Das Defizit des Ambulanz- und Rettungsdienstes Grenchen gibt Anlass zur Besorgnis und hat auch Vorstösse im Gemeinderat ausgelöst. So ist dieses Defizit von 653 000 Fr. im Jahr 2012 auf 706 000 Fr. 2013 angestiegen, laut Rettungsdienst-Chef Reinhard Grichting, primär wegen arbeitsrechtlicher Bestimmungen. Es wird allein von der Stadt Grenchen getragen. Im Raum steht nun die Idee, die 14 Gemeinden beziehungsweise Dörfer, die neben Grenchen von der Notfallversorgung profitieren, zur Kasse zu bitten.

Abgesehen von informellen Gesprächen mit Bettlach und Selzach zu Zentrumslasten letztes Jahr ist die Stadt in Sachen «Rettungsdienst» bisher nicht bei ihren Nachbarn vorstellig geworden. Eine Umfrage bei den je zwei grössten Solothurner und Berner Gemeinden lässt ahnen, dass die Erschliessung von Geldquellen Grundsatzfragen aufwerfen wird.

Gesprächsbereit ...

«Wir haben mit Grenchen vereinbart, dass wir Gespräche zu den Zentrumsleistungen führen werden. In diesem Rahmen werden wir auch über den Rettungsdienst sprechen», sagt die Bettlacher Gemeindepräsidentin Barbara Leibundgut.

In Selzach erklärt Gemeindepräsidentin Silvia Spycher, dass man ein Begehren von Grenchen zum Rettungsdienst «im Gemeinderat sicher wohlwollend prüfen würde». Über bisherige Gespräche zum Thema müsse sie sich aber zuerst informieren.

Ähnlich klingt es in Arch. Gemeindepräsident Christian Röthlisberger erklärt, dass er ein allfälliges Begehren von Grenchen dem Gemeinderat vorlegen würde. Max Wolf, Gemeindepräsident von Lengnau, sagt zu einem derartigen Obolus hingegen: «Wäre ein solcher Beitrag fair gegenüber den anderen Gemeinden im Kanton Bern? Im Moment kann ich mir das nicht vorstellen. Denn wenn Grenchen mit diesem Anliegen vorstellig wird, würden wir den Ball an den Kanton weiterspielen. Dieser entscheidet ja, welcher Rettungsdienst welche Gemeinde abdeckt.»

«Aus Sicht des Kantons Bern ist die Notfallversorgung gesichert, im Fall des Bürenamtes durch den Stützpunkt Biel», erklärt Manuel Stalder. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim kantonalen Spitalamt und zuständig für das Rettungswesen. Entsprechend erteilt er der Idee eines kantonalen Rettungsdienstbeitrags für einzelne Gemeinden eine Abfuhr. Aber: «Wenn Gemeinden ein auswärtiges Angebot einkaufen möchten, ist das ihnen selbst überlassen.»

Grenchner Ambulanz schneller da

Dafür gibt es im Bürenamt Gründe. Im Kanton Bern gilt bei der Notfallversorgung die Maxime, dass 80 Prozent der Patienten in 30 Minuten erreicht werden müssen. Im Kanton Solothurn hingegen sind es 90 Prozent in 15 Minuten. Dazu sagt Stalder: «Wir arbeiten auf die 90/15-Regel hin, aber so wie die Finanzlage im Kanton Bern aussieht, werden wir das Ziel kaum in nächster Zeit erreichen.»

Fünf Berner Gemeinden

Die Ausgangslage ist in den Kantonen Solothurn und Bern verschieden, obwohl der Rettungsdienst da wie dort eine Aufgabe des Kantons und die Finanzierung vergleichbar ist. Die Kantone schliessen mit Rettungsdiensten ihrer Wahl Leistungsverträge ab und zahlen diesen Betriebsbeiträge. Daneben verrechnen die Rettungsdienste die erbrachten Leistungen den Verursachern gemäss Tarifvertrag von Santésuisse. In Solothurn ist der Rettungsdienst soH der einzige Vertragspartner des Kantons und hat mit diversen benachbarten Rettungsdiensten Leistungsvereinbarungen abgeschlossen. Dazu gehört der Rettungsdienst Grenchen, der gegenwärtig die Notfallversorgung für 37 000 Personen sicherstellt, davon ca. 8450 in fünf Gemeinden im Kanton Bern.