Stadtbummel
Solothurner sprechen Niederdeutsch

Roger Rossier
Roger Rossier
Merken
Drucken
Teilen
«In Solothurn wird nicht Hochdeutsch sonders «Niederdeutsch» gesprochen.»

«In Solothurn wird nicht Hochdeutsch sonders «Niederdeutsch» gesprochen.»

Vergangenheit ändern? Das geht doch nicht! Was passiert ist, lässt sich nicht rückgängig machen, werden Sie zu Recht denken. Und wie steht es mit dem bei der Wahl zum Stadtpräsidenten verwendeten Slogan «Zukunft gestalten»? Was dem von Michael J. Fox gespielten Jugendlichen im Film «Back to the Future» gelang, funktioniert in der Wirklichkeit nicht.

Dies musste trotz Achtungserfolg auch der Herausforderer von François Scheidegger zur Kenntnis nehmen. Man kann zwar heute die Basis für eine bessere Zukunft legen, aber auch wenn es sympathisch klingt, heute die Zukunft zu gestalten, gelingt so wenig, wie sich die Vergangenheit verändern lässt.

Aussagen von Politikern und Politikerinnen müssen nicht immer als wirkungslose Worthülsen verpuffen. An der Frühjahrsversammlung des Gewerbeverbands schilderte Kantonal-Präsidentin Marianne Meister, wie sie den Regierungsrat-Wahlkampf erlebt hatte. Sie habe viele interessante Kontakte knüpfen können und den Kanton mit seinen zahlreichen Facetten neu kennen gelernt. Zum Beispiel wisse Sie heute, dass man die schönsten BHs in einem Dessous-Laden am Marktplatz in Grenchen findet.

Da ihr der Markenname entfallen war, nannte Meister die Büstenhalter kurzerhand «Blüemli-BH» und hob damit das besondere Design dieses Kleidungsstücks hervor. Die anwesenden Mitglieder des GVG schmunzelten, doch das Wort «Blüemli-BH» muss sich in den Köpfen festgeankert haben. Nicht anders lässt sich erklären, dass bis heute wiederholt Frauen wie auch Männer im erwähnten Geschäft «Blüemli-BHs» kaufen wollen. Fast ein wenig enttäuscht stellen die Kaufwilligen fest, die «Blüemli» sind weder farbig, noch zieren sie die Körbchen in allen Grössen, sondern verschönern unaufdringlich und diskret nur die Schulterträger.

Wenn sie wollen, können auch Kinder aufmerksam zuhören und uns Erwachsene oft mit neuen Wort-Kreationen überraschen. Als unser Enkel, dessen deutsche Mutter ein gepflegtes hochdeutsch spricht, während sein Schweizer Vater sich in Solothurner Mundart ausdrückt, gefragt wurde, «wie redet deine Mutter mit dir?», antwortete der Knirps: «Hochdeutsch».

Und da wir ihm auch eine Antwort über den Solothurner Dialekt entlocken wollten, bohrten wir weiter und fragten: «Und wie spricht dein Vater mit dir»? «Niederdeutsch», kam es wie aus der Pistole geschossen. Wir mussten alle herzlich lachen. Genau solche unbeschwerte Momente mit lustigen Gegebenheiten wünsche ich Ihnen in den kommenden Sommerwochen.

Wie schrieb bereits vor mehr als 2000 Jahren der römische Dichter Horaz angesichts der knappen Lebenszeit, die uns zustehen würde? «Carpe diem – geniesse den Tag» oder wörtlich übersetzt «pflücke den Tag», denn wir wissen, wir können weder die Vergangenheit verändern, noch bereits heute die Zukunft gestalten.