Was nach der Schliessung des stationären Bettentraktes im Spital Grenchen geblieben ist, wird von Kritikern als halbe Sache verschrien. Dort, wo sich früher das Gesundheitspersonal der Solothurner Spitäler AG (soH) um die Patienten kümmerte, werden noch wöchentliche Sprechstunden angeboten, wobei die Behandlung in Solothurn erfolgt.

Das soll sich rasch bessern: Bereits im 2. Quartal 2013 wollen die soH und die Solviva AG ein neues, weit leistungsfähigeres Gesundheitszentrum in Betrieb nehmen. Letzte Woche stellte die Investorin, der heute der nördliche Arealteil gehört und die über ein 100-jähriges Baurecht für das Land verfügt, den Hausärzten von Grenchen die Pläne vor.

Und: Während die Ärzte vor einem Jahr noch gegen die Einrichtung eines Ärztezentrums oder einer Gruppenpraxis waren, scheinen sie nun weitaus interessierter, wie angefragte Hausärzte und Willi Gyger, Verwaltungsratspräsident Solviva, auf Anfrage bestätigten.

Enger Zeitplan

«Wir brauchen mindestens drei Hausärztinnen oder Hausärzte, um die Gruppenpraxis im künftigen Gesundheitszentrum führen zu können», sagt Gyger. Bis März will die Solviva wissen, ob und wer an einer Beteiligung interessiert wäre, damit die Baupläne eingehalten werden können. Stellvertretend erklärt der Grenchner Hausarzt Marcel Tièche: «Nach dem aktuellen Stand ist jedermann einig: Eine solche Gruppenpraxis ist wünschenswert, sogar fast notwendig für die Betreuung der Zielpersonen. Die neue Ausgangslage hat viele Vorteile.»

Gyger will den Grenchner Hausärzten vor Auswärtigen oder «Grossen» – wie als Beispiel Medgate, dem Zentrum für Telemedizin – den Vorzug geben. Schon deshalb, weil Grenchner Hausärzte bei einem Einzug ins Zentrum einen Kundenstamm mitbringen. Ausserdem wird dem zunehmenden Hausärztemangel entgegengewirkt.

Solviva will alles übernehmen

Die Solviva hat grosse Pläne mit dem Areal. Den Beweis liefert die Tatsache, dass sie sich mit der soH eine Übernahmemöglichkeit aller Liegenschaften in den kommenden Jahren offenlässt (vorerst ist die Solviva Minderheitsstockwerkeigentürmerin des «neuen Spitals»). Was in der jetzigen Phase noch unter der Schirmherrschaft der soH läuft, wird möglicherweise künftig als «Sunnepark» von der Solviva AG geführt werden.

Konkret geplant sind ein Gesundheits-, Pflege- und auch ein Weiterbildungszentrum. Auf dem nördlichen Arealteil («altes Spital») entstehen rund 100 hindernisfreie Wohnungen, wovon rund 20 Prozent als normale Wohnungen für Familien geplant sind. Hinzu kommen ein kleiner Laden, eine Kleintieranlage und eine grosszügige Gartenanlage. Wer pflegebedürftig eine Alterswohnung bezieht, kann künftig die Dienstleistungen des Gesundheits- und Pflegezentrums in Anspruch nehmen – etwa der erwähnten Gruppenpraxis, aber auch des Spitexstützpunktes oder der Sprechstunden bei den soH-Spezialisten.

Das Zentrum wird von den Wohnungen her über einen gedeckten Zugang direkt erreichbar sein. «Der Sunnepark bietet ideale Wohnvoraussetzungen in einer sehr attraktiven Siedlung», erklärt Willi Gyger. Der Bezug der ersten Wohnungen sei auf Sommer 2014 geplant.

Der ganze Sunnepark Grenchen soll dereinst rund 30000 Quadratmeter umfassen. Die Gesamtinvestitionen werden von der Solviva AG auf 25 bis 30 Mio. Franken geschätzt. Mindestens 60 neue Arbeitsplätze werden geschaffen. Es scheint als könnte in der traurigen Geschichte über das Spital Grenchen bald ein neues, erfreulicheres Kapitel aufgeschlagen werden.