40 Jahre

Spektakel zwischen Spass und Tiefsinn zum Jubiläum des Grenchner Kleintheaters

Das 40-jährige Bestehen des Kleintheaters Grenchen wurde mit einem Fest und vielen kulturellen Höhepunkten gefeiert.

Das Jubiläumsfest des Kleintheaters wurde zu einem in jeder Hinsicht gelungenen Happening für die Freunde des Genres. Ein voll besetzter Saal, vier gänzlich unterschiedliche Künstler oder Künstlergruppen, deren Gemeinsamkeit in der hohen Qualität des Gebotenen lag, sowie kulinarische Leckereien bescherten einen unvergesslichen Abend. Präsidentin Marisa Thöni ging in ihrer Begrüssungsansprache auf die bewegte Geschichte des Kleintheaters ein und bedankte sich bei allen, die zu dieser Erfolgsgeschichte beigetragen haben. Stadtpräsident François Scheidegger erlaubte sich ein geglücktes Wortspiel, indem er das «klein» im Namen des Theaters den grossen Verdiensten gegenüberstellte, welche sich der Verein in den letzten vierzig Jahren erworben habe.

Witz, Charme und Impro

Dann gings los mit dem künstlerischen Spektakel. Zuerst Gilbert&Oleg mit ihrer publikumsnahen Varieté-Show. Aus der reichhaltigen Speisekarte im Restaurant zum Goldenen Gaukler konnten sich die Zuschauenden ein Menu zusammenstellen. Die beiden Protagonisten servierte dies hernach mit viel Witz, Charme und Improvisationsgabe. Die Ingredienzen dazu: Magie, Zauberei und Musik, gewürzt mit viel Klamauk und vortrefflichen Wortgefechten.

Viel erheiternde Spannung wird dabei durch die Gegensätzlichkeit der beiden Charaktere erzeugt. Hier der seriöse auf Etikette bedachte Gilbert; dort der quirlige, zu jeder clownesken «Schandtat» bereite Oleg, der sich zudem Personen aus dem Publikum sowie unsere Nachbargemeinde im Westen als Zielscheibe seines träfen, doch nie verletzenden Spottes ausgesucht hat. Fein auch die Idee, die beiden im Weitern während der kurzen Umbauphasen als Präsentatoren ihrer Künstlerkollegen einzusetzen.

Virtuoses Klavierspiel

Wirkungsvoll danach der Wechsel von slapstickartiger Komik zu eher melancholischen Klängen, durchsetzt mit humorvollem Unterton. Marlis Walter als gewiefte und virtuose Pianistin und Tanja Baumberger mit ihrer faszinierenden, gut ausgebildeten Stimme nahmen die Zuschauenden mit auf eine Liederreise. Sie konnten dabei auf einen Fundus zurückgreifen, den sie sich in 18 gemeinsamen Jahren erarbeitet haben. Eigene Songs kamen ebenso zum Zuge wie Titel aus Filmmusical (Yentl, Sting). Baumberger überzeugte nicht nur stimmlich, sondern auch mit intensivem Spiel. Ob verführerische Katze, verschmähte Liebhaberin, abwechselnd auf Französisch und Holländisch oder als Interpretin eines einfühlsamen Solothurner Heimwehsongs, sie vermochte das Publikum zu fesseln.

Es herrschte eine schier greifbare Stille in den Zuschauerrängen, als Vera Bauer erzählend und mit Violoncello bestückt Wilhelm Buschs Ballade von Balduin Bählamm, dem verhinderten Dichter, zum Besten gab. Keine Silbe wollte man verpassen von ihrem kunstvollen Vortragen, keinen Ton missen, mit welchem sie der Geschichte noch eine zusätzliche Dynamik verlieh. Vielschichtig und witzig lässt sie die Zuhörenden teilhaben am Schicksal des «Büroheinis», der sich zu dichterischen Weihen berufen sieht.

Doch lästige Freunde, familiäres Durcheinander, durchtrieben Lausejungs, ein nur scheinbar reizendes Bauernmädchen, das so gar nicht idyllische Landleben, nervende Mitfahrende im Zug und so vieles mehr lassen seine hochtrabenden Pläne platzen. Dank Vera Bauer leidet wohl jeder und jede mit dem verhinderten Poeten.

Scharfzüngiger Bündner

Den würdigen Schlusspunkt setzte der Bündner Flurin Caviezel. Bewehrt mit einem Akkordeon weitete er das Wortfeld Kurzschluss aus zu erstaunlichen, teils abstrusen Geschichten. Feiner Humor, viel Charme, mit Wortwitz gespickte Erzählkunst machen seine Darbietung zum reinen Vergnügen. Er legt sich lustvoll mit Politikern und Zeitgeist an. Dann wieder lässt er augenzwinkernd den Saal und die Anwesenden zu einer DJ Bob-Show mutieren oder verwickelt Heidi, Schellen-Ursli und Geissenpeter in eine actionreiche Beziehungskiste.
Von höheren Gefilden steigt er aber auch zu den Jurahügeln herab, bringt gleich tonnenweise Altglas mit, da dies bei uns noch abgeholt werde. Die Windräder lassen ihn aber dann doch flüchten, denn schliesslich stehe SWG für: «Sofort Wieder Goh.»

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