Spielgruppe in Grenchen
Sie hat «die Nase voll»: Barbara Banga betreut nur noch Kinder von Geimpften und Genesenen

Barbara Banga führt per sofort in ihrer Halbtagesspielgruppe in Grenchen die 2G-Regel für die Eltern ihrer Schützlinge ein. Ihre Entscheidung hat einen traurigen Beweggrund.

Béatrice Beyeler und Oliver Menge
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Erzieherin Barbara Banga bei der Arbeit (Archivbild).

Erzieherin Barbara Banga bei der Arbeit (Archivbild).

Hanspeter Bärtschi

Seit 2016 führt Erzieherin Barbara Banga in Grenchen die Halbtagesspielgruppe Abraxas. Dies unter den üblichen Corona-Schutzmassnahmen. Doch jetzt gibt es eine neue Auflage, wie «Blick» berichtet: die 2G-Regel. «Ich betreue keine Kinder mehr, deren Eltern nicht geimpft oder genesen sind», wird die 58-Jährige zitiert. Und: «Wenn die Eltern nicht geimpft sind, darf auch kein Angehöriger oder Freund die Kinder bringen.»

Dass Eltern ihr nun den Rücken kehren oder Probleme mit der Unterbringung ihrer Kinder kriegen könnten, nehme sie in Kauf. Sie sagt:

«Dann müssen sie sich halt impfen lassen oder mit ihrem Arbeitgeber eine Lösung finden.»

Sie habe zu viel erlebt seit Frühling 2020 und «die Nase voll», so Banga weiter. «Wir mussten damals sieben Wochen schliessen.» Sie habe eine Entschädigung dafür erhalten, aber: «Nach der Öffnung hatten wir trotzdem immer wieder Angst, dass es Eltern oder Kinder erwischt.» Dies sei auch geschehen bei einem Elternteil. Deshalb habe sie selber zwei oder drei Mal zwei Wochen geschlossen.

Nebst der 2G-Regel würden weitere Schutzmassnahmen gelten, schreibt «Blick». Ausnahme: «Ich und meine Angestellte tragen, seitdem wir geimpft sind, keine Masken mehr bei den Kindern. Dies, weil wir welche haben, die uns gut verstehen sollten.»

Hat sie keine Angst, dass auch die geimpften Eltern und deren Kinder das Virus weitergeben könnten? «Doch», sagt Banga. Aber:

«Ich kann mit der zusätzlichen 2G-Regel dem so gut wie möglich entgegenwirken.»

Ihr Ehemann Boris Banga, Anwalt und Alt-Stadtpräsident von Grenchen, berate sie: «Er hat mir gesagt, dass ich mutig sei. Aber auch, dass ich dies einführen dürfe.»

Sie könne mit Absagen leben, sagt Barbara Banga.

Sie könne mit Absagen leben, sagt Barbara Banga.

Oliver Menge

Die 2G-Regel gilt im Abraxas ab sofort, wie der «Blick» am Montagmorgen berichtet. Barbara Banga habe die 18 Eltern, die mit ihr einen Vertrag haben, informiert. «Ich habe fünf positive Rückmeldungen erhalten», sagt sie. Sie werde abwarten, wie die anderen reagieren. Sie könne mit Absagen leben und würde diese Eltern trotz Kündigungsfrist sofort aus dem Vertrag entlassen. Ihr sei «die Sache wichtiger als das Geld, das ich vielleicht verliere mit der 2G-Regel». Sie wolle ruhig schlafen können.

Positive Reaktionen und solche unter der Gürtellinie

Seit der Artikel im «Blick» erschienen ist und auch auf diesem Portal darüber berichtet wurde, klingelt bei Barbara Banga das Telefon fast pausenlos, wie sie auf Anfrage sagt. «Aber ich gehe nicht ran, die Leute können mir auf die Combox sprechen, dann rufe ich zurück». Auch SMS und Nachrichten über die sozialen Medien habe sie schon viele erhalten.

Viele Reaktionen seien positiv, vor allem von Lehrpersonen, die den Schritt sehr gut fänden, für den sie sich nun entschieden habe.

«Es gibt natürlich auch die Reaktionen unter der Gürtellinie, aggressiv und widerlich, aber das war nicht anders zu erwarten. Diese Leute können ja nicht anders, als aggressiv zu werden. Die ignoriere ich.»

Sie will keine Sensation heischen. «Die Lage ist viel zu ernst. Es geht mir ums Thema», sagt Banga. Ein Thema, das sie persönlich sehr belaste. Das hat seinen guten Grund: 2001 verstarb im Inselspital ein dreijähriger Bub nach einer ansteckenden Hirnhautentzündung, der am selben Tag die Spielgruppe von Barbara Banga besucht hatte. «Er hatte Schnupfen, war bei mir in der Spielgruppe zusammen mit anderen Kindern und ist innerhalb von 24 Stunden gestorben. So etwas geht einem so tief, ist derart prägend, dass ich ganz einfach so ein Risiko gar nicht mehr eingehen will. Damals hatten wir abgesehen von dem tragischen Fall Glück im Unglück, dass sich kein weiteres Kind angesteckt hat.»

«Geimpfte schützen die Ungeimpften»

Im Übrigen könne und wolle sie es sich nicht leisten, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass sich unter Umständen ein Kind in der Spielgruppe mit dem Coronavirus infiziere und dann später zu Hause die ungeimpfte Mutter anstecke. «Die Kinder erkranken ja nur selten heftig oder überhaupt an Covid-19. Was aber, wenn die ungeimpfte Mutter dann einen schweren Verlauf hat oder gar noch schlimmer? Dieses Risiko nehme ich nicht mehr auf mich», sagt Banga entschlossen. «Im Grunde schützen wir Geimpften ja die Ungeimpften.»

Was aber tut sie bei einem Impfdurchbruch? Also wenn ein Elternteil eines Kindes erkrankt, trotz Doppelimpfung? «Dann schliesse ich die Spielgruppe wieder, wie ich das Anfang Jahr bereits einige Male tun musste, weil in einer Familie ein Fall aufgetreten war», erklärt sie. «Und das ganz ohne Entschädigung.»

Die Sache sei viel zu wichtig, als dass man einfach weitermachen könne wie bisher.

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