Sozialdienst

Sozialhilfe kommt viel teurer als budgetiert

605 Dossiers behandelte die Sozialregion 2010 – 84 Fälle mehr als 2009 (Symbolbild)

605 Dossiers behandelte die Sozialregion 2010 – 84 Fälle mehr als 2009 (Symbolbild)

Die Zahl der Sozialfälle ist letztes Jahr gestiegen – und damit auch die Kosten. Der Anteil von Jungen und Ausländern liegt ebenfalls höher: Am stärksten gestiegen ist die Sozialhilfe bei den 26- bis 35-Jährigen.

Heute behandelt der Gemeinderat einen Nachtragskredit von 585000 Franken für die Sozialen Dienste Oberer Leberberg. Grund dafür: Die Beiträge, die jede Gemeinde in den kantonalen Ausgleichsfonds zahlen muss, sind höher als budgetiert – nämlich nicht wie geplant 245 Franken pro Einwohner, sondern rund 280 Franken. Fakt ist aber: Grenchen profitiert noch immer davon, dass die Sozialhilfekosten unter allen Gemeinden aufgeteilt werden. Denn auf den einzelnen Einwohner gerechnet lagen die Sozialhilfe-Kosten in Grenchen letztes Jahr bei 335 Franken. Die Differenz zwischen den 280 und 335 Franken zahlen also andere Gemeinden durch den Lastenausgleich.

Nächstes Jahr noch mehr erwartet

605 Dossiers behandelte die Sozialregion 2010 – 84 Fälle mehr als 2009. «Mit einer gewissen Verzögerung ist somit der wirtschaftliche Einbruch auch bei der Sozialhilfe spürbar geworden», schreiben die Sozialen Dienste Oberer Leberberg in einer Mitteilung an den Gemeinderat. Damit verbunden stiegen auch die Kosten. Die Bruttokosten stiegen von 8,5 Millionen Franken auf 9,5 Millionen. Aufgrund der Revision des Arbeitslosenversicherungsgesetzes wird angenommen, dass die Zahlen 2011 nochmals ansteigen.

Mehr Ausländer, Junge und Ledige

Am stärksten gestiegen ist die Sozialhilfe bei den 26- bis 35-Jährigen. Warum dies so ist, kann Kurt Boner, Leiter der Sozialen Dienste, nicht nachvollziehen. «Diese Gruppe sollte am stärksten im Arbeitsmarkt integriert sein», sagt Boner. «Wir wollen nicht Leute unterstützen, die in den Arbeitsmarkt gehören.» Deshalb lege man besonderes Gewicht auf diese Altersgruppe, etwa mit Wiederintegrationsmassnahmen.

Erneut gestiegen ist letztes Jahr der Anteil von Ausländern. Von den 605 Dossiers entfielen 236 (39%) auf Ausländer und 369 auf Schweizer. Im Vorjahr lag der Ausländeranteil noch bei 34 Prozent. Hinzu kommt: Die Sozialhilfe rechnet mit Dossiers, was bedeutet, dass eine Familie als ein Dossier gilt. Würde die Anzahl der Unterstützten direkt gezählt, wäre der Ausländeranteil deutlich höher. Daraus lässt sich schliessen, dass unter der ausländischen Wohnbevölkerung vor allem kinderreiche Familien sozialhilfegefährdet sind. «Bei den Schweizern sind dagegen vor allem alleinstehende Männer oder alleinerziehende Frauen gefährdet», erklärt Boner. Von den 605 Fällen war denn auch ein grosser Teil ledig (292) oder geschieden (134). Boner warnt aber, die Statistik zu wenig differenziert zu betrachten. «Ausländer, die schon lange hier leben, haben eine geringere Sozialhilfequote als Schweizer», fügt er als Beispiel an.

Grenchen erhält immer weniger

Zwar profitiert Grenchen noch immer vom kantonalen Lastenausgleich – in den letzten Jahren aber immer weniger, obwohl Städte generell stärker von Sozialfällen betroffen sind. Das Thema wird deshalb auch beim neuen Finanzausgleich behandelt. Die Vorstellungen gehen laut Boner allerdings weit auseinander. Es gebe auch einzelne Gemeinden, die teurere Gemeinden wie Grenchen noch mehr in die Pflicht nehmen wollen.

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