Im obersten Stockwerk des Kultur-Historischen Museums diskutierten am Donnerstag Obernarr Thomas Meister, René Bolle von der Faschingszunft, Jasmin Widmer von den Schuelschwänzern und Heinz Westreicher von der Gränchner Gosche und der Goschenacht unter der Leitung von Urs Wirth zum Thema Grenchner Fasnacht.

Der Raum war dem Anlass gemäss dekoriert mit Luftschlangen und alten Larven. Ungefähr 25 Personen wollten sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen. Zu Recht, denn wer dabei war, erlebte ein Feuerwerk an Lachern, alten Sprüchen und Anekdoten vergangener Fasnachtsanlässen.

Thema Solothurn - Grenchen

Der Titel des Events «Das isch d Gränchner Fasnachtszyt» stammt aus dem Grenchner Fasnachtslied. Das wussten die Teilnehmer der Diskussion, doch als sie gefragt wurden, wie das Lied denn weiter geht, kamen erste Probleme auf. «Es ist halt wie bei der Schweizer Nationalhymne», scherzte Moderator Urs Wirth. Nachdem sich jeder Teilnehmer kurz vorgestellt hatte, ging es los mit der Podiumsdiskussion.

Natürlich durfte dabei auch das Diskussionsthema der Rivalität zwischen Grenchen und Solothurn nicht fehlen. «Diese Rivalität besteht ja nicht nur an der Fasnacht, belebt diese aber auch», so Urs Wirth. Heinz Westreicher, der selbst einige Jahre an der Solothurner Fasnacht aufgetreten ist, hat «dieses Trauma mittlerweile verschmerzt». Und Obernarr Thomas Meister fügte hinzu: «Wissen Sie eigentlich, warum die Solothurnerzahl die Elf ist? Wüu Gränche s Zähni isch!» Bei den Schuelschwänzern wurde, laut Westreicher, ebendieses Thema 2003 thematisiert. Unter dem Motto «Mir gö is Dorf» wurden der Dorfcharakter und der Dorfgeist Grenchens gelobt.

Es sei doch schön, dass man sich in Grenchen kenne und grüsse, während man, wenn man in Solothurn jemanden grüsse, direkt als verrückt abgestempelt werde. All dies zitierte er aus einer alten Schnitzelbank der Gugge. «Aber das Schönste an Solothurn ist halt immer noch die Wengibrücke, sprich, der Weg zurück nach Grenchen.»

Früher gab es mehr Bälle

Aber auch die Veränderungen, welche die Fasnacht im Lauf der Zeit erfuhr, wurden thematisiert. «Früher gab es mehrere Bälle in Grenchen, wie den Wiiberball, den Kehrusball, heute gibt es diese alle nicht mehr», so Wirth. «Das Problem heute ist, dass die jungen Leute lieber Party machen, als Tango oder Walzer zu tanzen», vermutete Meister. Westreicher ergänzte: «Die Jungen wollen ein wenig von allem an so einem Fest: ein wenig Musik, ein paar Schnitzelbänke, ein bisschen Guggenmusik . . . Eigentlich ist es so wie an einer Beizenfasnacht. Das Problem mit den Bällen war einfach, dass die Livemusik zu teuer wurde und sie immer weniger Gäste hatten.»

Überhaupt, früher, «da war die Fasnacht die Zeit vor der Fastenzeit, da konnte man noch einmal die Sau rauslassen, heute kann man das jederzeit. Selbst an Karfreitag sind die Restaurants offen und es werden Partys veranstaltet.»

Anekdoten aus der Vergangenheit

Dann schwelgten die Diskussionsteilnehmer in Erinnerungen. Westreicher war eine besonders in Erinnerung geblieben: «Gemeinsam mit Urs hatte ich einen Auftritt am Plausch. Wir sollten als Engel auftreten und wurden deshalb standesgemäss im Nachthemd an Seilen hochgezogen, damit wir zu unserem Auftritt herunterschweben konnten. Allerdings hingen wir direkt neben dem Scheinwerfer. Wir haben grausam geschwitzt. Aber noch schlimmer war: Unser Spickzettel waren auf Bierflaschen, die wir festhielten.

Und wegen des Schweisses wurden unsere Hände feucht. Wir hatten immer Angst, dass uns die Flaschen aus der Hand rutschen, während die Tambouren ihren Auftritt unter uns absolvierten.» «Noch schlimmer war es dann, als die Tambouren zu einer Zugabe nochmals auf die Bühne zurückgeholt wurden!», warf Wirth dazwischen. «Wir hingen also nochmals fünf Minuten länger da oben!»
Der Anlass wurde mit viel Gelächter und Applaus honoriert. Im Anschluss wurde ein Apéro offeriert.