Bettlach
Staatsanwaltschaft fordert 15 Monate bedingt für rumänischen Einbrecher

Mit 320 Franken war die Beute nicht allzu gross. Der Schrecken für die Wirtin des Restaurants «Zur neuen Zelg» in Bettlach dagegen schon, als sie in den frühen Morgenstunden im August letzten Jahres Einbrecher in ihrem Lokal bemerkte.

Daniel Rohrbach
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Restaurant Zur neuen Zelg in Bettlach: Wirtin A. B. denkt noch heute mit Schaudern an den Tag der Tat zurück. Hanspeter Bärtschi

Restaurant Zur neuen Zelg in Bettlach: Wirtin A. B. denkt noch heute mit Schaudern an den Tag der Tat zurück. Hanspeter Bärtschi

Sie habe Todesängste ausgestanden, sollte die Frau später der Polizei sagen. Glücklicherweise blieb es für sie nur bei Angst und Schrecken. Von den Einbrechern unbemerkt, konnte die Wirtin ein SMS an eine Bekannte senden, worauf diese unverzüglich die Polizei alarmierte.

Nach wenigen Minuten schon traf die Polizei beim etwas abseits gelegenen Restaurant ein. Die Einbrecher, drei in Frankreich wohnende Rumänen, hatten aber bereits mit ihrem Sportwagen, einem Audi TT, die Flucht in Richtung Grenchen ergriffen. Ein Polizeiwagen nahm die Verfolgung auf. Einholen konnten die Polizisten das Fluchtauto jedoch nicht. «Wollten wir nicht unbeteiligte Dritte gefährden, hatten wir nie eine Chance, den Audi einzuholen», sagte gestern einer der beiden beteiligten Polizisten vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern.

Auf Flucht Fuss gebrochen

In ihrem Bericht schreiben die Gesetzeshüter von Tempi bis zu 200 km/h, mit welchen der Audi unterwegs gewesen sei. «Ich rechnete damit, dass es zu einem Unfall kommt», erklärte einer der beiden Polizisten. So weit kam es aber nur fast. Beim Monbijou-Kreisel in Grenchen fuhren die Rumänen statt weiter Richtung Biel oder Richtung Schlachthausstrasse zurück Richtung Ortszentrum – dem Polizeiwagen entgegen. Dabei versuchten die beiden Polizisten, den Flüchtenden den Weg abzuschneiden. Dies gelang aber nicht. Denn um eine Kollision zu verhindern, mussten die Polizisten im letzten Moment den Weg frei machen. So entkamen die Einbrecher vorerst der Polizei.

Allerdings nur bis Tavannes. Dort ging ihnen das Benzin aus. Während einer der drei Rumänen von der Berner Kantonspolizei dingfest gemacht werden konnte, gelang den beiden anderen die Flucht. Der eine von ihnen ist bis auf den heutigen Tag flüchtig. Der andere, der Fahrer des Fluchtautos, ging tags darauf der Polizei ins Netz, als er bei einem Fluchtversuch den Fuss brach.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm nicht nur Diebstahl, sondern wegen seiner Fahrweise unter anderem auch mehrfache Gefährdung des Lebens und mehrfache grobe Verletzung der Verkehrsregeln vor. So schnell, wie die Polizei behauptet, sei er nie gefahren, erklärte gestern der Rumäne. Er sei schon schnell gefahren, aber vor allem deshalb, weil er von seinen beiden Komplizen dazu gedrängt worden sei. «Ich hatte nie das Gefühl, irgendjemanden zu gefährden. Ich hatte das Auto immer unter Kontrolle.»

15 Monate gefordert

Nicht bestritten hatte der Mann dagegen den Einbruchdiebstahl. Dieser sei aber spontan erfolgt. Eigentlich sei er auf dem Weg nach Rumänien gewesen, um Papiere für seinen Sohn zu beschaffen. Weil ihnen aber unterwegs das Benzin und das Geld ausgegangen seien, hätten er und seine Kollegen beschlossen, mit einem Einbruch die nötigen Mittel zu beschaffen. Dies sah Staatsanwältin Claudia Scartazzini anders: «Sie sind in die Schweiz gekommen, um auf Einbruchstour zu gehen.» Dies beweise nur schon die Tatsache, dass die Männer in Besançon ein Hotelzimmer für zwei Tage gebucht hätten. Bei der Flucht schliesslich habe der Fahrer alles daran gesetzt, zu entkommen. «Damit hat er das Leben der Polizisten und seiner beiden Komplizen aufs Spiel gesetzt», erklärte die Staatsanwältin. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten, bedingt auf drei Jahre.

Der amtliche Verteidiger forderte einen Freispruch vom Vorwurf der mehrfachen Gefährdung des Lebens. Von Lebensgefahr könne keine Rede sein. Sein Klient habe zwar flüchten wollen, aber nie jemanden gefährden. Die angegebenen Tempi im Polizeibericht seien nur Schätzungen. Sein Klient sei zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 10 Franken zu bestrafen. Das Gericht gibt sein Urteil heute bekannt.