen trotz gewisser Restriktionen in Grenchen stattfinden.» Dass dies so bleibe, dafür werde sich die Kulturkommission nach Kräften einsetzen.

In der Kulturkommission sind ferner Andreas Weyermann, Susanne Schaller, Mirjam Brotschi und Matthias Meier-Moreno.