Grenchen
Sparwut war eines der grossen Themen am «Plausch»

Die Fasnächtler zeigen am Grenchner «Plausch», was sie draufhaben, und wecken Vorfreude auf wild-närrische Tage.

André Weyermann
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Grenchner Plausch 2017
3 Bilder
Das Duo «mir zwe» mit Stadtpräsident François Scheidegger.
Patrik Gribi überraschte als unbedarfte Blondine.

Grenchner Plausch 2017

Michel Luethi

Die auch in Grenchen vorherrschende Sparwut war eines der grossen Themen am Plausch. Die Närrinnen und Narren hingegen geizten nicht mit witzigen Einlagen, träfen und treffenden Sprüchen sowie mit tollen, abwechslungsreichen musikalischen Einlagen.

Obernarr Diego Kummer, Chindernarr Patrick Meier und Pläuschler «Wisi» Wisard fläzten sich zuerst noch auf dem heimischen Sofa, bequemten sich aber dann doch noch an den Anlass. Auch das Plauschteam fand, filmisch festgehalten, erst nach einigen Irrungen und Wirrungen den richtigen Weg, hatte dafür aber zwei hoffnungsvolle Strassenmusiker aufgegabelt. Kurt Gilomen und Philippe Delacombaz spielten nicht nur echt starke Musik, sondern kommentierten auch das Geschehen in und um Grenchen.

Familien-Combo brillierte

Überhaupt waren die musikalischen Beiträge an Vielseitigkeit kaum zu übertreffen. Die «Schuelschwänzer» schickten sich an, als gfürchig-schöne Wikinger die Weltmeere zu erobern. Die Herzen der Besucher hatte die in der Zwischenzeit auf über 40 Mitglieder und drei Generationen angewachsene Familien-Combo mit ihrem Sound im Nu für sich gewonnen.

Einen höllisch guten Kurz-Gig legten die «No Copyrights» hin. Die freie Guggenmusik zeigte sich zu ihrem 10-Jahr-Jubiläum für einmal an einem offiziellen Anlass und begeisterte mit eindrucksvollem Outfit und coolen Stücken.

Ein Ohren- wie Augenschmaus

Ausgefeilte Arrangements und individuelle Kostüme von edelschwarz bis kunterbunt kennzeichneten den Auftritt der «Cocoloris»: ein Ohren- wie Augenschmaus. Die «Hilari-Broders» schliesslich schickten sozusagen als Reminiszenz an den Ort, wo alles begann, drei afrikanische Buschmänner vor. Nachdem sich deren Staunen über die modernen Instrumente gelegt hatte, zelebrierten sie zusammen mit dem Rest der Band den beschwingt-groovigen Sound, der so charakteristisch für die Gruppe ist.

Vielfältig auch die Wortbeiträge. «Güti und Werren» fanden als Fischer gar die Musse, mittels Handy auf Pokémon-Jagd zu gehen und dabei den einen oder anderen bekannten Namen als Fang zu präsentierten und mit träfen Sprüchen einzudecken. Patrik Gribi überraschte als unbedarfte Blondine mit etlichen Wortverdrehungen und zeigte zudem auf, wie man auch in Fremdsprachen eine verständliche Geschichte erzählen kann. Obergugger Mischu Baier parodierte gekonnt den neuen amerikanischen Präsidenten. Seine Rezepte, wie man Grenchen «great again» machen könne, entbehrten nicht einer gewissen Logik: Konsequente Vergabe von Grossaufträgen an Grenchner Firmen und ebenso restriktives Ausschaffen der illegalen Solothurner.

Hohe Kunst des Bänkelgesangs

Schliesslich zelebrierten die «Hilari-Schnibako» wie auch die «Stadtratten» die hohe Kunst des Bänkelgesangs. Erstere in neuem Gewand als «Uhrengrübler» Adolf Gschwind und mit altbekannten Tugenden: Stilsichere Verse zur Melodie von Mani Matter, gewürzt mit überraschenden und raffinierten Pointen. Auch die Stadtratten beherrschen das Metier, ohne zur Holzhammer-Methode greifen zu müssen. Sie überzeugen mit feinen, raffinierten Strophen, bei denen es sich lohnt, genau hizuhören. Fazit: Die Vorfasnacht ist gelungen, Die Grenchner können sich auf wild-närrische Tage freuen.