Grenchen
Solarboom unter der Konkurrenz hat die Swatch Group noch nicht erfasst

Der Uhrenriese besitzt in Grenchen enorm viel Dachfläche, aber keine Solaranlagen. Dabei verfügen zwei Gebäude über Potential für den Bau einer Solaranlage. Mögliche Solardächer würden geprüft, heisst es vonseiten der Firma.

Simon Binz und Andreas Toggweiler
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Solaranlage ist am Netz: Swatch-Group-Konkurrent Breitling hat in Sachen Sonnenenergie die Nase klar vorn.

Solaranlage ist am Netz: Swatch-Group-Konkurrent Breitling hat in Sachen Sonnenenergie die Nase klar vorn.

Hanspeter Bärtschi

Die Swatch Group und ihre Tochtergesellschaften geben sich stets umweltbewusst. «Aus Überzeugung setzen wir uns für Nachhaltigkeit und Energie Effizienz ein», schreibt Mediensprecherin Serena Chiesura auf Anfrage. Was heisst das genau?

Ein Blick in den aktuellen Jahresbericht des Uhrenriesen zeigt, dass damit grösstenteils Energiesparmassnahmen gemeint sind. Strom zu sparen ist aber nur eine Möglichkeit sich für Nachhaltigkeit einzusetzen, Strom zu gewinnen - beispielsweise mit Solaranlagen - eine andere.

Potenzial für ETA-Dächer

Die Swatch Group ist die Firma mit der wohl grössten Dachfläche in Grenchen überhaupt. Nirgends findet sich darauf jedoch eine Solaranlage, noch nicht einmal bei der neuen Zifferblattfabrik. Eine mögliche Erklärung wäre, dass das Potenzial der Dächer für Sonnenergie nicht ausreichend ist. Eine Mutmassung, die sich leicht überprüfen lässt. Das Solarkataster «Solargis» des Ingenieurbüro BSB + Partner in Biberist liefert mit ein paar wenigen Klicks die erforderlichen Daten.

Optima-Solar: «2013 ein durchschnittsJahr»

Die Beliebtheit von Photovoltaikanlagen hält an. Das zeigen auch aktuelle Zahlen der Genossenschaft Optima-Solar, die im Mai 2011 in Solothurn gegründet wurde. Präsident Max Bobst: «Zur Zeit haben wir 552 Genossenschafter und ein Genossenschaftskapital von 3,57 Millionen Franken.» Im letzten halben Jahr baute Optima-Solar fünf Anlagen mit insgesamt 545 Kilowattpeak (kWp) installierter Leistung. «Damit produzieren wir ungefähr 500 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr, was in etwa dem Verbrauch von rund 120 haushalten entspricht», sagt Bobst. Die Investitionskosten für die fünf Anlagen liegen zusammen bei rund 1,2 Mio. Franken. Die zwei grössten der fünf Anlagen sind Solarkraftwerke auf den Dächern der Roth AG in Obergerlafingen (237 000 Franken, 707 m², 110 kWp) und des Oberstufenzentrums DeLu in Derendingen (415 000 Franken, 1289 m², 206 kWp). Bis auf die Anlage beim Oberstufenzentrum in Derendingen sind die Anlagen laut Bobst vollumfänglich mit Eigenkapital finanziert. «In Derendingen fehlen uns noch ungefähr 70 000 Franken. Erfahrungsgemäss werden aber bis zur Einweihung die fehlenden Anteilscheine gezeichnet», erklärt der Genossenschafts-Präsident. Die Kostendeckung und Effizienz der Anlagen ist das eine, die Sonnenstrahlen-Ausbeute das andere. Max Bobst: «Die Solarstromproduktion im 2013 entspricht in etwa einem Durchschnittsjahr. Der Frühling war unterdurchschnittlich, der Sommer überdurchschnittlich und der Herbst bis jetzt leicht unterdurchschnittlich.» (SBI)

Was dabei herauskommt überrascht: Zwei (nicht geschützte) Gebäude der Swatch Group in Grenchen weisen durchaus Potenzial für Solaranlagen auf - es sind dies Dächer der ETA-Gebäude. Das Hauptgebäude an der Schild-Rust-Strasse 17 hat dabei das grösste Potenzial. Die geeignete Fläche beträgt dort laut «Solargis» rund 1194 m2.

