«Sicherheit ist ein ständiges Thema», meint Kurt Boner, Leiter der Sozialregion Oberer Leberberg. Ganz generell seien Drohungen und Gewalt eine «Art Realität». «Drohungen passieren. Sie treten ständig auf, aber nicht regelmässig.» Als Reaktion auf das gestrige Tötungsdelikt von Pfäffikon verschickte Boner heute Morgen als erstes ein Mail mit «elementaren Verhaltensregeln» an seine Mitarbeiter. Diese Regeln sind immer wieder zu diskutieren und zu kommunizieren. Unter anderem soll man sich nicht scheuen, im Hinblick auf eine schwierige Besprechung präventiv die Polizei beizuziehen.

Schlussendlich gehe es aber darum, wie der Sozialdienst und die Mitarbeiter mit dem Problem umgehen würden. Daher sei es für eine Führungsperson wichtig, die Mitarbeiter zu sensibilisieren, erklärt Boner. Wichtige Grundsätze sind Professionalität und Nulltoleranz gegenüber Drohungen und Gewalt. Letzterer Punkt wäre grundlegend für die Arbeit. Klienten, die drohen, werden angezeigt. Wie viele dies sind, kann Boner nicht sagen. «Es wird nicht Buch geführt.»

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sozialregion Dorneck erreichen ungefähr ein bis zwei Drohungen pro Monat, schätzt Adrian Stingelin, Leiter der Sozialregion. «Mitarbeiter des Sozialamtes sind oftmals Zielscheibe für Aggressionen. Auch ausserhalb des Büros.» Es sei jedoch schwierig zu sagen, wie ernst diese gemeint wären.

Keine Meldepflicht

Auch die kantonalen Behörden haben keinen generellen Überblick, wie viele Zwischenfälle es gibt, denn es besteht keine Meldepflicht. «Wir bekommen höchst selten Kenntnis davon, wenn etwas passiert», sagt André Grolimund. Der Chef des Amts für Gemeinden im Kanton Solothurn ist bestürzt über das Pfäffiker Tötungsdelikt. «Im Sozialhilfebereich sind Menschen tätig, die helfen und beistehen wollen. Wenn das der Lohn des Einsatzes ist, macht es betroffen.» Um Ereignisse wie diese im Keime zu ersticken, warnt man innerhalb der kantonalen Verwaltung die anderen Ämter davor, wenn einem Menschen Gefahrenpotential zugerechnet wird.

Gegen die Gefahr schützen können sich Sozialämter mit mehreren Massnahmen. Sie können einerseits bauliche und technische Massnahmen ergreifen, sowie die Polizeipräsenz verstärken. Andererseits gibt es die Möglichkeit, mit Überwachungskameras und technischen Einrichtungen mehr Sicherheit für die Mitarbeitenden zu schaffen. In Dorneck beispielsweise übermittelt eine Kamera vor der Tür Bilder des Herankommenden in die Büros. Ein elektronischer Türöffner gewährt ihnen dann Zutritt. Sollte es dennoch zu Problemen kommen, löst zu guter Letzt ein Knopf Alarm im Gebäude aus.

«Die vollständige Sicherheit gibt es nicht»

Doch egal wie viele Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden: Für Kurt Boner, Leiter Sozialregion Oberer Leberberg ist klar, dass es «die vollständige Sicherheit nicht gibt». Umso wichtiger ist es für ihn, das Thema Sicherheit ständig in die Arbeit zu integrieren. In den Grenchner Büros, welche Klienten aus den Gemeinden Bettlach, Grenchen, Lommiswil und Selzach empfangen, gilt deshalb eine offene Kommunikationspolitik. Hat jemand Probleme mit einem Kunden, tauschen sich die Mitarbeiter aus. Die Leitung ist zu informieren und steht gerne mit Rat und Tat zur Seite. «Die Mitarbeiterinnen werden in schwierigen Situationen gestützt und unterstützt», so Boner.

Viele Arten von Drohungen

Er ist froh, dass es im Büro der Sozialregion bisher keine Zwischenfälle gab, die das Ausmass von Pfäffikon annahmen. Es gebe aber viele Zwischenstufen, die den Mitarbeitern auch «weh» tun würden, betont Boner und spricht damit die vielen Arten von verbalen bis körperlichen Drohungen und Vorkommnissen an.

Man dürfe jedoch nicht ständig nur von den Problemfällen sprechen, betont Kurt Boner. Denn 95 Prozent der Klienten würden sich «sozial absolut verträglich» benehmen. Wenn aber etwas passieren würde, habe dies eine enorme Wirkung und stelle für die Mitarbeiterinnen eine grosse Belastung dar.