Grenchen

SP Grenchen gibt Quartierkindergarten fürs Lingeriz noch nicht auf

SP-Ortsparteipräsident Remo Bill sammelte gestern vor dem Denner beim Lingeriz Unterschriften für einen 14. Quartierkindergarten.

SP-Ortsparteipräsident Remo Bill sammelte gestern vor dem Denner beim Lingeriz Unterschriften für einen 14. Quartierkindergarten.

Die Grenchner Sozialdemokraten sammeln Unterschriften gegen den Beschluss des Gemeinderates vom 14. Mai. Dieser sieht vor statt eines Quartierkindergartens im Lingeriz einen im Zentrum zu bauen.

«Der 14. Kindergarten soll im Lingerizquartier realisiert werden», steht über der Petition, mit der die SP Grenchen sich gegen den Gemeinderatsbeschluss vom 14. Mai wehrt. Damals sind die Sozialdemokraten mit 6:9 Stimmen der bürgerlichen Mehrheit unterlegen. Es wurde entschieden, statt eines Quartierkindergartens im Lingerizquartier – dem Quartier, aus dem die neuen Kindergartenkinder kommen – einen im Zentrum zu bauen. Damit muss ein Teil der rund 70 Kinder, um die es geht, einen weiten und riskanteren Schulweg auf sich nehmen. Eine Lösung, die kaum ideal, dafür aber günstiger ist: 470 000 Franken sollte der Kindergarten an der Lingerizstrasse kosten. Der Ausbau des Lindenpavillons an der Lindenstrasse kostet weniger, nämlich 255 000 Franken.

«Vom Standort her falsch»

Das Kostenargument ist für die SP aber das falsche. In ihrer Petition nimmt sie das Thema wieder auf. Die Forderung: «Der Kindergarten im Lindenpavillon ist vom Standort her falsch. In Grenchen gilt der Grundsatz, dass jeder Kindergarten in seinem Quartier steht. Mit dem Entscheid des Gemeinderates wird das infrage gestellt. Damit könnte so ein Fall auch ein anderes Quartier beziehungsweise Ihr Quartier treffen.» Der Kindergarten soll dort realisiert werden, wo die Kinder sind – im Einzuggebiet. Der «gefährliche Anmarschweg» ins Zentrum sei für die 5- bis 6-jährigen Kinder eine Zumutung.

«Reine Machtdemonstration»

Für Remo Bill, SP-Präsident und Petitionär, ist die Haltung von CVP, FDP und SVP in dieser Sache reine Machtdemonstration im Vorfeld der Stadtpräsidentenwahlen. Seine Einschätzung stützt er damit, dass der bürgerliche Stapi-Kandidat François Scheidegger am gestrigen Podium im Parktheater ein klares Statement gegen die Haltung seiner Parteien abgegeben hatte. Dennoch: Mit der Petition wolle man nicht (mehr) den Kindergarten im Lindenpavillon verhindern. Es gehe um die Perspektive und die Grundsatzfrage, erklärt Remo Bill. Er gehe davon aus, dass die Kinder ab Schuljahr 2013/14 in Lindenpavillon gehen werden. Frühestens für das darauf folgende Schuljahr werde die Politik den Quartierkindergarten wieder aufgreifen.

Am Donnerstag Vormittag machte Remo Bill vor dem Denner beim Lingerizquartier Halt, um Unterschriften zu sammeln. Innert einer guten halben Stunde hatte er den ersten Bogen voll. «Die Leute verstehen, dass ein Kindergarten am richtigen Ort ein Bedürfnis darstellt.» Eine Frau etwa, die an der Bielstrasse wohnt und ihre Unterschrift abgab, meinte zu ihm: Es sei «verrückt», dass man dem Quartier nicht das gebe, «was es eigentlich braucht». Eine zweite Frau aus dem Lingeriz, deren Kinder momentan im Provisorium beim Schulhaus Eichholz in den «Chindsgi» müssen, verwies darauf, dass das Lingerizquartier sehr viel Kinder habe. Remo Bill findet, das Quartier werde vernachlässigt. «Das Recht auf einen Kindergarten haben doch eigentlich alle.» Man habe eine Chance verpasst, das viel kritisierte Quartier aufzuwerten.

Übergangslösung wird gesucht

Mark Widmer, Ressortverantwortlicher der Grenchner Schulen, bestätigt, dass man für 2013/14 nun definitiv mit dem Lindenpavillon rechnet. Die Zuteilungen konnten noch nicht abgeschlossen werden. In einem Brief wurden die Eltern nun um Geduld gebeten. Zwei Wochen sei man im Verzug, sagt Widmer. Aber man arbeite mit Hochdruck an einer «kinderkompatiblen» Lösung. Das muss man auch. Denn bis der neue Kindergarten eröffnet werden kann, wird es Herbst. Da das «Eichholz» aufgrund der begonnenen Sanierungsarbeiten keine Alternative mehr ist, müssen die Schulen nun nach einer anderen, provisorischen Lösung suchen. Mit Einsprachen gegen die Einteilung im Lindenpavillon rechnet Mark Widmer schon jetzt.

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