Das heisst, dass die Swatch Group auf diesem Dach mit einer entsprechenden Anlage pro Jahr bis zu 225 000 Kilowattstunden Strom gewinnen könnte. Aber auch das ETA-Gebäude an der Bahnhofstrasse 9 weist durchaus gute Werte auf: mögliche Dachfläche von 571 m2 und eine mögliche Energieproduktion von 106 000 Kilowattstunden pro Jahr.

Solardächer würden geprüft

Das Potenzial ist vorhanden, der Wille ebenso, am Geld wird es auch kaum fehlen, warum also keine Solardächer? Bei Neubauten werde die Überzeugung für Nachhaltigkeit und Energieeffizienz konsequent durchgezogen - sofern es die Planung erlaube, schreibt Mediensprecherin Chiesura. Zum Beispiel sei der Bau im jurassischen Boncourt mit einer Photovoltaik-Anlage ausgerüstet worden. Was die Dächer in Grenchen betreffe, so müsse festgehalten werden, dass mit wenigen Ausnahmen die Dächer der Swatch Group 50 und mehr Jahre alt seien.

Das Solarpotenzial der Bahnhofstrasse 9 in Grenchen (mit technische Daten)
4 Bilder
Das Solarpotential des ETA-Hauptgebäudes (mit technischen Daten)

Das Solarpotenzial der Bahnhofstrasse 9 in Grenchen (mit technische Daten)

solargis.ch

«Die Option von Solardächern wird sehr wohl geprüft und bei Dachsanierungen in Betracht gezogen, so zum Beispiel der ETA-Hof, der ansteht», so Chiesura. Auch für die neue Zifferblattfabrik hat die Mediensprecherin eine passende Erklärung parat. Dort müsse vorläufig auf ein Solardach verzichtet werden, da eine Option für ein zusätzliches Stockwerk noch offen stehe. «Sollte die Nachfrage unserer Produkte noch mehr wachsen, so kann es sein, dass wir mehr Produktionsfläche brauchen werden.»

Breitling und Meto-Fer geben Gas

Die Erklärungen der Swatch Group sind durchaus nachvollziehbar. Zwei aktuelle Beispiele zeigen aber, dass der Solarboom definitiv auch auf die Grenchner Firmen übergeschwappt ist. Da wäre einerseits der Swatch-Group-Konkurrent Breitling, der auf dem Dach seines Lagerhauses an der Ecke Riedernstrasse/Wydenstrasse eine Solaranlage installiert hat.

Laut Breitling-Chef Jean-Paul Girardin ist die neue Anlage inzwischen am Netz. Doch Breitling hat damit noch längst nicht genug: Um Platz für den spektakulären Baselworld Messestand mit Meerwasser-Aquarium zu schaffen, baut der Uhrenhersteller zurzeit südlich hinter dem Lagerhaus eine weitere Halle, noch grösser als die bisherige. «Auch hier kommt eine Solaranlage drauf, die noch dieses Jahr ans Netz gehen soll», sagt Girardin.

Das zweite Beispiel ist die Meto-Fer Automation AG an der Maienstrasse 6, die zurzeit damit beschäftigt ist, eine Anlage auf ihrem Dach zu installieren. Die Kennzahlen der Anlage sind beeindruckend. Die Materialkosten werden bis zu einer Million Franken betragen und die Fläche rund 4300 Quadratmeter gross sein.

«Damit können wir pro Jahr rund 700 000 Kilowattstunden Strom produzieren», erklärt Meto-Fer-Chef Ernst Müller. Die ganze Anlage wird von der Meto-Fer selbst installiert und anschliessend auch von ihr gewartet. Bereits Ende Jahr will Müller mit der Anlage ans Netz. Er zeigt sich begeistert von alternativen Energien. «Ich bin ein bekennender Fan und finde Atomkraftwerke sind blöder Mist, den wir nicht brauchen.»

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