Das Turnerstadion Grenchen stand am Samstag ganz im Zeichen der Farben Rot und Schwarz. Diese verkörpern nicht nur die angolanischen Nationalfarben, sondern repräsentieren gleichzeitig auch deren Regierungspartei, die MPLA. Die Tatsache, dass Partei- und Landesflagge beinahe identisch sind, ist nicht weiter verwunderlich, lenkt die MPLA doch seit Ende der portugiesischen Kolonialherrschaft 1975, ununterbrochen die Geschicke des südwestafrikanischen Staates.

So war es auch der hiesige Ableger der Partei, die MPLA Suisse, welche die in der Schweiz wohnhafte Diaspora am Wochenende zum ersten Mal zu einem grossen Fest mit Musik, kulinarischen Köstlichkeiten und einem Fussballturnier eingeladen hatte. Aber nicht nur Angolaner waren in den Mannschaften vertreten. Etliche Nationalitäten tummelten sich in den zehn konkurrierenden Teams, was ganz im Sinne der Organisatoren ist: «Unser Ziel war es, ein Fest für alle zu veranstalten, damit alle unsere Kultur kennenlernen können», sagt George Carlos, Sekretär der MPLA Suisse.

Auch die Fans hatten Freude am erstmals durchgeführten Fussballfest.

Auch die Fans hatten Freude am erstmals durchgeführten Fussballfest.

Gespielt wurde mit fünf Feldspielern und einem Torwart pro Team. Ein Spiel dauerte dabei rund 15 Minuten. Wer nicht gerade selbst auf dem Rasen im Einsatz war, feuerte von der Seitenlinie aus seine Teamkollegen an oder versuchte Tipps über das Spielfeld zu rufen. Verschossene Torchancen wurden dann häufig mit wilder Gestikulation und Zurechtweisungen quittiert. Doch kaum war der Match vorbei, waren auch die schlimmsten Fehlpässe, die gröbsten Fouls und alle verpassten Möglichkeiten schnell wieder vergessen und man feierte zusammen, bis das nächste Spiel anstand.

7000 Angolaner in der Schweiz

Ein weiteres Anliegen der MPLA Suisse war es aber auch, für die in der ganzen Schweiz rund 7000 wohnenden Angolaner einen gemeinsamen Anlass zu schaffen. Dass das Los gerade auf die Uhrenstadt fiel, war nicht nur Zufall. «Grenchen liegt zentral, ist ruhig und bietet ausserdem ein schönes Panorama», erklärt George Carlos die Standortwahl. Auch das Datum wurde bewusst gewählt, denn just einen Tag zuvor feierte Staatspräsident José Eduardo dos Santos seinen 73. Geburtstag. «Da dachten wir, dass es doch passend wäre, ihm zu Ehren ein Turnier zu veranstalten und zusammen zu feiern», so Carlos. Deshalb war auch das Konterfei des Landesoberhauptes auf vielen T-Shirts, Hüten und Fahnen zu sehen. Vertreter aus dem südwestafrikanischen Staat waren extra angereist, um dem Spektakel beizuwohnen und auch der angolanische Botschafter in Bern, Osvaldo dos Santos Varela, liess es sich nicht nehmen und eröffnete den feierlichen Anlass mit einer Rede.

Alles in allem ist man bei der Organisation mit dem Festakt mehr als zufrieden. Einzig die Teilnehmerzahl beim Turnier dürfte noch etwas höher liegen: «Wir haben eigentlich auf 16 Mannschaften gehofft», sagt Carlos. Aber daran werde noch gearbeitet, damit im nächsten Jahr alles noch ein Tick grösser wird.