Kultur
Spannende Geschichten aus der Grenchner Vergangenheit

Im Kultur-Historischen Museum in Grenchen berichteten am Samstag drei Zeitzeugen über das Leben von früher. Es ist ein neues Angebot, das regelmässig stattfinden wird.

Nadine Schmid (Text und Foto)
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Frédéric Falbriard, Peter und Susi Straumann (v.l.) erzählen einem Besucher.

Frédéric Falbriard, Peter und Susi Straumann (v.l.) erzählen einem Besucher.

Nadine Schmid

Wie hat man früher in Grenchen und Umgebung gewohnt? Und wie war der Arbeitsalltag? Am Samstagnachmittag hatten Besucher während der regulären Öffnungszeiten des Kultur-Historischen Museums die Möglichkeit, sich mit drei Zeitzeugen über das Leben früherer Zeiten zu unterhalten.

«Wir wussten im Vorfeld nicht genau, wie es wird», so Susi Straumann, die zusammen mit ihrem Mann Peter und mit Frédéric Falbriard ihre Rolle als Zeitzeugin wahrnahm. «Es waren keine Themen vorgegeben und schliesslich war es dem Zufall überlassen, ob Besucher kommen. Es ist ein sehr spannender Nachmittag mit ungezwungenen, natürlichen Gesprächen geworden.» Rund 25 Besucher packten die Gelegenheit beim Schopf und tauschten sich im Verlauf des Nachmittags mit den drei Senioren aus oder kamen auch untereinander ins Gespräch.

Von der Uhrenarbeit bis zu
den Grenchner Originalen

Die Themen waren sehr breit gefächert. Straumanns beispielsweise erzählten unter anderem von einigen Grenchner Persönlichkeiten. «Da ich mit etlichen von ihnen Kontakt pflegte, liess sich viel über sie erzählen», erklärte Peter Straumann, der ehemalige Inhaber des Architekturbüros Straumann. «So beispielsweise über Adolf Schild-Comtesse. Und da sind auch die Grenchner Originale, wie Herr Tronko. Er war Maurer und leistete gute und günstige Arbeit. Einmal musste er ins ehemalige Restaurant auf dem Oberberg für die Reparatur einer Leitung. Seinen Rucksack voller Dynamit stellte er auf den Kachelofen, der dann explodierte. Und als ich noch selbst Flugzeuge flog, ging es auf dem Flugplatz wie im Wilden Westen zu, damals gab es noch keine Piste. Es wäre gut, all die Anekdoten einmal aufzuschreiben.»

Frédéric Falbriard berichtete unter anderem über die Uhrenbranche. «Dass ich in der Uhrenbranche arbeitete, liegt lange zurück, da galt es einiges wieder aufzufrischen und neu zu entdecken.» Er hat sich für den Anlass zur Uhrenindustrie eingelesen. «Ich arbeitete zehn Jahre lang bei der Uhrenfirma Rodania, ehe ich zur Flugzeugindustrie wechselte. Die Uhrenindustrie hat sich hierzulande zu lange auf seinen Lorbeeren ausgeruht und deshalb zu wenig vorausgeschaut, so kam es, dass die Japaner das Ruder ergriffen, viele Schweizer Betriebe gingen Konkurs.» Durch den technischen Fortschritt während und nach der Uhrenkrise blieben von den 90 000 spezialisierten Arbeitsstellen nur noch ein Drittel erhalten. Falbriard: «Über lange Zeit war in der Uhrenwerkstatt auch das Schlucken von Saridon-Tabletten weit verbreitet, eine Art Doping, aber das hatte schwere gesundheitliche Probleme zur Folge.»

Für das Projekt «Zeitzeugen erzählen» haben sich mehrere Ehrenamtliche zur Verfügung gestellt. Das nächste Mal werden einige von ihnen am 6. Mai im Museum anzutreffen sein.

«Das Museum soll vermehrt ein Begegnungsort für alle Generationen sein», so Museumsleiterin Angela Kummer.